Anschreiben aufbauen

von Gerhard Winkler

Ob Erstbewerber oder alter Jobhase, in jedem Anschreiben baut man seine Sub-Botschaft ein. Natürlich lautet sie nicht: Hier kommt der Superstar. Ein Gewinner signalisiert: Vertrauen Sie mir.

Die Bringer unter den Anschreiben informieren nicht bloß. Sie funktionieren als vertrauensbildende Maßnahmen.

Schaffen das auch die üblichen Anschreiben? Sie sind alle so oder so ähnlich aufgebaut: Ein Angebot hat dein Interesse geweckt. Du bewirbst dich hiermit. Du hast dich vorab über den Beruf informiert. Du hast diese und jene schulischen Leistungen erbracht. Du tust so, als hättest du Hobbys. Du bist motiviert, flexibel und so weiter. Näheres möchte man bitte den Beilagen entnehmen. Du würdest dich sehr, sehr freuen, wenn es klappt. Und tschüss.

Natürlich kommen Bewerber damit durch. Ihre Leitlinie beim Aufbau eines Anschreibens sollte jedoch nicht lauten: Reicht das aus? Überleg stattdessen: Wie baue ich das Ganze so auf, dass ich die Mitbewerber überhole?

Und darauf achten Papierbewerber besonders:

Absender

Telefon und E-Mail-Adresse nicht vergessen. Anbagger- und Amateur-Adressen wie blondes_gift@g-offline.de oder 1992grrrl@t-komm.de weisen einen als eine Person aus, die nicht sehr ich-stark ist. Oder warum sonst verzichtet man freiwillig auf sein wichtigstes Vermarkter-Instrument, den eigenen guten Namen?

Empfänger

Zum Firmennamen gehört auch die Rechtsform: Low Tech-Werke AG. Adressiere nicht z.H. Frau Gabel-Brödel, sondern einfach Frau Gabel-Brödel.

Betreffzeile

Schreib keinesfalls Betreff: oder betrifft: Kürze massiv. Statt: Bewerbung um einen Ausbildungsplatz zur Hebamme besser: Ausbildung zur Hebamme. Trau dich, Bezüge wie Ihre Anzeige in der Soester Bauernpost vom 3.9. ersatzlos zu streichen. Kill überhaupt alle Worte und Sätze, die du nicht zum Aufbau deiner Argumentation brauchen. Traditionalisten schreien hier stets empört auf - aber fokussierte Bewerber wollen Ihre Selbst-Präsentation aufbauen und haben darum weder Platz noch Zeit noch Lust für Formalkram.

Briefanrede

Identifizier, wer genau die Auszubildenden oder Jobber einstellt und sprech diese Person direkt an: Sehr geehrte Frau Wucher,

Einleitung

Sei tapfer, fass dich ein Herz, brech die Regeln und starte sofort mit dem, was am meisten für dich spricht. Was das ist, das weisst nur du. Solltest du es nicht herausfinden, wende dich an einen Berater deines Vertrauens. Beispiele für das stärkste Argument:

  • Held(in) der Arbeit:
    Sehr geehrte Frau Kräutl,
    Fakturierung, Datenbankpflege und Ablage waren die Schwerpunkte meines vierwöchigen Ferienjobs bei der Plüsch Produktions AG.
  • Top Ten in der Schule:
    Sehr geehrter Herr Dr. Linden,
    außergewöhnlich gute Leistungen in meinen Schwerpunktfächern Biologie und Mathematik sowie Erfolge als Teamführerin in der Hockey-Mannschaft des Ludwig-Hohl-Gymnasiums belegen meine Lern- und Leistungsbereitschaft.
  • Starke Helfer:
    Sehr geehrte Frau Lippe,
    gern folge ich der Empfehlung Ihres Prokuristen Herrn Tremmel, mich bei Ihnen um ein Praktikum in Ihrer Schokolade-Veredlung zu bewerben.

Hauptteil

Die Beispiele oben zeigen, du fängst gleich mit dem Hauptteil an. Falls du dein funktionales Anschreiben einem Lehrer zeigst und er mosert: Personaler überlesen die gängigen Einleitungen sowieso. Und du textest nicht pro forma, sondern pro Job.

Komm nicht ins Erzählen. Schreib nicht, dass du zuerst dies und dann das gemacht hast. Zähl ein Pro-Argument nach dem anderen auf und nicht ein Ereignis nach dem anderen.

Die meisten Bewerber behaupten, beteuern, versichern. Warum sollte man ihnen glauben, dass ihnen der Umgang mit Menschen Spaß macht? Beleg du doch deine Pluspunkte und nenn Zeugen, die deine Eigenschaften und Erfolge auch bestätigen können.

Schlussteil

Erwähne, warum du dich gerade hier bewirbst. Am Briefende übernimmt man ohne Skrupel bewährte Sätze im Stil von: Sehr gern überzeuge ich Sie im direkten Gespräch von meiner Lern- und Leistungsbereitschaft, meiner Freude an der Arbeit mit dem Mac und meinem kreativen Talent. Ich freue mich über Ihre Nachricht. Doch auch hier lohnt sich die Suche nach dem etwas persönlicheren und eine Spur netteren Ausstieg. Vergiss nicht die Grußformel und deinen vollständigen Namen!

Fazit

In der 1:1 Kopie einer Anschreiben-Vorlage sind deine besonderen Vorzüge nicht zu finden. Warum soll man dich einstellen, wenn man nicht erfährt, wer du bist und was du draufhast? Mach dein eigenes Ding. Und bleib immer konkret.

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