Impfen gegen Krebs!

Von Anja Heller, Ärztin

Alle jungen Frauen sollten vor dem ersten Sexualkontakt gegen HPV (= Humane Papillomaviren) geimpft werden. Vor allem die Typen HPV 16 und HPV 18 sind gefährlich - sie verursachen Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom). Wenn eine Frau sich bereits infiziert hat, dann wirkt die Impfung nicht mehr. Bereits mit 14 Jahren haben 72% der Mädchen und 68% der Jungen erste sexuelle Erfahrungen. Deshalb muss die Impfung schon vor der Pubertät erfolgen, am besten mit 11 oder 12 Jahren. Sinnvoll wäre die Impfung auch für Jungs und junge Männer. Sie sind die potentiellen Überträger und durch eine hohe Durchimpfungsrate bei allen jungen Menschen ließe sich das Virus ganz ausmerzen. Außerdem wären sie dann vor Feigwarzen geschützt, die ebenfalls von HPV verursacht werden.

Wie und wo erfolgt die Impfung?

Die Impfung erfolgt drei Mal innerhalb eines halben Jahres. Zwei Monate nach der ersten Impfung wird die zweite verabreicht und sechs Monate nach der ersten die dritte Impfung. Gespritzt wird in den Oberarmmuskel. Nach der dritten Impfung ist der Schutz vollständig. Du kannst Dich beim Hausarzt, beim Kinderarzt oder beim Frauenarzt impfen lassen.

Wie entsteht Gebärmutterhalskrebs?

Normalerweise werden von den Viren veränderte Zellen vom Immunsystem erkannt und bekämpft. Bei einigen Frauen ist das Immunsystem jedoch nicht stark genug, so dass die Viren lange Zeit inaktiv im Körper verbleiben. Sie können die Zellen der Gebärmutterhalsschleimhaut zur unkontrollierten Teilung anregen. Unkontrollierte Zellteilung jedoch führt zur Bildung eines bösartigen Tumors und zu dessen Ausbreitung. Diese Frauen entwickeln nach 10 bis 20 Jahren Vorstadien der Krebserkrankung. Werden diese Zellveränderungen nicht rechtzeitig entdeckt, wachsen sie immer weiter in das umgebende Gewebe ein. Ein Zervixkarzinom ist entstanden. Raucherinnen sind übrigens besonders gefährdet, da Nikotin und dessen Abbauprodukte sich im Gebärmutterhalsschleim anreichern.

HPV und Männer

Es gibt leider keine allgemeinen Zahlen zur Infektionsrate bei Männern. Studien haben jedoch gezeigt, dass bis zu 70% der männlichen Partner von Frauen, die HPV-positiv getestet wurden, ebenfalls infiziert sind. Männer bemerken die Infektion oft lange Zeit gar nicht, da sie eventuell nur kleinste Hautveränderungen am Penis haben. Sie sind jedoch Überträger. Außerdem sind Papillomaviren auch an der Entstehung von Peniskrebs sowie an Krebserkrankungen des Mundes und des Afters beteiligt.

Wie kannst Du dich schützen?

Es ist bewiesen, dass das Risiko, sich mit HPV zu infizieren um 70% sinkt, wenn beim Geschlechtsverkehr regelmäßig ein Kondom benutzt wird. Neben AIDS und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten ein weiterer Grund für Kondome! Vor allem bei häufig wechselnden Partnern sollten unbedingt Kondome angewendet werden und zwar nicht nur kurz vor dem Eindringen des Penis, sondern von Beginn der sexuellen Begegnung an. Nur so kann eine Übertragung wirkungsvoll verhindert werden (z.B. auch durch Oral- oder Analverkehr möglich). Übrigens ist eine HPV-Infektion nicht zwingend mit häufigen Partnerwechseln verbunden. Man kann sich auch bei einem einzigen Partner, der das Virus in sich trägt, anstecken.