Chatprotokoll vom 06.05.2008

Offener Chat mit dem Bewerbungshelfer

Mit Gerhard Winkler - Chatprotokoll vom 06.05.2008

Moderator: Willkommen beim formyourself.de Experten-Chat mit Gerhard Winkler.

Gerhard Winkler
Gerhard Winkler

Gerhard Winkler: Von Berlin, der Hauptstadt der pragmatischen Bewerbungshilfe, begrüße ich Sie zum heutigen Chat. Unsere Themen: schriftliche Bewerbung, Online-Bewerbung, Berufsfindung für Unsichere, Feedback- und Dankesschreiben sowie alles, was Ihnen zum Thema BEWERBUNG einfällt.
Hallo, Matthias.
Hallo, alle! Was halten Sie von der Aufforderung des Personalers, ein schriftliches Feedback zum Jobinterview zu geben? Was könnte ein Personaler damit im Sinn haben? 

Matthias: Einen sonnigen Abend in die Runde. Ob Sie es glauben oder nicht, mein Schreibtisch ist vollgepackt mit meinen Bewerbungsunterlagen, die ich wacker versuche, in die richtige Reihenfolge zu bringen.

Gerhard Winkler: Haben Sie so viele Lob- und Dankesschreiben gesammelt? Was ist Ihr jüngstes Dokument, was Ihr ältestes?

Matthias: Schriftliches Feedback ist ungewöhnlich. Ich habe das einmal nach einem Assessment (wie vieles gibt´s in Ass..?!) erfahren. Da wurde ich am Ende gefragt, wie ich diese Art des Bewerbungs-Prozederes finde. Mein Feedback war sehr positiv. Leider hat´s damals dann doch nicht zum Job gereicht.

Gerhard Winkler: Hallo, Emil! In der Regel ist es direkt nach dem AC zu früh, eine sachgerechte und ausgewogene Aussage zu treffen - aber so etwas will die Gegenseite auch nicht hören.
Hi Tak! Howdy, Creed. Ich hoffe, auch bei Ihnen scheint die Bewerbersonne an diesem Abend noch warm und golden. Zurück zu den Bewerbungsunterlagen...

Tak: Von Sonne habe ich heute noch nicht so viel gesehen wie gewünscht, ich kämpfe momentan mit meinem Lebenslauf.

Gerhard Winkler: Zu viele gute Daten? Ein unglaubwürdig geradliniger Karriereverlauf? Was ist Ihr besonderes Problem?

Matthias: Der Wust an Papier besteht hauptsächlich aus zwei Stellenanzeigen, zwei Versionen meines CVs, einer Aufstellung meiner Referenzen und ein Umschlag mit einigen Fotos. Mein ältestes Dokument in der Mappe wird die Kopie meines Abi-Zeugnisses sein. Das Jüngste... tja nun, da ich momentan in keinem festen Anstellungsverhältnis bin und "so-als-ob-selbstständig", ist die Referenzliste mein aktuellster Beleg.

Gerhard Winkler: Wie viele Jahre Berufserfahrung haben Sie? Und weshalb ist der Lebenslauf in zwei Versionen da? Was kommt denn alles im Einzelnen in die Mappe? Wie packen Sie das an, Matthias?

Matthias: Durch meine Lücke im CV habe ich den Lebenslauf umgestellt (Kenntnisse & Tätigkeiten vorne). Bei den beruflichen Tätigkeiten bin ich von der amerikanischen Sortierreihenfolge abgekommen und sortiere nun wieder chronologisch. Ich schau mal schnell im PDF. Reihenfolge: CV (3 Seiten), Arbeitszeugnisse (von alt bis am neusten), Referenzseite (2 Seiten), Abi-Zeugnis, Ausbildungszeugnis der Berufsschule (mit Urkunde, auch wenn´s schleimig aussieht?), Ausbildungszeugnis vom Betrieb und schließlich ein Teilnahmeblatt aus einem Seminar (als Beleg für einen Punkt unter Weiterbildung).

