Kondome schützen auch vor Krebs!

Von Anja Heller, Ärztin

Viren, die Krebs verursachen können

Humane Papillomaviren (HPV) gehören neben den Chlamydien zu den am häufigsten bei ungeschütztem Sex übertragenen Erregern. Vor allem die Typen 16 und 18 sind gefährlich: sie verursachen Gebärmutterhalskrebs (medizinisch: Cervix-Karzinom), der weltweit die zweithäufigste Krebstodesursache bei Frauen ist. Die Typen HPV 6 und 11 verursachen Genitalwarzen (auch Feigwarzen oder Condylomata accuminata genannt).

Wie häufig sind HP-Viren?

Unter sexuell aktiven jungen Frauen sind humane Papillomaviren (HPV) weit verbreitet. Etwa 50% aller Frauen im geschlechtsreifen Alter tragen diese Viren in sich. Besonders heimtückisch ist, dass die Infektion über längere Zeit symptomlos verlaufen kann. Unter Umständen merkst Du also lange gar nicht, dass du infiziert bist.

Gibt es einen Test auf HPV?

Es ist nicht einfach, eine HPV-Infektion festzustellen, da die Tests schwierig und teuer sind und sich für eine Routinediagnostik nicht eignen. Außerdem fällt das Testergebnis nur dann positiv aus, wenn das Virus sich vermehrt. Sitzt es hingegen unbemerkt in den Zellen wie es bei einer latenten Infektion der Fall ist, kann man es nicht feststellen. Ein Test wird dann durchgeführt, wenn Haut- oder Schleimhautveränderungen da sind, hinter denen der Arzt/die Ärztin eine HPV-Infektion vermutet.

Männer und HPV

Es gibt leider keine allgemeinen Zahlen zur Infektionsrate bei Männern. Studien haben jedoch gezeigt, dass bis zu 70% der männlichen Partner von Frauen, die HPV-positiv getestet wurden, ebenfalls infiziert sind. Männer bemerken die Infektion jedoch oft lange Zeit gar nicht, da sie eventuell nur kleinste Hautveränderungen am Penis haben. Sie sind jedoch Überträger. Außerdem sind Papillomaviren auch an der Entstehung von Peniskrebs sowie an Krebserkrankungen des Mundes und des Afters beteiligt.

Wie kannst Du Dich vor dieser gefährlichen sexuell übertragbaren Infektion schützen?

Eine in den USA durchgeführte Studie an Studentinnen ergab, dass das Risiko, sich mit HPV zu infizieren, um 70% sinkt, wenn beim Geschlechtsverkehr regelmäßig ein Kondom benutzt wird. Neben AIDS und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten wie Gonorrhoe (»Tripper«) oder Chlamydien ein weiterer Grund für Kondome! Das Infektionsrisiko lässt sich damit zwar nicht ganz verhindern, aber deutlich senken. Vor allem bei häufig wechselnden Partnern sollten unbedingt Kondome angewendet werden und zwar nicht nur kurz vor dem Eindringen des Penis, sondern von Beginn der sexuellen Begegnung an. Nur so kann eine Übertragung wirkungsvoll verhindert werden (z.B. auch durch Oral- oder Analverkehr möglich). Übrigens ist eine HPV-Infektion nicht zwingend mit häufigen Partnerwechseln verbunden. Man kann sich auch bei einem einzigen Partner, der das Virus in sich trägt, anstecken. Wichtig ist auch, dass Du regelmäßig an den Vorsorgeuntersuchungen teilnimmst.
Hat Dein Partner eine Veränderung am Penis sollte er umgehend einen Hautarzt oder Urologen aufsuchen.

Welche Behandlung gibt es?

Warzen im Genitalbereich werden chirurgisch entfernt oder lokal verätzt. Sie heilen dann zwar meist ab, Rückfälle sind aber häufig.

Neu: Ein Impfstoff gegen HPV

In den USA ist jetzt erstmals ein Impfstoff gegen humane Papillomaviren zugelassen worden (Gardasil®). Der Impfstoff könnte Teenager zuverlässig gegen das Virus schützen, allerdings nur, wenn noch keine Infektion erfolgt ist. Da Mädchen in den USA mit durchschnittlich 15 Jahren das erste Mal Geschlechtsverkehr haben, müsste die Impfung früher erfolgen, am besten mit 11 oder 12 Jahren. Der Impfstoff ist für alle Frauen und Mädchen zwischen 9 und 26 Jahren zugelassen. Eigentlich wäre es auch sinnvoll, Jungen zu impfen, da sie die Überträger des HPV sind.

Bookmark and Share