Mit Gerhard Winkler - Chatprotokoll vom 06.09.2006
Moderator: Willkommen beim formyourself.de Bewerber-Chat mit Gerhard Winkler.

Gerhard Winkler: Guten Abend! Kurze Vorbemerkung: Jede Frage ist erlaubt im Bewerber-Chat. Auch banale, einfache, ganz unschuldige Fragen ... meine Antwort steht unmittelbar unter Ihrem Beitrag
Gerhard Winkler: Hallo, wie kann ich Ihnen helfen?
Go for it: Guten Abend Herr Winkler. Dann wollen wir mal: was für Tipps gibt´s von Ihnen bez. Layout des Lebenslaufes (Kopfzeile mit Anschrift sowohl in Lebenslauf als auch in Anschreiben), vertikale und horizontale Linien, etc...?
Gerhard Winkler: Hallo go for it ...
Gerhard Winkler: Halten Sie den Lebenslauf so einfach wie möglich ...
Gerhard Winkler: Der Lebenslauf ist ein tabellarische Auflistung Ihrer als Lebenslaufstationen kaschierten Pro-Argumente ...
Gerhard Winkler: ... keine Kopfzeilen, KEINE Linien, keine Hervorhebungen, keine Bulletlisten ...
Gerhard Winkler: Lassen Sie die Fakten sprechen. Zwischen den Kern-Informationen und dem Auge des Betrachters darf kein Zierat stehen.
Go for it: Also "altmodisch", wie von vielen Beratern gesagt wird, ist noch immer am besten?
Gerhard Winkler: Warum am Lebenslauf herumbasteln? Glauben Sie im Ernst, Ornament und Schmuckelemente beeinflussen die Analyse Ihrer Leistungsdaten?
Gerhard Winkler: Lieber Go for it, wie sieht Ihr Lebenslauf bis jetzt aus?
Gerhard Winkler: Hallo, User My. Wie kann ich helfen?
my: Was ist wenn die Anlagenbeschreibung nicht mehr auf die selbe Seite wie das Anschreiben passt? Lieber den Text quetschen oder eine neue Seite nur mit den Anlagen dazulegen?
Go for it: Der Lebenslauf sieht noch recht normal aus, also werde ich ihn so lassen. Bevor es echt ans Bewerben geht, bekommen Sie ihn natürlich zum Check per E-Mail.
Gerhard Winkler: Go for it, die Zeit, in der Sie einen Lebenslauf verschönern, nutzen Sie besser, indem Sie Arbeitgeber anrufen oder sich weiterbilden oder Adressen recherchieren oder dafür sorgen, dass die Welt ein besserer Platz wird ...
Gerhard Winkler: Bewerben heißt, ein Leistungsangebot abgeben. Rekrutierer haben keine Zeit, die Schönheit der Gestaltung zu goutieren. Der Verschönerungswille von Bewerbern korrespondiert meist nicht mit dem Designkönnen. Es spricht nichts dafür, sich anders zu bewerben als einfach, ansprechend, angemessen und ehrlich.
Go for it: Noch eine Frage zum Lebenslauf: sollte man bei 2 Seiten "Seite 1 von 2" und "Seite 2 von 2" eintragen, und vielleicht auch noch den Namen als Fußzeile? Ich habe gehört, dass viele Unternehmen die Lebensläufe ausdrucken, und da kann ein Blatt ja schon mal schnell abhanden kommen. Oder darauf vertrauen, dass Personaler ordentliche Menschen sind?
Gerhard Winkler: Seite 1 von 2 und Seite 2 von 2 - machen Sie das, wenn Sie Buchhalter sind oder Controller oder Jurist oder wenn Sie die geschobene & gehobene Beamtenlaufbahn anstreben.
my: Mit Anlagenbeschreibung meine ich z.B. Anlage: Lebenslauf, Zeugnis etc. oder würden Sie nicht schreiben, welche Anlagen Sie beigelegt haben?
Gerhard Winkler: Auf keinen Fall den Anlagenvermerk auf eine zweite Seite drucken. Falls der Platz nicht ausreicht, lassen Sie's einfach. Anlagenvermerke sind in Bewerbungen eigentlich witzlos: Jeder weiß doch, dass ein Anschreiben niemals allein kommt.
