Chatprotokoll vom 03.05.2006

Offener Chat mit dem Bewerbungshelfer

Mit Gerhard Winkler - Chatprotokoll vom 03.05.2006

Moderator: Willkommen beim formyourself.de Bewerber-Chat mit Gerhard Winkler. Heute mit dem Thema »Korrekt bewerben - Karriere steuern - Konflikte lösen«.

Gerhard Winkler
Gerhard Winkler

Gerhard Winkler: Hallo, ich freue mich über Ihre aktive Teilnahme und über viele Fragen …

Karl-Heinz: Hallo Herr Winkler, kann man seine Karriere wirklich steuern? Komme mir manchmal nur wie ein Spielball vor!

Gerhard Winkler: Haben Sie denn den Eindruck, Ihr beruflicher Weg verläuft chaotisch oder sehen Sie nicht in die Zukunft?

Karl-Heinz: Ja, irgendwie verläuft alles fremdbestimmt - egal was ich mache...

Gerhard Winkler: Wer oder was leitet Ihr Handeln? Spielball heißt ja: Sie werden getreten und finden nicht selber zum Spiel. Wenn Sie in der Tretmühle stecken, dann schalten Sie um auf Routine und knapsen Sie sich ein bisschen Zeit ab zur Selbstreflexion.

Gerhard Winkler: Ein gutes Verfahren: Ziele zu bestimmen, die Sie jetzt und später erreichen wollen.

ecatarina: Hallo, Herr Winkler! Ich finde es immer wieder frustrierend, wenn ich Absagen erhalte mit der Aussage, ein anderer Bewerber habe vom Profil her besser gepasst oder man habe so viele Bewerbungen aus der Branche soundso bekommen und wolle sich auf diese Kandidaten beschränken, daher müsse man mir absagen. Gleichzeitig sehe ich dann, dass die Anzeige, auf die ich mich da beworben hatte, am gleichen Tag aktualisiert wurde...also hatte man wohl doch noch nicht genügend Bewerber aus der Branche … Sagen Personaler da nicht die Wahrheit? Und was muss man tun, um die Branche zu wechseln? Ich war in den letzten Jahren im Call Center tätig (Trainerin) und kann mir gut vorstellen, auch in einer anderen Branche zu arbeiten.

Gerhard Winkler: So leid es mir tut: Ihre Bewerbung hat nicht überzeugt. Das Signal, das Sie erhalten, ist eindeutig: Präziser argumentieren!

ecatarina: Okay, das heißt also, es liegt an mir und damit kann ich auch was dagegen tun! Danke!

Gerhard Winkler: Im Anschreiben verdichten Sie alles, was für Sie spricht. Kein Verweis auf Lebenslauf oder Zeugnisse. Ihr Job ist es, Ihre Jobeignung zu beweisen.

ecatarina: Das mache ich auch. Seit ich Ihre Seite kenne, habe ich viel dazu gelernt. Aber ich glaube, es ist auch ein Stück weit eine Aufzählung … und ein bisschen steif. Also muss ich mich damit nochmals befassen.

Annett: Hallo Herr Winkler, sollte/muss man im Anschreiben erklären, warum man den Job wechseln möchte? Wenn ja, welcher Punkt kommt schlecht, welcher gut beim Arbeitgeber an?

Gerhard Winkler: Konkrete Gründe, die Sie nicht schwächen, die Bewerbung nicht abwerten, die dem Jobanbieter gefallen, sollten Sie unbedingt nennen. Was gut ankommt: Zu benennen, was man in der Organisation, in der Position zum Nutzen der Firma zur Geltung bringen kann.

DerrichtigeMann: Hallo Herr Winkler, ich bin Hochschulabsolvent und will in PR/Kommunikation eines Großunternehmens einsteigen. Ich ignoriere dabei Online-Bewerberpools und maile direkt an die PR-Abteilung meine Unterlagen. Soll ich nun der Mail noch ein "offizielles" Anschreiben für die Personalabteilung anhängen und in der Mail betont locker bleiben, oder besser den Gegenüber mit einem Anschreiben im Mail-Text überfallen?

Gerhard Winkler: Direkt bewerben ist prima. Im Anschreiben nicht locker-flockig texten, sondern präzis die Jobeignung darlegen. Anschreiben ist kein Press-Release. Es ist ein Briefing für Fachleute. Die Mail ist das Anschreiben. Keinesfalls die Mail als Begleitschreiben zu einem Bewerbungsschreiben missverstehen!

