von Gerhard Winkler
Die meisten Bewerber sind froh, wenn sie was finden, was man nur sklavisch abschreiben oder nachmachen braucht. Die Erfolgreichen nehmen den einfachsten und schnellsten Weg zum Ziel.
Was man als Bewerber zu sagen hat, sagt man am besten direkt. Bewerbung schreiben ohne Firlefanz geht so:
Die meisten Bewerber haben keine Ahnung, was ein Anschreiben überhaupt soll. Auch die Mehrzahl der Bewerberberater ist sich über das Konzept nicht klar. Sonst würden sie nicht Brief-Versatzstücke propagieren, die einem im Magen liegen wie Ziegelsteine. Doch dir eröffnet die Formulierungsschwäche der anderen eine riesige Chance: Deine Konkurrenten, die Schema-F-Bewerber, lassen sich von dir locker schlagen.
In finsteren Zeiten, als das Auflauern und Legen eines Hinterhalts noch modern war, pflegte man gegenüber denen dort unten in der Schlucht keinerlei Umständlichkeiten à la Hiermit möchte ich Ihnen einen Hinterhalt bereiten. Man warf umstandslos mit dem dicksten Brocken zuerst.
Personaler und Ausbilder haben notorisch keine Zeit und verfluchen im Grund alle Bewerber, die sich hinter nichtssagenden Satzbausteinen und Floskeln unsichtbar machen. Servier den dicksten Brocken zuerst. Direkt nach der Briefanrede. Ohne vorbereitende Worte. Plazier dein stärkstes Pro-Argument, das für dich spricht, in die erste Zeile. Und dann fächere deine weiteren Argumente auf. Jeder Bewerber findet für sich heraus, was sein stärkstes Argument ist. Argumente sind keine Behauptungen. Deshalb leg besser Fakten auf den Tisch. Was du im Anschreiben vorbringst, hängt am meisten davon ab, was du wie gut bei wem gelernt und was du wie gut für wen gemacht hast. Darum gewinnen am Ende eben die Kandidaten, die sich auf ihre eigenen Stärken besinnen und sie überzeugend herausarbeiten.
Und die vielen Bewerber, die Muster-Anschreiben abschreiben und sich damit einen unsichtbar machenden Mantel umhängen? Die übersieht man zu leicht.