Chatprotokoll vom 05.05.2009

Offener Chat mit dem Bewerbungshelfer

Mit Gerhard Winkler - Chatprotokoll vom 05.05.2009

Gerhard Winkler: Guten Abend! Hier in Berlin nieselt es leicht, an diesem frühen Abend des 5. Mai. In Friedrichshain werden noch bis tief in die Nacht keine PKW angezündet, die S-Bahnen haben ihre Verspätungen fast schon wieder eingeholt, rund um den Alex sammeln sich Bierflaschenträger in Camouflage-Hosen und weiten Sweatern. Die Stadt lässt langsam die Rollläden herunter ... und wir wollen hier und jetzt an unser berufliches Weiterkommen denken.

Meine erste Frage an Sie: Sind Sie ein aktiver oder passiver Bewerber, wenn es um die Nutzung der Online-Bewerbermöglickeiten geht?

Kurz die Erklärung: Eine aktuelle Erhebung von www.crosspro-research.com  zeigt eine klare Präferenz für die aktive Stellensuche. Der aktive Bewerber ergreift die Eigeninitiative bei der Recherche nach geeigneten Stellenangeboten.

Der passive Bewerber nutzt hingegen eher Methoden, bei die Jobbörse oder Jobsuchmaschine initiativ wird und den Kandidaten auf ein etwaiges geeignetes Stellenangebot hinweist. Bei dieser Methode ist es natürlich unabdingbar, dass der Kandidat ein möglichst aussagefähiges Profil bei der Jobbörse hinterlegt hat.

Hallo, Berti! Schön, dass Sie mitchatten! Von welcher Stadt aus?

Berti: bei Ulm, Heidenheim

Gerhard Winkler: Berlin und Heidenheim, da chatten wir beide aus idyllischen Örtchen. Trifft diese Feststellung auf Sie zu: "Eine aktive Stellensuche ist in der Regel mit einer intensiven Nutzung von Jobbörsen und der Recherche nach geeigneten Stellenangeboten in den Datenbanken der Jobbörsen verbunden"?

Berti: Genau, richtig. Mehrere Jobbörsen, ca. 10 Stück.

Gerhard Winkler: Sie widmen sich viel Zeit der Stellenrecherche - zahlte sich das für Sie aus?

Berti: ca. 90 Bewerbungen, ca. 10 Gespräche - es fehlt nur noch die Unterschrift. Aber ich denke schon, dass das WWW sehr hilfreich ist.

Gerhard Winkler: Haben Sie dazu immer Online-Bewerbungsformulare der Unternehmen benutzt?

Tina an Berti: 90 Bewerbungen pro Woche? Also meine Frage: in welchem Zeitraum?

Gerhard Winkler: 90 Anschreiben sind kein Problem. Man erarbeitet eine Grundpräsentation und variiert sie nur in 2, 3 Punkten.

Tina: Herr Winkler: 90 Beweberbungen pro Woche? Okay, ich bekomme nicht mal ein schlüssiges Konzept hin

Gerhard Winkler: Dann haben Sie Ihre wichtigste Aufgabe noch vor sich: Ihr Profil aufzubauen!

Berti: Meine Antwort auf die Frage der Bewerbung mittels Online-Formulare ist: teilweise, auch Versand per E-Mail, oder wenn ausdrücklich gewünscht, dann auch schriftlich.

Gerhard Winkler: Wird tatsächlich noch eine Papierbewerbung gewünscht? Haben Sie Gründe dafür erfahren?

Tina: Ja, die Schwaben verlangen oft ausdrücklich: Papierbewerbungen!!

Gerhard Winkler: Vielleicht sind das eher kleinere Unternehmungen. Der GF nimmt einen Stapel Unterlagen mit nach Hause und sieht sie zwischen Tagesschau und Einnicken durch.

Benjamin: Guten Abend zusammen!

