Wer ich bin

Berufsfindung ist Selbstfindung

von Gerhard Winkler

Es ist nicht schlimm, wenn du lange zweifelst, was aus dir werden soll. Berufsfindung ist nichts, was man eben mal zwischen Schule und Sportplatz schiebt. Es sollte einen sogar eher beunruhigen, wenn man merkt, dass man sich zu schnell auf etwas festlegt oder gar von Dritten festgelegt wurde. Jobfindung bedeutet immer auch Selbstfindung. Schließlich beschäftigst du dich eingehend mit deinen eigenen Stärken und Grenzen, deinen Zielen und Wünschen.

Studentin lernt
Fotolia.com

Reine Selbsterkenntnis darf natürlich nicht das einzige Resultat in diesem Prozess sein. Sonst wäre die Suche nach dem richtigen Beruf ziemlich dumm gelaufen.

Erst nach der Zielbestimmung startet man damit, sich beruflich zu vermarkten. Bewirb dich nicht, wenn du bloß herausfinden willst, ob dir eine Ausbildung eventuell Spaß machen könnte. Oder wenn dir nichts Besseres einfällt. Oder wenn man dich zum Bewerben geradezu tragen musste.

Bewirb dich nicht aus Verlegenheit oder weil es scheinbar keine Alternative gibt. Bewirb dich genau um das, was du tatsächlich tun und lernen willst.

Menschen erfinden sich im Leben ab und zu neu und orientieren sich beruflich neu. Jede Phase der Berufsfindung bedeutet Umbruch, Selbstzweifel, Unsicherheit. Erwachsene wissen, wie schwer solche Übergangszeiten sind und bieten jungen Leuten jede Menge Unterstützung.

Zogen all diese Infostunden, Erlebnistage, Berufsbörsen und Broschürenfestivals ergebnislos an dir vorbei? Dann bist du dir selbst vielleicht noch ein Rätsel. Nicht verzweifeln. Sorge dafür, dass du ein paar Stunden in Ruhe gelassen wirst. Schalte alles ab, was piepst oder klingelt. Machen dich für alle unauffindbar. Auf dich wartet eines der interessantesten Abenteuer: Über sich selbst und den Platz in der Welt nachdenken.

Niemand kann das besser als du selbst. Leg los und ergänze dich:

  • Ich weiß, dass ich das gut drauf habe und kann:
  • Ich will nicht überheblich sein, aber das kann ich sogar viel besser als andere:
  • Von anderen höre ich, dass ich überraschend fit bin in:
  • Von dem, was Erwachsene beruflich machen, hat mich am meisten beeindruckt:
  • Diese Aktivitäten und Arbeiten finde ich dagegen öde bis ätzend:
  • Meine Ziele habe ich bisher erreicht dank dieser persönlichen Stärken:
  • Mir selbst ein Hindernis war ich dagegen wegen dieser persönlichen Schwächen:
  • In beruflicher Hinsicht könnten diese Menschen meine Vorbilder sein:
  • Wenn ich nicht aufhören würde, an mir zu arbeiten, dann hätte ich in 5 Jahren:
  • Wenn man mich lassen würde, dann würde ich mein Geld am liebsten so verdienen:

Hak aber damit das Thema nicht ab. Orientier Dich weiter, nutz alle Gesprächs-, Test-, Beratungsangebote. Erwachsene Ratgeber gehen oft von ihren eigenen Joberfahrungen aus. Die Welt bietet aber so viel mehr an Job- und Karrieremöglichkeiten, als Ihre Umgebung weiß. Zum Glück ist das World Wide Web so nah. Dort kann man in Ruhe recherchieren, was es alles zu arbeiten gibt und was man dafür braucht.

Finde zuerst heraus, was du tun (erlernen) willst. Kümmere dich dann um das Wo und um das Wie

Falls du jetzt gerade fünfzehn, sechzehn Jahre alt bist, beachte bitte:

  • Sofern man seinen Berufswunsch jetzt noch nicht in trockene Tücher bringen kann, wahrt man seine Optionen, wenn man die Schule bis zum guten Abitur weiter macht.
  • Du hast noch Ausbildungen und das ganze Berufsleben vor dir - und du hast dabei bereits jetzt keine Zeit zu verlieren.
  • Tu nicht nichts. Wer die Zeit zwischen Fünfzehn und Zwanzig verbummelt, holt die anderen nicht mehr ein.

Du merkst schon: Berufsfindung heißt, sich selbst und der Wirklichkeit ins Auge zu schauen.

Verwandte Artikel