Foto-Tipps

von Gerhard Winkler

Ist es nicht ungerecht, dass Leute, die mit ihrem Aussehen anscheinend überall durchkommen, auch beim Bewerben die besseren Karten haben? Wahrscheinlich schon, aber statt darüber zu klagen, teilen wir uns doch lieber selber Trumpfkarten aus.

Es gibt keine hässlichen Bewerber. Es gibt nur sehr viele, die sich ungeschickt vermarkten. Und es ist so leicht, Ausbilder, Jobanbieter, Erwachsene von sich einzunehmen. Hol dir aus deinem Bewerber-Porträt einfach das Maximum heraus.

Dazu akzeptiere aber die Voraussetzungen:

  • Das Bewerberporträt dient nicht zur Identifizierung. Es repräsentiert deine Eignung.
  • Mit der Aufnahme drückt man auch nicht sich selbst aus. Man visualisiert, wie man in der Arbeitswelt gesehen werden möchte.
  • Das Bewerbungsfoto ist ein Werbemittel. Darum ist es grundverkehrt, an den Kosten und am professionellen Handling zu sparen.

Im Grunde zeigt das Bewerberporträt eine Selbst-Inzensierung. Auch vor dem Foto-Handy des Kumpels posierst du nicht bloß so, wie du bist. Jeder macht sein Statement:

Oh Mann, bin ich cool, Mann. Oder: Status, Status, Status. Oder Wieso abgedreht? Avantgarde!

Im Bewerber-Porträt machst du dagegen sichtbar, dass du offen, herzlich und gut drauf bist, dass du keine Hintergedanken vor dem Jobanbieter verbirgst und dass du willens bist, Funktionskleidung zu tragen.

Dazu gehst du nicht nur zum Studiofotografen. Wenn der lokale Meister Bewerberfotografie als einen lustlosen 3-Minuten-Akt versteht, dann wechselst du sogar zum teureren Fotografen in der nächst größeren Stadt.

Ein Profi leuchtet dich korrekt aus; ohne Schatten oder Weißlichter. Er kadriert dich so, dass du vom Haaransatz bis zum obersten Shirt-Knopf optimal aufs Bild kommst. Er sorgt für einen neutralen Hintergrund. Er macht, dass deine Augen groß und lebendig sind, dass sie funkeln und dass sie den imaginären Betrachter fixieren. Der PR-Fotograf bringt dich dazu, dich zu entspannen und mit geöffnetem Mund strahlend zu lächeln. Er macht den optimalen PR-Shot - selbst wenn er dafür eine Stunde mit dir beschäftigt ist.

Ein Bewerber-Foto funktioniert, wenn du darauf arglos, offen, froh und freudig, zugänglich und vertrauenswürdig aussiehst. Es geht nicht ohne WOW-Effekt, und der heißt für den Betrachter unheimlich nett.

Auch wenn du größten Wert darauf legst, dich durch nichts aus deiner natürlichen Trotz- oder Depri-Haltung bringen zu lassen: Die Aussicht auf einen Ausbildungsplatz sollte dir ein optimistisches Lächeln wert sein. Ringe es dir ab.

Die Fototipps im Einzelnen:

Das Foto schwarz-weiß oder farbig, 6 x 4 oder größer, Querformat, wenn du aus dem Rahmen fallen möchtest. Ein Schwarz-Foto nimmt Farbe raus – das heißt auch jede Kleiderfarbe, die dem Betrachter unangenehm auffallen könnte. Fotos lassen sich retuschieren - ein guter Fotograf ist ein Kosmetiker und glättet Ihr Porträt, bis alle Unebenheiten verschwinden.

  • Trag am besten ein Jackett oder einen Blazer.
  • Darunter oder stattdessen ein einfarbiges Shirt oder allenfalls ein monochromes T-Shirt.
  • Trag nichts mit Logo oder Betextung. Vermarkte dich selbst und nicht irgendeine Trendfirma.
  • Trag eine Krawatte, wenn du auch am Ausbildungsplatz eine trägst.
  • Ein gängiges Vorurteil heißt: Menschen mit aufgelösten, chaotischen, ungebändigten, wirren Haaren sind auch so. Domestizier lieber deine Frisur.
  • Schau in die Linse, als wären es die Augen des Bildbetrachters.
  • Vertrau auf die Macht großer, strahlender Augen. Bring die Augen zum Lächeln: Augen etwas aufreißen – erstaunt schauen – weiße Fläche um die Pupille vergrößert die Augen.
  • Bitte mehr als freundlich lächeln, mit leicht geöffnetem (!) Mund. Etwas Biss zeigen!
  • Die Hände ganz aus dem Bild. Die Körperhaltung eher leicht und erwartungsfroh gespannt als zu relaxed.
  • Keinen dunklen Hintergrund!
  • Keine Glanzlichter, Spitzlichter, Reflexe auf Nase, Stirn, Wangen, Kinn!
  • Digitale Versionen in bester Druck-Qualität (mit-) bestellen

Persönlich verlangt das alles oft eine ziemliche Anpassungs- und Stilisierungsleistung. Da du für das Porträt und im Jobinterview keine Keidung trägst, in denen du dich wohlfühlst, sondern bei deren Anblick sich der Ausbilder wohlfühlt, wirst du manchmal gezwungenermaßen in ein adäquates Outfit investieren.

Das geht ins Geld - falls die Erziehungsberechtigten die Ausgabe scheuen, zahl es notfalls aus dem eigenen Sparschwein. Das überzeugende Bewerberfoto, die geschäftstaugliche Kleidung sind mit die besten Investments, die du als Bewerber machst.

Verwandte Artikel