Gerhard Winkler: 1. Kenntnisse und Fähigkeiten nach vorn ist prima, wenn man länger ohne Job ist. Sie sind (wenn auch vielleicht nur nominell) selbständig - darum würde ich BERUFLICHE PRAXIS (oder ähnliches) doch vorne weg stellen.
2. Drei Seiten Lebenslauf sind zu lang, wenn Sie unter 55 Jahre alt sind. Und auch dann schafft man es meistens in 2,5 Seiten
3. Ich weiß keinen stichhaltigen Grund, den Lebenslauf innerhalb der Spaltentitel chronologisch zu ordnen. Das widerspricht vor allem dem Grundsatz: wichtige Dinge nach vorn.

Matthias: So gezählt sind es 2 1/3 Seiten Lebenslauf. Momentan geht es gerade gut auf: 1. Seite: Persönliche Daten, Angestrebte Tätigkeit, Kenntnisse + Fähigkeiten, Weiterbildung; 2. Seite Berufliche Praxis, 3. Seite (eben die 1/3 Seite): Ausbildung, Engagement.

Gerhard Winkler: Matthias, wenn Sie seit ´91 im Berufsleben stehen, würde ich das an erste Stelle im Resume setzen. Schauen Sie, mit exponierten Kenntnissen & Fähigkeiten und Weiterbildung etc. kommen Leute, die 2 Jahre ohne Anstellung sind. Es kann mit Ihrer Aufteilung funktionieren, aber Sie machen erst einmal den Personaler misstrauisch. Wenn ein Messer prüft, darf die Klinge nicht rostig sein.

Matthias: Hmm, ich bin nun etwas verunsichert betreffend der Reihenfolge im Lebenslauf: Wenn ich meine beruflichen Stationen nach Wichtigkeit sortiere, dann springt die chronologische Reihenfolge aber heftig hin und her. Beispiel: 1. Stelle: wichtige, erfolgreiche Arbeitsstelle 1998 - 2001, 2. Stelle: 1995 - 1997, 3. Stelle: 1991 - 1995, 4. Stelle (am unwichtigsten, bzw. war nicht das Richtige: 2003 - 2004. Da verzweifelt doch jeder Personaler dran?

Gerhard Winkler: Tätigkeiten, Leistungen, Erfolge der wichtigen Jobs werden von Ihnen etwas ausführlicher beschrieben. Weniger relevanten Jobs gönnen Sie dann nur eine Zeile. Erster Schritt für Sie: Akzeptieren Sie den eigenen beruflichen Werdegang. Zweiter Schritt: Machen Sie klar, was daran alles gut ist. 

Matthias: Noch eine Bemerkung zu zwei Floskeln im Lebenslauf, die mir mein Arbeitsvermittler auf Personaler-Deutsch übersetzt hat: Orientierungsphase, Neuorientierung bedeutet: Der Aspirant war in der Klapse. Auslandsaufenthalt (ohne Zeugnisse/Nachweise) heißt, der Bewerber war im Knast. Ich hatte auch die Auslandsaufenthalt-Kamelle in meinem CV, bis zu dem Gespräch.

Gerhard Winkler: Das war ein weiser Berater. Das Tragische an den Euphemismen (den sprachlichen Schönheitspflästerchen) ist, dass die Leute, die sie propagieren und anwenden, selber sprachfern leben und denken. Zur gelungenen sprachlichen Verschleierung braucht man einen echten, eloquenten Märchenerzähler- Nehmen Sie als Botschaft des heutigen Abends den guten alten Pragmatiker-Spruch mit: WENN DU ES NICHT BEMÄNTELN KANNST, DANN STELL ES GROSS HERAUS.

Creed: Sollte man ein Deckblatt verwenden (mit Foto)?

Gerhard Winkler: Creed, ein Meister der Präsentation braucht kein Deckblatt. Foto rechts oben auf die erste Seite des Lebenslaufs!

Tak: Ich hätte erst mal ein, zwei einfache Fragen. Ich besuche einen Russisch-Sprachkurs, wo baue ich dass in den Lebenslauf ein? Meine Abi-Note ist Müll, aber mein Diplom sehr gut, was mache ich daraus? Gehört mein Abi Zeugnis in meine Bewerbungsunterlagen als Berufsanfänger?

Gerhard Winkler: Russischkurs: Kurse, Workshops, Schulungen, Trainings sind am besten in der Rubrik WEITERBILDUNG aufgehoben.

Tak2: Nochmals kurz zum Russischkurs, kann ich dann als Sprachkenntnis Russisch - Anfänger angeben oder ist das zu dick aufgetragen?