Gerhard Winkler: Guten Abend, Benjamin! Wo sind Sie denn lokalisiert?

Benjamin: Im hohen Norden (Hamburg)

Gerhard Winkler: Hamburg ist die etwas feuchtere Variante von Berlin. Schönen Abend!

Helmut: Sehr geehrter Herr Winkler, ich mache seit wenigen Monaten ein journalistisches Volontariat bei einem kleinen Verlag, der in die Insolvenz geschlittert ist. Aufgrund der schwierigen finanziellen Lage habe ich seit mehreren Monaten keinen Lohn mehr erhalten, und sah mich somit zu einer Kündigung gezwungen - nur so bürgt bedauerlicherweise das Arbeitsamt für den gesamten Lohn der letzten Monate. Die Kündigung erfolgte in Absprache und im Einvernehmen mit der Verlagsleitung. Mir wurde auch ein Arbeitszeugnis versprochen, welches ich selbst formulieren soll. Nun stehe ich vor der Frage: Ich möchte in meinem Zeugnis zum Ausdruck bringen, dass ich ausschließlich wegen der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens gekündigt habe. Jedoch weiß ich nicht, ob mir die Verlagsleitung ein Zeugnis unterschreibt, in dem die Insolvenz des Unternehmens öffentlich gemacht wird. Gibt es eine Floskel für das Arbeitszeugnis, mit der ich diese Klippe umschiffen kann? Also eine Floskel, welche sowohl meine Situation unmissverständlich verdeutlicht, aber gleichzeitig das Gesicht meines Arbeitgebers zu wahren hilft? Es würde mich sehr freuen, wenn Sie mir hier helfen könnten. Mit schönen Grüßen nach Berlin, Helmut

Gerhard Winkler: Lieber Helmut, es ist grausam, ein Volontariat so hart abwürgen und beenden zu müssen. Doch Sie haben gewiss die richtige Entscheidung getroffen!

Leiten Sie den letzten Absatz ungefähr so ein: "Aus betrieblichen Gründen sehen wir uns dazu gezwungen, unsere Volontariatsstellen abzubauen. Wir bedauern dies ums so mehr …"

Helmut: Danke, Herr Winkler. Ich habe mir die Entscheidung wirklich nicht leicht gemacht, und mich jederzeit fair und transparent gegenüber der Firma verhalten. Das wurde mir von der Verlagsleitung auch so bestätigt. Nicht zuletzt deshalb hoffe ich auf ein gutes Zeugnis! Zum Thema: Die von Ihnen vorgeschlagene Formulierung würde ich so lesen, dass mir vom Arbeitgeber gekündigt wurde. Ist das tatsächlich besser, als wenn ich klar formuliere, dass die Kündigung von mir ausging?

Gerhard Winkler: Kein Arbeitgeber unterschreibt Ihnen, dass Sie ihm gekündigt haben, weil er kurz vor dem finanziellen Exitus steht. Ein formgerechtes Zeugnis wahrt immer für beide Seiten den Schein. Lassen Sie sich betriebsbedingt kündigen. Ich weiß als Mitglied im Deutschen Journalisten-Verband auch aus den Verbandsnachrichten, wie schlecht der Medienmarkt gerade ist.

Helmut: Nun gut, das habe ich mir bereits gedacht. Sollte ich in diesem Falle dann auch in meinem Lebenslauf (und gegebenenfalls im Anschreiben) darauf verzichten, die Partei zu benennen, von wem die Kündigung ausging? Oder soll ich dort lieber ehrlich sein? In diesem Falle widersprächen sich dann meine Angaben in Lebenslauf und Anschreiben mit meinem Zeugnis, also dem Beleg der Referenzen. Betriebsbedingt gekündigt werden kann ich nicht mehr. Ich habe die außerordentliche Kündigung bereits selbst vollzogen.