DerrichtigeMann: Also trenne ich Mail (schreibe den Wille/Begeisterung rein) und verweise auf die Anlage (ins Anschreiben die Fakten und Zeugnisse)

Gerhard Winkler: Oh, oh. Wenn Wille und Begeisterung ausreichen würden, wäre halb Deutschland Fußballnationaltrainer. Fokussieren Sie sich auf Eignung und Erfahrung.

Gerhard Winkler: Korrekt bewerben - Karriere steuern - Fragen Sie, was Ihnen unter den Nägeln brennt! Wer von Ihnen steckt gerade in einer Phase der aktiven Jobfindung? Sie dürfen jede Frage stellen ...

Annett: Hallo Herr Winkler, ich habe spezielle Arbeitgeber im Auge. Dort ist zurzeit keine Stelle frei oder mein Bewerberprofil passt noch nicht. Aber wenn eine Stelle frei wäre, dann will ich eine passende Kandidatin sein und keine eventuell passende Kandidatin. Kann man bei diesem Arbeitgeber anfragen, welche Qualifikation bzw. Fähigkeiten, welche man zurzeit noch nicht vorweisen kann - vorbereitend auf eine frei werdende Stelle- von Wichtigkeit wären. Kurz gesagt – kann ich fragen, was der Arbeitgeber haben will?

Gerhard Winkler: Zwei Möglichkeiten: Jemanden zu identifizieren, der dort arbeitet (im Management) und ihn ausfragen. Oder einen Personalfachmann in der Firma ansprechen. Keine Angst, sich vorzustellen und sein Interesse zu bekunden! Versuchen Sie es. Man schätzt Leute sehr, die den Bedarf der Organisation mit bedenken.

DerrichtigeMann: Was mir unter den Nägeln brennt …die Gehaltsverhandlungen! Ich habe mich bei den Gewerkschaften informiert, was zurzeit in der Branche als Einstiegsgehalt verdient wird. Wie forsch kann/darf ich als Absolvent in den Verhandlungen werden? Ich würde erst einmal auf die Tarife verweisen, wenn man mich fragt.

Gerhard Winkler: Als Absolvent können Sie auf die marktüblichen Gehälter verweisen, aber koppeln Sie das mit Ihren Bonus-Qualitäten, die ein Jobanbieter bei Ihnen einkauft. Rechtfertigen Sie Ihren Gehaltswunsch STETS aus Ihrer Leistungsfähigkeit heraus.

DerrichtigeMann: Ich suche aktiv …

Gerhard Winkler: Sie sind PR-Mann. Schauen Sie, ob Sie neben der Suche noch Arbeitsproben ausarbeiten können. Engagieren Sie sich für eine Non-Profit-Organisation. Sammeln Sie Belege Ihres Könnens. Gewinnen Sie Fürsprecher.

Gerhard Winkler: Was sind Ihre Gehaltsvorstellungen, liebe Chatter? Reden wir übers Geld. Raus mit der Sprache ... Karten auf den Tisch ...

K. Leiter: Hallo Herr Winkler! Ich bin derzeit kaufmännischer Leiter, knapp über 50 und suche eine neue Stelle. Die Frage, warum ich wechsle ist besonders schwierig, da die Antworten leicht negativ ausgelegt werden. Die wahren Gründe sind der desolate finanzielle Zustand und die schlechte Organisation meines derzeitigen Unternehmens. Hier kommt natürlich die Frage, welchen Anteil man selbst daran hatte. Auch familiäre Gründe (Heimatnähe kommen nicht in Frage). Was sind Ihrer Meinung nach unangreifbare qualifizierte Antworten?

Gerhard Winkler: Das leitende Management wechselt entweder, weil ihm was Besseres angetragen worden ist, weil es ein politisches Opfer wurde oder wegen grässlicher, nicht zu vertuschender Fehler. Darüber spricht man aber doch nicht. Das widerspricht dem Komment. Als Wechselgründe in Ihrer Position kommen nur EHRENWERTE Angaben in Frage.

Gerhard Winkler: ecatarina, DerrichtigeMann, Annett: Wo pegeln Sie sich vergütungsmäßig ein?

DerrichtigeMann: Wenn ich einen Job annehme, aber drei Wochen später die Zusage für ein viel besseres Angebot bekomme, kann ich dann problemlos wechseln, oder knebelt mich der erste Arbeitgeber, sodass mir die "große Chance" verloren geht?

Gerhard Winkler: Ich würde es mir sehr, sehr, sehr überlegen, in der Probezeit zu wechseln. Ein Akt von Illoyalität kehrt sich früher oder später gegen den Urheber. Bleiben Sie mit Firma B in losem Kontakt, vielleicht ergibt sich später eine Jobchance.