Gerhard Winkler: Bei einer Mailbewerbung ist das sowieso kein Thema mehr. Also: Anlagenvermerk unten auf die Seite 1. Kein Anschreiben ist länger als eine Seite - außer Sie bewerben sich um eine akademische Stelle.
Gerhard Winkler: Kurzer Hinweis, da Go for it es angesprochen hat: Auf jova-nova.com gibt es den kostenlosen 3-Minuten-Check der Bewerbungsunterlagen ...
Gerhard Winkler: Hallo, User Joachim. Wie kann ich Ihnen helfen?
my: Apropo Mailbewerbung: Ich habe festgetelt, daß es von vielen Onlinestellenangeboten einen direkten Link Hier bewerben gibt. In dem Fall fehlt die konkrete Anschreibperson, da aber keine Telefonnummern zu finden sind zum Nachfragen, würde ich davon ausgehen, daß ich die Bewerbung dann doch an unbekannt abschicken soll, obwohl das allem, was Sie empfehlen widerspricht.
Gerhard Winkler: Im Idealfall hat man den Bewerbungsempfänger identifiziert - aber oft ist der Aufwand zu groß, um die direkte Mailadresse herauszufinden. Für den Traumjob würde ich mir eine Stunde zum Recherchieren geben. (Unter einem Vorwand) telefonieren, in Online-Communities fragen, bei Institutionen nachfragen ... es gibt viele Möglichkeiten, Entscheider zu lokalisieren.
Gerhard Winkler: Sie können Ihren Lebenslauf während des Chats an gwinkler@jova-nova.com mailen, ich schaue ihn mir parallel an ...
Go for it: Ich bewerbe mich noch nicht, aber bereite mich schon mal langsam drauf vor. Nächste Frage zum Lebenslauf: Sollte man Sprachkenntnisse genauso nennen, oder Fremdsprachen? Und schreibt man die Muttersprache überhaupt dazu, oder ist das überflüssig wenn die Nationalität oben im Lebenslauf bereits erwähnt wird?
Gerhard Winkler: Englisch verhandlungssicher - in Wort und Schrift - gute Kenntnisse - ausbaufähige Grundkenntnisse - Schulkenntnisse
Gerhard Winkler: Nationalität: würde ich nur notieren, wenn ich mich für den Staatsdienst bewerbe, oder wenn mein Name und mein Geburtsort Anlass zum Zweifel geben.
Gerhard Winkler: Muttersprache: Ist immer witzig, wenn Bewerber es notieren. Die haben es vom European CV - wenn dieses Dokument als einziges von der europäischen Zivilisation übrig bleibt, machen sich künftige Generationen vor Lachen in die Hosen.
Joachim: Hallo Herr Winkler, wenn man sich für einen Job bewirbt, wo Englisch Kenntnisse verlangt werden, man aber nur ausbaufähige Englischkenntnisse aus der Schulzeit hat, kann man sich dann trotzdem für diesen Job bewerben?
Gerhard Winkler: Ja, bewerben Sie sich. Und frischen Sie ab MORGEN systematisch Ihr Englisch auf. Sie brauchen das! Glauben Sie mir, Englisch ist einer der Überlebenshelfer in der modernen Zivilisation. Das braucht man nicht nur für den Job.
Go for it: Das heißt, Deutsch ganz weglassen im Lebenslauf?
Gerhard Winkler: Klar - Sie wohnen in D, Ihre ganze Vita ist in D abgelaufen, Sie schreiben auf D - wie soll man da auf die Idee kommen, dass Sie kein D sind?
Gerhard Winkler: An alle: Bewerbungsoptimierung besteht aus zwei Teilen: a) alles, was nicht faktisch, nicht konkret, nicht substantiell ist durch HARTE FAKTEN ergänzen. b) Infomüll ersatzlos streichen.
my: Ich habe gerade in Biologie promoviert und versuche jetzt den Quereinstieg in die Wirtschaft z.B. Projektmanagement. Aber heute hat mich dieser Mensch vom Hochschulteam (Arbeitsamt) extrem verunsichert, als er meinte, wenn ich noch keine Praktik in dem Bereich gemacht hätte, bräuchte ich mir kaum Chancen auszurechnen. Aber irgendwie muß ich doch den Absprung von der Uni schaffen. also weiterversuchen, oder meinen sie auch, daß das vergebene Liebesmüh ist?