Gerhard Winkler: Russisch ausbaufähige Grundkenntnisse

Tak2: Wo wir schon bei den Sprachkenntnissen sind, wenn meine 4 Jahre Schulfranzösisch nur zum Kauf eines Baguettes ausreichen, wie umschreibt man dass im Lebenslauf?

Gerhard Winkler: Französisch Schulkenntnisse - avec ça, il est évident, que vous n'en savez rien.

Matthias: D'accord. C'est la même chose avec mon abilité de parler français. Ich habe bei Französisch im Lebenslauf ebenfalls Schulkenntnisse stehen. Am kommenden Freitag habe ich nun ein Vorstellungsgespräch, wo ich vielleicht sogar meine Schulkenntnisse verbal darstellen darf. C'est la merde.

Gerhard Winkler: Bonne chance, quand mème!

huhu_jochen: Guten Abend Herr Winkler, muss man die ANGESTREBTE POSITION im Lebenslauf erwähnen, wenn es im Anschreiben steht? 

Gerhard Winkler: Ich würde immer die ANGESTREBTE TÄTIGKEIT oder die ANGESTREBTE AUSBILDUNG oder etwas Ähnliches direkt unter PERSÖNLICHE DATEN als zweite Rubrik in den Lebenslauf setzen.

Creed: Sollte man also einmal im Anschreiben als Betreff zum Beispiel Sachbearbeiter im Controlling schreiben und im Lebenslauf ebenfalls???

Gerhard Winkler: Genau so. Und nur noch eine Referenznummer, falls notwendig. Der Betreff (bzw. die ANGESTREBTE POSITION drückt den Jobclaim aus und nicht den Fundort einer Stellenanzeige oder den pedantischen Hinweis, dass es sich um eine Bewerbung handelt.)

Tak2: Nochmals zum Abi-Zeugnis. Meine Abi-Note ist Müll, aber mein Diplom sehr gut, was mache ich daraus? Gehört mein Abi-Zeugnis in meine Bewerbungsunterlagen als Berufsanfänger? Wenn ich meine Diplomnote im Lebenslauf erwähne, muss ich dann auch die Abi-Note hinschreiben?

Gerhard Winkler: Von Absolventen, so höre ich die Personaler sagen, erwarten wir, dass sie das Abi-Zeugnis mitschicken. Falls Sie sich für Ihre damalige Leistungsunlust schämen und in der Zwischenzeit einiges Vorzeigbares geleistet haben, dann lassen Sie das Abi-Zeugnis doch einfach weg. Ich wette, das fällt nicht weiter auf, wenn Sie sonst gute Leistungsdaten bringen.

huhu_jochen: Wenn man viele Zeugnisse hat, sollte man da ein Anlagenverzeichnis machen, bzw. wie legt man diese ab? Aktuellste oben, aber müssen letzte Schulabschlusszeugnisse auch rein?

Gerhard Winkler: Die Leute, die von ihren Nachweisen ein Verzeichnis für den Personaler machen, machen auch gern eine Liste der Sachen, die sie für den Wochenendtrip einpacken und sie machen auch Jobs, die typisch für solche Leute sind, zum Beispiel kontrollieren, ob wirklich 16 Schräubchen in der Packung sind. Insofern kann man nur raten: Tun Sie, was Ihnen Ihre Natur einflüstert.

Tak2: Da ich erst mit meinem Studium fertig geworden bin, sind meine einzigen Großtaten bislang das Diplom und das berufspraktische Semester. Ich verfüge jedoch durch mein FH-Studium über ein breitgefächertes theoretisches und praktisches Wissen. Kann ich die Projekte, die ich im Rahmen des Studiums durchgeführt habe, aufzählen, da sich darin ganz gut meine Fähigkeiten widerspiegeln?

Gerhard Winkler: In Lebensläufen von Absolventen baue ich wenn möglich auch die Titel von Studienarbeiten und Projekten ein.