Gerhard Winkler: Konzentrieren Sie sich im Anschreiben zunächst darauf zu beschreiben, was Sie im Volontariat alles gemacht haben und was aus vorherigen Erfahrungen für Ihre Kompetenz spricht. Die Kündigung erwähnen Sie erst am Anfang des letzten Absatzes - argumentativ gehört das in die Kiste BEWERBUNGSMOTIVATION.

jb: Auch hallo zusammen. Macht es Sinn, die Bewerbungsunterlagen von einem Zweitleser korrigieren zu lassen oder ist Authentizität wichtiger?

Gerhard Winkler: Liebe(r) JB, schön, dass Sie heute Abend mitmachen. Ich würde Anschreiben und Lebenslauf gegenlesen lassen – doch nur, wenn Sie einen Verständigen finden, der sich auf Rechtschreibung und Satzbau versteht, und der zugleich kein Formalist ist.

Geben Sie Ihre Bewerbung keinem Bedenkenträger zum Prüfen - der verlangt sonst von Ihnen, dass Sie Ihre nach Winklerart auf den Punkt gebrachte Eignung  mit den üblichen Floskeln und Banalitäten spicken.

buchstabenschieberin: Hallo und guten Abend in die Runde ;-)

Gerhard Winkler: Hallo, Miss Scrabble!

juli: Guten Abend, Herr Winkler.

Gerhard Winkler: Hallo, Juli, Sie kommen ein bisschen früh. In Berlin brennen noch die Maifeuer.

Berti: Ich habe ein Bewerbungsgespräch am Mittwoch, und hier hätte ich folgende Frage: Welches ist die bestmögliche Antwort auf die Frage: „Warum haben Sie sich bei uns, auf die Stelle beworben?“ Bzw. überhaupt: „Warum haben Sie sich bei uns beworben?“ Meine Antwort ist dann: „interessante Stellenbeschreibung.“ Aber leider kein besseres, überzeugenderes Argument

Gerhard Winkler: Fassen Sie bei dieser Frage einfach noch einmal detailliert zusammen, was Sie im Job tun möchten und dann schließen Sie mit zwei, drei Informationen über das Unternehmen. Sie dürfen sich da wiederholen!

Beispiel: "Und dann natürlich auch, weil Sie in den letzten 10 Jahren die Kurve gekriegt haben, das Geschäft neu definiert und neue Geschäftsfelder aufgebaut haben. So etwas imponiert mir." - Wiederholen Sie einige Highlights aus der Selbstbeschreibung des Unternehmens im Web oder aus Broschüren und Geschäftsberichten. Nur darf Ihre Rede nicht zu unspezifisch sein, im Stil von „weil Sie mit Ihrem Unternehmen den gesunden Mittelstand verkörpern“.

Berti: OK, das werde ich mir heute nochmals vornehmen. Dann hätte ich noch eine Frage zum Thema „Wie kriege ich die logische Kurve, damit meine Gesprächspartner verständnisvoll nicken?“ Der Sachverhalt ist folgender: Ich habe in einer Tochterfirma innerhalb des Konzerns gewechselt. Damals vom operativen Einkauf (Logistik) in die jetzige interne Position. Zuerst war diese Stelle als operativer Einkaufsdisponent ausgeschrieben. Bis der Wechsel vollzogen war, waren Einkauf und Disposition hier in der neuen Firma getrennte Abteilungen, vorher zusammen. Nun die Frage, wie kriege ich hier eine elegante Kurve von meiner Lieblingsabteilung Einkauf – auf das Stiefkind Disposition – hin zu meiner neuen Bewerbung im technischen Einkauf?

Gerhard Winkler: Indem Sie den Sachverhalt kurz schildern und sagen: „In meinem neuen Aufgabenbereich habe ich seitdem das und das erreicht. Es ist nicht so, dass ich nicht erfolgreich bin - ich bin nur nicht ganz mit der Seele dabei.“

Berti: Ach so noch was: Was ist eine gute Antwort auf die Frage: „Warum versuchen Sie es nicht durch einen internen Stellenwechsel?“

Gerhard Winkler: Ihre Antwort: "Ja, ich habe das Glück, einen attraktiven Arbeitgeber zu haben. Aber Weiterkommen ist eben sehr häufig mit Wechsel verbunden."