Gerhard Winkler: Ja, so ein seltsamer Ratgeber. Was hat der denn eine Ahnung von Life Science. Klar bewerben Sie sich: 100fach initiativ bei Deutschlands Biotechs!
Gerhard Winkler: Projektmanagement ist etwas, das man lernt, indem man es macht. Bewerben Sie sich - wen, wenn nicht promovierte Biologen wünscht man sich als Projektmanager?
Joachim: Wenn man im Studium einen Schwerpunkt gewählt hat, in dem man alles Mögliche machen konnte, der Schwerpunkt hieß "Markt und Allokation", aber man sich nicht konkret auf eine spezifische Sache wie z.B. Rechnungswesen, Controlling, Volkswirtschaft etc. konzentriert hat, sondern von Allem ein bißchen gehört hat, fällt es mir unheimlich schwer in einer Bewerbung zu behaupten, in einem Fach einfach super zu sein.
Gerhard Winkler: Berichten Sie, was Sie im Studium und in Jobs gelernt, gemacht, geleistet haben. Legen Sie sich selber im Anschreiben fest: Je positionsgenauer man argumentiert, desto besser. In Ihrem Fall notieren Sie: "Ich könnte meine fachliche Kompetenz am besten als ... oder als .... zur Geltung bringen ....".
Go for it: o.k. VerstDanDen? Übrigens, was tippen Sie heute AbenD für´s D-Spiel? Nächste Frage bez. Sprachkursen im Ausland: Wie schreibe ich die Note des Tests auf? Erst die Note des Landes (Ziffern von 1-100, Buchstaben von A bis D, etc.) und dann dahinter der deutsche Vergleich?
Gerhard Winkler: Ich hoffe, es wird ein V-Tag für D. Falls die Noten unerklärlich sind, setzen Sie in (Note gut) o. ä. dazu ...
Joachim: Ich bin bereits ein bißchen älter, 38 Jahre, habe Wirtschaftswissenschaften studiert und studiere noch immer, jetzt bereite ich mich gerade auf das Diplom II vor. Sollte man sich in einem solchen Alter bei bestimmten (großen) Firmen nicht zu bewerben versuchen und es lieber bei Mittelständlern oder kleineren Firmen versuchen? Ich lese immer wieder in den gängigen Studienzeitschriften, dass große Firmen junge Bewerber suchen und ab 27 Jahren eine Grenze für Studenten erreicht ist.
Gerhard Winkler: Nicht auf gut Glück schriftlich bewerben - vor allem nicht auf Trainee- oder Einstiegsstellen. Karrieremessen, sonstige Veranstaltungen, auf denen Sie Firmen finden, Fürsprecher, Bekannte, direktes Kontakten per Telefon ... bereiten Sie den Boden vor, lockern Sie ihn auf, sonst verdorrt Ihre Bewerbung sofort.
Gerhard Winkler: Mit 38 haben Sie schon einige Jahre im Beruf gestanden. Ihre Praxiserfahrung, Ihr Durchhaltevermögen, Ihren Lernwillen würde ich in einer Bewerbung massiv unterstreichen.
Go for it: Wenn man während eines Praktikums mit bestimmten Produkten zu tun hat und Veranstaltungen organisiert, sollte man diese dann wörtlich im Lebenslauf nennen, um einen besseren Beweis für die beschriebenen Leistungen vorzeigen zu können?
Gerhard Winkler: Ein Beispiel: "selbständiger Import, Vertrieb Naturkosmetika und Nahrungsergänzungen; Organisation bundesweiter Verkaufsveranstaltungen; Präsentationen ... " - so könnte ein Eintrag aussehen ...
Moderator: Der Chat wird nun geschlossen, Herrn Winkler und allen Teilnehmern ein herzliches Dankeschön fürs Mitmachen und noch einen schönen Abend! Auf Wiedersehen!