DerrichtigeMann: Min. 35.000 € p.a., bestenfalls 45.000 € p.a., ich ziele auf 38-40T€ … Großunternehmen. Unter 35.000 € kann man etwa in München keine Sprünge machen.

Gerhard Winkler: Im Gespräch die Zahl auf tausend genau nennen. NIEMALS Margen angeben.

DerrichtigeMann: ...die geäußerte Gehaltsvorstellung ist natürlich auch unternehmensabhängig.

Gerhard Winkler: DerrichtigeMann: Von Ihnen hätte ich lernen können, als ich angefangen habe, mich zu vermarkten. Es ist wichtig, eine definierte Gehaltsvorstellung zu haben. Es ist ebenso wichtig, für sich eine untere Grenze zu ziehen.

ecatarina: Ich habe eine Stellenanzeige gefunden. Dort wird ein Führungstrainer/-berater gesucht. Als Voraussetzung wird neben einem Uni-Abschluss mehrjährige Führungsverantwortung gefordert. Ich habe auch schon Mitarbeiter geführt. 1 Jahr lang zusammen mit einer Kollegin bestimmt 60 Call Agents, dann war ich 8 Monate als Personaldisponentin in Zeitarbeitsunternehmen tätig. Auch musste ich die eingestellten Mitarbeiter führen. Und jetzt 1,5 Jahre war ich die Stellvertreterin des Standortpaten in Limburg und hatte, wenn dieser abwesend war, die Verantwortung für 5 Fachtrainerinnen. Ich befürchte nur, dass sich das Unternehmen da etwas anderes diesbezüglich vorstellt. Wie kann ich da am besten vorgehen? Habe ich eine Chance?

Gerhard Winkler: Sie haben doch unleugbar Führungserfahrung. Schreiben Sie auf, was Sie auszeichnet, legen Sie das Blatt neben das Telefon, fragen Sie nach, was die sich unter einem Führungstrainer & -berater vorstellen und kontern Sie!

ecatarina: OK. Ich hatte/habe bei telefonischen Kontakten Angst, dass ich es "verpatze", nicht das Richtige sage und damit eine Chance vertue, weil ich mich blöd anstelle und habe bisher gehofft, wenn sich der Personaler in Ruhe die Unterlagen durchsieht. dann sprechen hoffentlich die Fakten für mich. Aber vielleicht erkennt man diese Dinge in den Unterlagen nicht so genau und ich muss es dem Personaler leichter machen und mein Profil genauer definieren.

Gerhard Winkler: Ich halte viel von den von mir erstellten Bewerbungsunterlagen, aber ich würde Ihnen nie Hoffnung machen, dass die zur Platzierung in eine Position ausreichen. Ecatarina, suchen Sie das direkte Gespräch. Dort entscheiden sich die Dinge.

Britta: Hallo, ich komme hoffentlich nicht zu spät … das mit dem Gehalt ist eine heikle Frage … die meisten meiner Klienten stapeln lieber tief und versuchen sich billig anzubieten und somit häufig unter Wert, um ihre Jobchancen zu erhöhen, teilweise sogar 10 – 15 Prozent unter dem derzeitigen Tariflohn … wie schaut es damit aus?

Gerhard Winkler: Liebe Britta, Preisverhandlungen sind Sache der Marktteilnehmer. Für den Leistungsanbieter ist ein schlechter Markt schlecht. Ich würde Klienten vielleicht raten, auf einer angemessenen Vergütung zu bestehen. Top-Leute sind einfach nicht billig zu haben.

Eur.Controller: Hallo Herr Winkler! Ich habe Verwaltung und europäische Verwaltung mit Wirtschaft studiert und bin derzeit Controller - seit 2 Jahren. Wo sehen Sie für mich Einsatzmöglichkeiten, um beides sinnvoll miteinander zu verbinden?

Gerhard Winkler: Als Controller haben Sie definierte und begehrte Joberfahrung. Vom Studium her bringen Sie Spezialwissen mit. In welche Managementfunktionen möchten Sie gern hineinwachsen? Trauen Sie sich strategisches Management zu? Was kann Ihr derzeitiger Arbeitgeber bieten, damit Sie sich weiter entwickeln?

Annett: Hallo Herr Winkler, übrigens vielen Dank für das tolle Seminar in Berlin. An alle, die noch Zweifel haben, betreffs Teilnahme. Dies ist keine Schleichwerbung. Ich fand es klasse, empfehle gern und wer keine Wunder erwartet, nimmt garantiert was mit. Ich finde das Feld hier zum Reinschreiben zu klein oder meine Sätze sind zu lang. Herr Winkler, viele Dinge entscheidet man aus dem Bauch. Oft nicht verkehrt. Wie sieht es da bei einer Jobentscheidung aus.

