Magersucht

Der Kopf beherrscht den Körper!

Die Magersucht nimmt in den westlichen Industrienationen immer mehr zu. Vor allem Mädchen und junge Frauen zwischen 12 und 25 sind betroffen. Aber auch immer mehr Jungen entwickeln diese Form der Essstörung und die Altersgrenze verschiebt sich immer mehr nach unten. Die Betroffenen sind häufig sehr leistungsbewusst, oft perfektionistisch, nicht selten Musterschüler. Häufig kommen sie aus sehr harmonisch wirkenden, eher überbehüteten Familien. Auch die Angst vor dem Frauwerden und den weiblichen Formen spielt eine Rolle, ebenso das Schönheitsideal das von der Modeindustrie diktiert wird (die meisten Models sind mangelernährt!), aber auch Konflikte in der Familie, die über das Essen ausgetragen werden. Manchmal steckt auch ein sexueller Missbrauch hinter dieser Störung.

Frühe Hinweise auf eine Magersucht können sein, dass sich jemand plötzlich ständig über das Essen und seine Ernährung Gedanken macht. Schon abends im Bett werden Diätpläne für den nächsten Tag aufgestellt, der Morgen beginnt mit einem ängstlichen Blick auf die Waage, ständig wird am eigenen Körper herumkritisiert… Die permanente Unzufriedenheit mit dem Körper ist aber nur Ausdruck für andere Probleme: innere Leere, Angst vor Nähe, Ärger, Frustration. Die eigentliche Problemzone ist dabei der Kopf! Er will den Körper komplett steuern, auch Hungergefühle und Gelüste, die nicht zugelassen werden können und die der Kopf unbedingt kontrollieren will. Wird der Hunger besiegt, fühlt sich die/der Betroffene stark, unabhängig und anderen überlegen.

Magersüchtige haben außerdem:

  • eindeutig Untergewicht
  • extreme Angst vor Übergewicht
  • 20% ihres Ausgangsgewichts innerhalb kurzer Zeit verloren (innerhalb von 3 bis 4 Monaten)
  • den Gewichtsverlust selbst herbeigeführt, indem sie sich beim Essen stark einschränken, sich übertrieben sportlich betätigen oder Erbrechen selbst herbeiführen bzw. Abführmittel missbrauchen
  • eine Körperschemastörung, das heißt sie schauen in den Spiegel und finden sich selbst dann zu fett, wenn sie offenkundig untergewichtig sind
  • keine Krankheitseinsicht

Wie reagiert der Körper auf die Mangelernährung?

Eine chronische Unterernährung kann schwerwiegende körperliche Folgen haben:

  • Absinken der Körpertemperatur, des Pulses und des Blutdrucks (führt zu Frieren und Müdigkeit, Kraftlosigkeit bis hin zur Apathie)
  • Ausbleiben der Menstruation
  • Trockene Haut, brüchige Haare, Haarausfall
  • Veränderte Körperbehaarung
  • brüchige Knochen (Osteoporose)
  • Muskelschwäche
  • Blutarmut (Anämie)
  • Depressive Verstimmungen, labile Stimmung

Achtung, diese Erkrankung kann lebensbedrohlich werden! Etwa 10 % der Magersüchtigen sterben. Deshalb ist es auch so wichtig, die Anzeichen frühzeitig zu erkennen und auch ernst zu nehmen. Vielleicht kennst Du jemanden, auf den das Gesagte zutrifft? Oder vielleicht trifft es sogar auf Dich selber zu? Dann brauchst Du professionelle Hilfe durch einen Arzt Deines Vertrauens, durch eine Selbsthilfegruppe oder eine Beratungsstelle.

Weitere Informationen, sowie Kommunikationsmöglichkeiten und Adressen für Beratungstellen, Therapieeinrichtungen und anderen Hilfsangeboten findest du auf der Website www.magersucht-online.de.

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