Tina: In S*** ist es auch grau - die Lage und mein Gemüt. Als qualifizierte HSA, die sogar 6 Monate als Klofrau arbeitete, schreibe ich das unter Kenntnisse & Fähigkeiten oder unter Berufspraxis in meinen Lebenslauf? Hallo in die Runde!

Gerhard Winkler: Hi Tina, In S*** sind noch nicht einmal nachts die Katzen grau. Was ist eine HSA?

Tina: Nebenbei ich habe alles schon benutzt, angerufen, online, hingehen, initiativ, schriftlich und in niederqualifizierten Jobs gearbeitet und habe eben echt nur noch die Frage zu hören bekommen: Warum finden Sie in Ihrem Beruf keinen Job? Tja, ömmel, ähm, zu doof?

Gerhard Winkler: Tina, HSA, was heißt das? Hornhautscheitelabstand?

Tina: Stimmt, die Kater sind grau. Eine Hochschulabsolventin.

Gerhard Winkler: Lieber grau als grausam. Als HSA, die sich völlig fachfremd ernähren muss ... sind Sie GW? Geisteswissenschaftlerin?

Tina: NEIN! Naturwissenschaftlerin! Mit Pleiten, Pech und Pannen. Ironie hilft mir trotzdem nicht weiter. Und wohin schreibe ich das nun? Hilfreiche Erfahrungen im Berufsdschungel?

Gerhard Winkler: Tina, Sie machen Bestandsaufnahme, tragen alle Pro-Argumente zusammen, legen die geordnet vor und dann bauen Sie auf Ihr Bewerberglück!

Benjamin: Da die Teilnehmeranzahl gerade scheinbar relativ gering ist, nutze ich gleich die Möglichkeit des Fragenstellens. Also ich habe letztes Jahr im August mein Studium abgeschlossen. Meine BA-Arbeit lief jedoch ziemlich schief. Letztendlich kam eigentlich ziemlich viel zusammen. Mein Unternehmensbetreuer hat keinerlei Hilfe angeboten, nachdem ich nicht nach seinen Vorstellungen (Ich sollte sein Kostenmodell lediglich bestätigen) gearbeitet habe. Mein Uni-Betreuer war auch leider keine große Hilfe und zu guter letzt bin ich einen Monat krankheitsbedingt ausgefallen. Daher ist die Abschlussnote auch ziemlich schlecht (3,1). Wie bringe ich das in einem Vorstellungsgespräch herüber, ohne das es so klingt, als ob ich meine, alle seien Schuld, nur ich nicht?

Gerhard Winkler: Beschreiben Sie Ihre Arbeit, was Sie genau analysiert und gemacht haben. Geben Sie dann an, was Sie krankheitshalber nur angerissen und nicht zu Ende gedacht haben. Sagen Sie, dass Sie das selber bedauern, aber, dass Sie im Zeitrahmen bleiben mussten. – Der Trick ist, dass Ihre Arbeit gut wird, wenn Sie sie kenntnisreich und liebevoll beschreiben.

Benjamin: Es war ungelogen so, aber natürlich trifft mich auch eine gewisse Schuld.

Gerhard Winkler: Thematisieren Sie - egal ob missglückte Arbeit, schlechte Zensuren, Pleiten und Pannen – im Interview NIE Ihre Schuld oder die der anderen. "SCHULD" überlassen wir der Theologie, der Ethik und der Finanzwissenschaft.