Gerhard Winkler: Annett, einige Top-Manager, die sich durch hartes, entschlossenes und erfolgreiches Handeln auszeichnen, entscheiden aus dem Bauch. Rational und argumentativ abgesichert wird das hinterher …

Britta: Ehrenwerte Gründe? Interessant! Was ist zum Beispiel mit der guten alten beruflichen Weiterentwicklung?

Gerhard Winkler: Es ist mein Ehrgeiz als Texter, meine Klienten floskelfrei in ein Interview zu bringen. Aber ich stimme zu, dass es nicht so leicht ist, auf Floskeln wie die von der beruflichen Weiterentwicklung zu verzichten …

ecatarina: Also heute hätte ich fast meinen ersten Termin zu einem Vorstellungsgespräch bekommen. Allerdings wollte der nette Personaler erst mal wissen, wie meine Gehaltsvorstellung ist. Ich habe um Bedenkzeit gebeten und ihn heute Nachmittag zurückgerufen. Ich habe hierzu versucht, die zwei Personalvermittler zu erreichen, die meine Unterlagen haben, habe im Internet recherchiert und sogar 4,95 € eingesetzt, um einen Gehaltscheck durchzuführen, der hat allerdings ergeben, dass zuwenig Daten für einen Vergleich vorliegen ;O(. Na ja, ich hab dann beschlossen 48.000 € Jahresgehalt zu verlangen. Dabei kam dann heraus, dass das Budget nur 40.000 € vorsieht. Da ich derzeit 43.000 € verdiene und ich mich durch die Jobsuche, auch wenn diese nicht freiwillig ist, verbessern möchte, haben wir erst mal keinen Termin ausgemacht.

Gerhard Winkler: Ich würde, wenn der Job interessant ist, die Gehaltsfrage nicht vorab im Telefoninterview diskutieren. Vielleicht hätten die 3T dazugelegt, um Sie loszueisen und Sie hätten zwar nicht mehr Gehalt, aber einen spannenderen und karrierefreundlicheren Job.

ecatarina: Ja, das stimmt. Der Personaler wollte meine Unterlagen behalten, um eventuell nochmals auf mich zuzukommen. Ja, und die Stelle als Führungskräftetrainerin entspricht absolut meinen Vorstellungen, aber ich hab da noch nicht mal die Bewerbung aufgesetzt

Gerhard Winkler: Tipp: Wenn Sie wegen einer Vakanz irgendwo anrufen, dann bereiten Sie Ihre Bewerbung so vor, dass Sie noch während des Telefonats (oder sofort im Anschluss) Ihre Präsentation mailen können.

ecatarina: Nochmals zum Gehalt. Ich habe zuerst versucht herauszufinden, wie hoch das Budget ist, bevor ich dem Personaler den Betrag genannt habe. Da nicht Farbe zu bekennen, wäre komisch gewesen.

Gerhard Winkler: Das augenblickliche Gehalt zu nennen ist OK, wenn man danach gefragt wird. Aber dann würde ich sagen: Der Job klingt spannend, ich bin für Sie attraktiv, wegen 3T€ wollen wir doch nicht in diesem Stadium gleich abbrechen …

ecatarina: Das Gespräch war nett und er fand meine Bewerbung interessant. Ich kann ja nochmals anrufen und einen Gesprächstermin ausmachen, um mir vor Ort ein Bild zu machen.

Gerhard Winkler: Das ist eine gute Idee.

DerrichtigeMann: Noch zum Gehalt: Ich habe in Praktika-Bewerbungsgesprächen immer frech gefragt, wie groß meine Konkurrenz für die Stelle ist. Kann ich solche Fragen eventuell auch in Gehaltsverhandlungen "missbrauchen", oder flunkern da die Personaler zu sehr? Hab grade eine Bewerbung laufen, wo die Stelle schon seit 11/05 ausgeschrieben ist...

Gerhard Winkler: Die Frage können Sie nur stellen, um zu erfahren, wie andere lügen oder abblocken.

Annett: Wenn der Job passt, 39.000 €, so ist mein letzter Stand. Derzeit verdiene ich zwar mehr, aber ich bin mit dieser Arbeit nicht glücklich (Arbeitsinhalt ohne Bewegung). Bin gerade in einer Neufindungsphase. Dienstlich! Frau um die 40, nicht wenig erreicht, fühlt sich ausgebremst. Aber für einen neuen Antritt nicht fit genug. Arbeite daran.