Creed: Wie richtet man einen Lebenslauf auf eine Stelle aus? Bisher kannte ich nur einen chronologischen Lebenslauf

Gerhard Winkler: Creed und alle: Schicken Sie mir eine ansonsten leere Mail mit dem Betreff LEBENSLAUF - CHAT und Sie erhalten die Lebenslauf-Layoutvorlage aus meiner Bewerbungswerkstatt. Zum chronologischen Lebenslauf: Vergessen Sie ihn. Sie stehen JETZT am Ende Ihres bisherigen Werdegangs und Sie BLICKEN ZURÜCK. Was früher war, ist weit weniger wichtig, als das, was Sie zuletzt geleistet, gelernt, gemacht haben.

huhu_jochen: Herr Winkler, wie sieht die Situation mit Arbeit in den USA oder in der Schweiz oder Dänemark aus? Haben da Leute wie ich überhaupt eine Chance? Haben Sie da Erfahrungen?

Gerhard Winkler: Im Ausland suchen die sicher tüchtige Leute. Es ist kein Problem, übers Web an Jobangebote, Firmen und internationale Jobinfos zu kommen.

Joachim_: Was ist hier los? Wieso erscheinen meine Fragen nicht im Chat? Was mache ich falsch?

Gerhard Winkler: Hallo Joachim, Ihre Fragen erscheinen sehr wohl in meinem Chatfenster. Sie zögern den Studienabbruch hinaus, schrammen an der 30er-Grenze, Controlling finden Sie eigentlich schrecklich - das klingt, als ob Sie 1. einen scharfen Schnitt tun müssen und 2. eine Phase des produktiven Selbstzweifels einläuten sollten. Was bei Ihnen angesagt ist: NEUORIENTIERUNG.

Tak2: Ich stelle im Augenblick eine Menge konkrete Fragen, aber keine Sorgen, ich werde auch noch Ihre entgeltlichen Dienste in Anspruch nehmen.

Gerhard Winkler: Sie dürfen mich auch per Mail fragen, ich antworte, so wie ich Zeit habe.

Joachim_: Auch wenn ich schon mal Kontakt zu Ihnen hatte, ist es möglich, dass ich mich mit dem jetzigen Wissen mich noch mal an Sie per Mail wende und Ihnen meine Sachlage erkläre und Sie mir da einen Tipp geben?

Gerhard Winkler: Ja, setzen Sie im Betreff nur ein "?", das ist mein Signal, dass ich die Mail UNBEDINGT öffnen muss.

Joachim_: Wie gesagt kann ich mich in meinem Umfeld an keinen mehr wenden. Ich brauch die Hilfe eines neutralen Dritten. Ich fühle mich, auch wenn ich heute mehr über mein bisheriges Leben weiß, total festgefahren. Ich habe das Gefühl, dass ich nicht mehr vor kann und zurück kann ich auch nicht mehr. Ich suche voll verkrampft nach einem Ausweg. 

Gerhard Winkler: Verabschieden Sie sich von ihrem ewigen Unglück. Machen Sie den Cut. Sie brauchen weder den akademischen Abschluss noch das Zweitstudium, um glücklich zu werden. Allerdings sollten Sie sich darüber klar sein, dass ein schwabbelschwacher Abschluss mit Itsy-Bitsy-schlechten Noten immer noch besser wirkt als der Notausstieg nach dem 12. Semester. Egal - für Sie heißt es, zu einem Entschluss zu kommen und ein berufliches Leben zu finden. 

Joachim_: Ich habe deswegen Angst vor einem Neuanfang, weil ich endlich mal was erreichen, d. h. auch Geld verdienen will. Dauernd habe ich mir eingeredet, dass ich, wenn ich mit dem Studium fertig bin, viel Geld verdienen werde, egal, ob mir der Job gefällt. Wenigstens die Kohle stimmt dann halt. Wenn ich jetzt wieder was Neues mache, fange ich wieder von vorne an. Außerdem werde ich bei diesem Schritt in meinem unmittelbaren Umfeld in keiner Weise unterstützt. 

Gerhard Winkler: Wechseln Sie das Umfeld.

huhu_jochen: Herr Winkler, ich muss mich persönlich per E-Mail mit Ihnen unterhalten, es gibt viele Probleme, ist sehr wichtig!

Gerhard Winkler: OK. E-Mail an gwinkler@jova-nova.com

huhu_jochen: Man sagte mir, ich solle 1 Jahr lang zur Schule gehen, Fachabi machen, damit ich bessere Chancen habe, was halten Sie davon?