Harald: Sehr geehrter Herr Winkler, ich habe folgende Frage: Ich habe letzte Woche meinen Job in der Probezeit (nach 4 Monaten) verloren. An meiner Person wurde in den ersten drei Monaten gar keine Kritik geübt. Bei einer Aufgabe habe ich nicht wirklich geglänzt, aber es gab keine Kritik und dann auf einmal die Kündigung. Da es sich um den ersten Job nach dem Studium handelt, bin ich ziemlich niedergeschlagen und ratlos. Ich habe aber gehört, dass viele Unternehmen der Branche aktuell so handeln. Mir stellt sich die Frage, wie man den Sachverhalt im Lebenslauf darstellen soll.

Gerhard Winkler: Egal, wie schusselig Sie sich angestellt haben: Die Zeiten sind so schlecht, die Unternehmen veranstalten geradezu Panikkündigungen. Es ist die wirtschaftliche Unsicherheit, die das Unternehmen dazu veranlasst hat, Ihnen zu kündigen. Sorgen Sie für ein gutes Arbeitszeugnis. Oder schlagen Sie vor, dass man das Ganze als Praktikum deklariert.

buchstabenschieberin: Eine kurze Frage: macht es Sinn, sich in ein und demselben Unternehmen innerhalb eines halben Jahres zweimal bewerben? Es handelt(e) sich jeweils um Redakteursstellen, deren Einstellungsvoraussetzungen ich sagen wir zu 80 % erfüllen konnte/könnte. Die erste Bewerbung wurde vor ein paar Monaten mit einer Absage beantwortet.

Gerhard Winkler: Unbedingt noch einmal versuchen. Warum nicht zuerst telefonisch? Sie haben doch vermutlich noch die Kontaktdaten?

buchstabenschieberin: Ja ich habe alle Kontaktdaten noch: nur die wollen telefonisch nicht "gestört" werden und präferieren eine Papierbewerbung.

Gerhard Winkler: Dennoch anrufen! Wenn man alle in Ruhe lässt, die nicht gestört werden wollen, dann hört man auf der Erde nur noch die Gestörten reden.

jb: Vor Kurzem habe ich in der AfA im Bewerbungszentrum Erstaunliches erlebt: ein Coach empfahl einem Bewerber auch ruhig mal eine Bewerbung handschriftlich zu gestalten. Der Bewerber, langzeitarbeitslos, nahm die Anregung auf und war damit spontan erfolgreich. Ich hab die Welt nicht mehr verstanden. Was halten Sie davon?

Gerhard Winkler: Eine handschriftliche Bewerbung ist nicht nur "mal was anderes" - sie belegt, dass man sich weit mehr Mühe gemacht als die 10-Finger-Tipper und Textblöcke-Kopierer. Und es lassen sich Qualitäten herauslesen. Finden Sie doch die Korrespondenzen zu klare Handschrift – sauberes Schriftbild - geradliniger Schriftzug etc. Handschriftlichkeit ist aber nur für auserwählte Berufsgruppen eine Option.

buchstabenschieberin: Noch ein kleiner Nachschlag: Bei einer Behörde, bei der ich mich beworben habe, ist eine neue Stelle ausgeschrieben, die noch besser zu mir passen würde. Soll ich mich dort bewerben oder es lassen? Die erste Bewerbung war für eine Redakteurin, die andere ist für eine Pressesprecherin. Die Redakteursstelle habe ich noch im alten Outfit geschrieben, die neue könnte ich dann im Winkler-Design verschicken, das ich gerade trainiere ;-)

Gerhard Winkler: Sie richten Ihre Bewerbung ganz auf das andere Jobprofil aus und erwähnen mit keiner Silbe, dass Sie sich ehedem schon mal für etwas anderes beworben haben.

Tina: Sich auf zum Beispiel die gleiche Stelle, aus der frau rausgeflogen ist, nochmals bewerben? Auch das? Wenn man weiß, dass der Chef nicht mehr da ist?

Gerhard Winkler: Die Frage ist, ob Sie an den Ort zurückkehren wollen, wo man Sie schon mal verprügelt hat.