Gerhard Winkler: Lecken Sie nicht Ihre Wunden, werfen Sie sich ins Vermarktungsgefecht.

dFvdFg: Guten Abend, Herr Winkler. Mir wurde geraten, zunächst Arbeitgeber der zweiten Wahl anzuschreiben, um Bewerbungserfahrung zu sammeln. Was aber, wenn die mir dann ein zeitnahes Angebot unterbreiten?

Gerhard Winkler: Lieber dFvdFg: Nach meiner überaus reichen Erfahrung als Berater kann ich nur sagen: Bewerber optimieren ihre Unterlagen und ihre Strategien kaum. Die Idee, sich peu à peu warm zu bewerben, findet in mir keinen Befürworter. Sie texten und feilen solange, bis Ihr Briefing sitzt und bis Ihr Datentemplate optimal ist. Und dann geht’s zur Sache.

Britta: Warum ist es so wichtig, eine untere Grenze zu haben? Der Jobmarkt ist voll mit überqualifiziertem Fach- und Führungskräfte-Personal, die sich durch etliche Trainee und Praktika schleichen.

Gerhard Winkler: Das Gehalt ist ein Indikator Ihrer Kompetenz. Gute Leute werden angemessen vergütet. Wenn Sie gut sind und der Markt greift auf billigere, schlechtere Bewerber zurück, dann haben Sie eine Palette an Optionen. Mit dem Preis runterzugehen ist nicht die beste Lösung.

DerrichtigeMann: Kann man für ein Gespräch zu overdressed sein? Ich orientiere mich bei der Kleidung an den Leuten auf den Unternehmenswebseiten/Werbeunterlagen. Lieber mit Schlips und alle anderen ohne oder umgekehrt?

Gerhard Winkler: Es hängt wirklich von der Organisation ab. Je erfolgreicher, je größer, je länger existent, je traditioneller, je besser die Produkte und Services, desto mehr legt man auf neutrale Business-Kleidung Wert. Deutschland in toto ist so dermaßen underdressed, dass die Idee overdressed zu sein, eher Ausdruck einer sehr tief gehenden antibürgerlichen Haltung ist. Jackett, Krawatte, was ist daran falsch?

DerrichtigeMann: Was daran falsch ist? Ich bin doch noch so jung... ;) Aber OK, sie haben ja Recht.

Gerhard Winkler: Differenzieren Sie zwischen Funktionskleidung und privatem Outfit. Für den Job schlüpfen Sie in eine Uniform.

Annett: Hallo Herr Winkler, kann man den Arbeitgeber im Anschreiben bitten, die Unterlagen vorzuhalten, sollte gerade keine Stelle frei sein?

Gerhard Winkler: Ja klar. Noch besser, man ruft in 8 - 12 Wochen wieder an.

dFvdFg_: Wie viel Zeit sollte man für das Erstellen des Lebenslaufes, des Anschreibens, der generellen Gesprächsvorbereitung erfahrungsgemäß veranschlagen?

Gerhard Winkler: Ich brauche für eine Optimierung (das heißt komplette Neufassung) von Unterlagen 1,5 - 2 Stunden. Ich kämpfe um jedes Detail und jedes Wort. Wenn Sie kein versierter Texter sind, multiplizieren Sie das um den Faktor 2.

sonja: Hallo Herr Winkler, ich habe eine Frage bezüglich Ihrer Tagesseminare, die Sie anbieten. Da ich selber Coach in einer Non-Profit-Organisation bin, wäre es sehr hilfreich für mich, ein Train-the-Trainer-Seminar zu bekommen. Ist es mir durchgegangen oder bieten Sie solche Seminare auch an?

Gerhard Winkler: Im Herbst, September oder Oktober ist eines geplant …

DerrichtigeMann: Kann ich einfach so nach dem Budget fragen, bevor ich mich zu den Gehaltsvorstellungen äußere? Die Personaler drücken doch dann den Preis und zwingen mich in die Defensive, zu erklären, warum nun gerade ich mehr verdienen sollte.

Gerhard Winkler: Sie sind Einsteiger. Tricksen Sie da nicht herum. Nennen Sie den Preis und leiten Sie ihn aus dem ab, was Sie bieten. Toughes Verhandeln erst, wenn Sie klare Signale haben, dass die Gegenseite Sie will.

Gerhard Winkler: Vielen Dank für die spannenden Fragen. Es war eine gute Runde. Lesen Sie weiter auf formyourself.de

Moderator: Der Chat wird nun geschlossen, Herrn Winkler und allen Teilnehmern ein herzliches Dankeschön fürs Mitmachen und noch einen schönen Abend! Auf Wiedersehen!