Gerhard Winkler: Lernen ist immer noch besser als sich langweilen, aber ich würde mich, wenn gar nichts mehr geht, irgendeinen Service als selbständiger Dienstleister anbieten. Ich glaube an das lebenslange Lernen, aber Personaler RIECHEN ES durch die geschlossene Bewerbermappe durch, wenn jemand von einer Weiterqualifizierung zur nächsten geschlichen ist. 

huhu_jochen: Herr Winkler, haben Sie eine Festnetznummer, evtl. muss ich mal anrufen, aber Handy geht nicht, verstehe da leider nix.

Gerhard Winkler: Bitte mailen - wir haben so viel um die Ohren und nehmen nicht immer den Hörer ab.

huhu_jochen: Was ich dringend brauche, ist ein Fürsprecher, Mentor, der mir das Tor zu Personalern öffnet! Kann ich notfalls auf Sie verweisen und sagen, bei Fragen bitte Her Winkler anrufen?

Gerhard Winkler: Sie sollten sich überlegen, was Sie von Zu Hause aus arbeiten könnten.

Tak2: Ich bin die Tage auf einem Praktikantentag bei einer größeren Firma, um mir ein besseres Bild machen zu können, habe jedoch bereits einige für mich in Frage kommende Jobs auf der Firmenwebsite entdeckt. Wie klug ist es, auf so einer Veranstaltung zu versuchen, konkret zu werden, was sollte man an Unterlagen herausholen, wenn man dem Richtigen über den Weg läuft?

Gerhard Winkler: Drucken Sie sich die Angebote aus und nageln Sie die Ansprechpartner darauf fest. Sie sollen klar wissen, was Sie tun wollen, in welcher Position, mit welchen Zuständigkeiten und für welches Geld.

Tak2: Festnageln - nur verbal oder gleich mit kompletter Bewerbermappe, nur Lebenslauf? Zeugnisse zücken? Mein Anschreiben ist leider noch ziemlich piep, das trau ich mich kaum jemandem zu zeigen, der Lebenslauf ist zumindest akzeptabel, die Arbeitszeugnisse sind, denke ich, sehr gut.

Gerhard Winkler: Ehrlich gesagt, würde ich auf einem PRAKTIKANTENTAG einmal die Kurzpräsentation mit Lebenslauf und Visitenkarte abgeben und die komplette Mappe nur herausrücken, wenn die Gegenseite sie verlangt oder sehr deutlich interessiert ist.

Margit: Wenn ich bisher eine Ausbildung zur Schneiderin gemacht habe, und jetzt bei einem Wirtschaftsprüfungsgesellschaft zum Vorstellungsgespräch eingeladen bin, und wenn sie mich danach fragen, warum jetzt BWL-Studium, Schwerpunkt Rechnungswesen, was ist die beste Antwort? So etwas wie "ich habe die Ausbildung gemacht, damit ich die Betriebsabläufe schon sehe"?

Gerhard Winkler: Ich bin weit mehr eine Kauffrau, die gut schneidern kann als eine Schneiderin, die gut rechnen kann.

wolfi: Aus meinem Lebenslauf ist ersichtlich, dass ich für alle Stationen von Schule -Ausbildung - Beruf - Studium -Praktikum - Diplomarbeit nicht immer zügig vorgegangen bin. Wie soll ich das verdecken und später dann auch im Vorstellungsgespräch? Vielen Dank

Gerhard Winkler: Verstecken und verdecken kann man nichts, was mit Zeitphasen und Dauer zu tun hat. Personaler sind Zeitschnüffler. Ich würde an Ihrer Stelle nachdenken, warum ich jeweils meine Zeit gebraucht habe.

Gerhard Winkler: Liebe Jobfinder, Sie haben heute erfahren, dass man Lebensläufe wirkungsvoll und argumentativ aufzubauen hat, dass man nicht zu viel Material und Kram und Pipapo vorlegen muss und dass es beim Bewerben darauf ankommt, mit nicht mehr Krafteinsatz als notwendig bis zur Jobzusage zu kommen. Und ab und zu im Leben ist es zwingend notwendig, stehen zu bleiben und sich ganz aus den aktuellen Verhältnissen herauszudenken. Haben Sie den Mut, sich neu zu erfinden!
Schönen Abend allerseits! Nicht vergessen: auf formyourself.de stehen die Infos für Erstbewerber!