Berti: Ich habe mich auch schon mehrmals in einem Unternehmen beworben; da habe ich eine niedrige Hemmschwelle bekommen.

Gerhard Winkler: Nichts spricht dagegen, alles dafür, sich mehrfach zu bewerben.

Tina: Wie bekomme ich denn den Arbeitgeber dazu, das Arbeitszeugnis zu ändern?

Gerhard Winkler: Ein bereits abgenommenes Arbeitszeugnis lässt sich kaum mehr ändern - nehmen Sie es, wie es ist und vertrauen Sie auf die Macht IHRER guten Argumente!

buchstabenschieberin: Noch etwas ganz anderes - langsam werde ich lästig :) Soll man zu einem Bewerbungsgespräch gehen, wenn man noch nicht ganz gesund ist (ob Grippe oder auf Krücken)?

Gerhard Winkler: Wenn Sie am Telefon überzeugend grässlich klingen, dann sagen Sie ab. Sie brauchen einen klaren Kopf und wollen nicht allein mit einer roten Nase glänzen.

buchstabenschieberin: Bei Ihnen auf der Site habe ich gelesen, dass man bei einem Bewerbungsfoto keine Hand im Gesicht haben soll - warum eigentlich nicht? Die hoffotografen sind Künstler Ihres Fach;-) aber verflixt: genau das Bild mit der Hand ist das Allerbeste, von etwa 10 sehr guten Pics …

Gerhard Winkler: Das Äquivalent von Hand im Bild ist: Hinter dem Zaun stehend.

Harald: Ist es denn aus Sicht des UE möglich (rechtlich, steuerlich) diese Zeit als ein Praktikum zu deklarieren? Ich habe bei der Arbeit sehr wenig Fehler gemacht. Da wenig anspruchsvolle Aufgaben zu erledigen waren bzw. keine neuen Aufträge/ Projekte zu bearbeiten waren konnte ich mich auch nicht auszeichnen. Aus diesem Grund müsste das Zeugnis eigentlich eine gute 2 sein. Was ist Ihre Empfehlung Zeugnis über Praktikum oder Festanstellung? Wie ist Ihre Erfahrung mit Bewerbern, die in der Probezeit Ihren Job verloren haben?

Gerhard Winkler: Das Wichtigste für Sie ist klarzustellen, dass es nicht an Ihrer Arbeitsbefähigung, Ihrer Leistungsbereitschaft, Ihrer Kompetenz, Ihrem Sozialverhalten und Ihrer Persönlichkeit gelegen hat. Dazu ist jedes legale Mittel recht.

helga: hallo Herr Winkler, sehen Sie eine reelle Chance auf Erfolg, wenn man sich mit 49 Jahren auf eine Außendienststelle (Verlagsrepräsentanz) bewirbt und zuvor im Lektorat gewesen ist?

Gerhard Winkler: Lesen Sie was zum Thema Verkaufsgepräch, üben Sie Verkäuferverhalten ein und dann telefonisch oder persönlich ran an den Jobanbieter!

buchstabenschieberin: Um zu Ihrem Anfangsthema aktive oder passive Bewerber zu kommen: ich gehöre mit ca. 75% zur passiven Gruppe. Meist wenn ich Initiativbewerbungen - auch nach vorheriger telefonischer Information geschrieben habe - hatte ich kein Glück. Dann denke ich immer: Besser auf die ausgeschriebenen Sachen setzen, weil da jemand gebraucht wird. Ich weiß an dem Punkt manchmal nicht, wo ich den Schwerpunkt egen soll. Was meinen Sie?

Gerhard Winkler: Sie können nicht warten, bis ein Traum-Arbeitgeber irgendwo irgendwann einen Bedarf annonciert. Handeln Sie von sich aus. Sie holen sich natürlich Absagen, aber Absagen sind nur Blätter, die der Wind auf Ihrem Karriereweg vor sich hin treibt.