Fang so an

von Gerhard Winkler

Die meisten Bewerber sind froh, wenn sie was finden, was man nur sklavisch abschreiben oder nachmachen braucht. Die Erfolgreichen nehmen den einfachsten und schnellsten Weg zum Ziel.

Was man als Bewerber zu sagen hat, sagt man am besten direkt. Bewerbung schreiben ohne Firlefanz geht so:

  • Spar dir jede Art von Einleitung.
  • Folg nicht der üblichen Konvention Einleitung - Hauptteil - Schluss.
  • Bleib konkret und kleb an den Fakten.
  • Vermeid zwischen Anrede und Grußformel jedes höfliche Gelaber.
  • Schreib ja keine Vorlagen ab.
  • Versteh das Anschreiben als einen Kurzvortrag.
  • Bau dir dein Anschreiben auf wie einen Hinterhalt.

Die meisten Bewerber haben keine Ahnung, was ein Anschreiben überhaupt soll. Auch die Mehrzahl der Bewerberberater ist sich über das Konzept nicht klar. Sonst würden sie nicht Brief-Versatzstücke propagieren, die einem im Magen liegen wie Ziegelsteine. Doch dir eröffnet die Formulierungsschwäche der anderen eine riesige Chance: Deine Konkurrenten, die Schema-F-Bewerber, lassen sich von dir locker schlagen.

Die Irrtümer der Schema-F-Bewerber

  • Irrtum 1
    Anschreiben sind Begleitschreiben zu den versendeten Unterlagen. - Grundfalsch. Jedes Anschreiben ist wie jeder Lebenslauf eine in sich abgeschlossene, komplette Präsentation.
  • Irrtum 2
    Bewerbungsschreiben sind durch und durch formalisiert, weil geschäftliche Korrespondenz eben regelgeleitet, zeitsparend und ohne kreativen Aufwand abläuft. - Grundfalsch. Mit der Handelskorrespondenz teilen Anschreiben nur die Layout-Regeln, die Regeln der Rechtschreibung und Grammatik sowie die Regeln zur Wahrung eines Ausdruck-Niveaus und eines neutralen Tonfalls. Ansonsten ist ein Anschreiben ein Briefing über deine berufliche Eignung.
  • Irrtum 3
    Bewerbung funktioniert wie Werbung und Jobanbieter sind eigentlich wie Konsumenten: Sie wollen verführt werden. - Grundfalsch. Bewerberauswahl ist harte Arbeit. Jobanbieter honorieren am meisten, wenn man ihnen professionell und effizient zuarbeitet. Wer Leute rekrutiert, der will entlastet werden und nicht mit Info-Spam zugemüllt.
  • Irrtum 4
    Bewerben ist Schönfärberei und Wortgeklingel. - Grundfalsch. Es gibt in Industrie, Handwerk und Dienstleistung keine Jobs, die für ausgesprochene Dummschwätzer gedacht sind. Die Grundregel der Selbstvermarktung und des beruflichen Handelns: Be straight. Sei ehrlich und geradlinig.

In finsteren Zeiten, als das Auflauern und Legen eines Hinterhalts noch modern war, pflegte man gegenüber denen dort unten in der Schlucht keinerlei Umständlichkeiten à la Hiermit möchte ich Ihnen einen Hinterhalt bereiten. Man warf umstandslos mit dem dicksten Brocken zuerst.

Personaler und Ausbilder haben notorisch keine Zeit und verfluchen im Grund alle Bewerber, die sich hinter nichtssagenden Satzbausteinen und Floskeln unsichtbar machen. Servier den dicksten Brocken zuerst. Direkt nach der Briefanrede. Ohne vorbereitende Worte. Plazier dein stärkstes Pro-Argument, das für dich spricht, in die erste Zeile. Und dann fächere deine weiteren Argumente auf. Jeder Bewerber findet für sich heraus, was sein stärkstes Argument ist. Argumente sind keine Behauptungen. Deshalb leg besser Fakten auf den Tisch. Was du im Anschreiben vorbringst, hängt am meisten davon ab, was du wie gut bei wem gelernt und was du wie gut für wen gemacht hast. Darum gewinnen am Ende eben die Kandidaten, die sich auf ihre eigenen Stärken besinnen und sie überzeugend herausarbeiten.

Und die vielen Bewerber, die Muster-Anschreiben abschreiben und sich damit einen unsichtbar machenden Mantel umhängen? Die übersieht man zu leicht.

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