Mit Gerhard Winkler - Chatprotokoll vom 06.12.2006
Moderator: Willkommen beim formyourself.de Experten-Chat mit Gerhard Winkler.

Gerhard Winkler: Guten Abend und willkommen zum Nikolaus-Chat für findige Jobsucher.
Wie frech darf ein Bewerber sein, ohne dass der Personaler Knecht Ruprecht ruft?
Beispiel eines Lesers:
„Sehr geehrte Frau XX,
wie würde Ihnen ein neuer Mitarbeiter gefallen, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat?“
Wie finden Sie den Einstieg?
Archie: Kommt auf den Beruf an, grundsätzlich gefällt mir der Einstieg.
Gerhard Winkler: Zum Thema "Rhetorische Frage als Einstieg": Grundsätzlich kann ein genervter Jobanbieter auf diese Eingangsfrage NICHT GUT antworten und die Bewerbung wegklicken. Besser das stärkste Argument ohne einleitende Frage bringen.
Archie: Klar kann er das, wenn aber alle Bewerber Ihren Rat befolgen, ist die rhetorische Frage plötzlich etwas erfrischend Neues.
Gerhard Winkler: Das Problem ist, dass jede rhetorische Bewerberfrage so alt ist wie der Kölner Dom, aber nicht ganz so beeindruckend.
Robert25: Hallo Herr Winkler. Ist bei der Bewerbung ein Deckblatt noch sinnvoll, und gehört die Telefonnummer auf das Deckblatt? Ich hörte im Fernsehen mal, die Telefonnummer gehört nicht dort hin?
Gerhard Winkler: Lieber Robert25, haben Sie den Mut, sich deckblattlos zu bewerben. Sie brauchen es nicht, und der Personaler braucht es noch weniger.
weinsäuferausderPfalz/Neustadt: Haben Sie meine Bewerbung an Uli Ludwig erhalten?
Gerhard Winkler: Nicht erhalten und falls doch, noch nicht gelesen.
weinsäuferausderPfalz/Neustadt: Herr Winkler, was halten Sie von der Ausbildung zum Vermögensberater bei der Deutschen Vermögensberatung AG
Gerhard Winkler: Grundsätzlich kann man sagen: Ausbildungen sind fundiert, Jobchancen nicht schlecht - vorausgesetzt, man ist in der Lage, seinem eigenen Hund eine Haftpflichtversicherung zu verkaufen.
Archie: Nach einer Meldung im Manager-Magazin von gestern löst die Aachen-Münchner ihren kompletten Vertrieb auf und überträgt diesen an die DVAG - von daher sicherlich interessant.
Gerhard Winkler: Sie werden nur dann ein guter Finanzberater, wenn Sie so gut sind, dass Sie als Gast bei einer Taufe dem Kindsvater eine Ausbildungsversicherung für die nächsten drei Kinder andrehen. Es gehört eine ganz spezielle Durchsetzungsfähigkeit dazu!
weinsäuferausderPfalz/Neustadt: Ich will da anfangen bei der Vermögensberatung, Schulung, Ausbildung, Hauptsache ich habe das Zertifikat geprüfter Vermögensberater und dann ab in Versicherungen bewerben oder Unternehmensberater werden, Versicherungsmakler, wäre das etwas?
Gerhard Winkler: Noch einmal: Fast jeder kann Finanzprodukte lernen, einige können prima beraten, nur wenige sind abschlusssichere Verkäufer!
Archie: kann es sein, dass Sie dem Beruf des Versicherungsverkäufers eher ablehnend gegenüberstehen? Ich denke, in einer Zeit, in der Lehrstellen rar sind, sollte sich ein Bewerber auch mit diesem Beruf befassen - vorausgesetzt, es ist wirklich eine Ausbildung mit zertifiziertem Abschluss, zum Beispiel IHK.
Gerhard Winkler: Nein, Verkaufen ist ein ehrenwerter Job. Berater, Dienstleister und Händler gab es schon in der Bibel. Allerdings klappt es nicht, wenn man nicht von vorne herein die richtige Einstellung, den Biss und das nötige Geschick hat.
Archie: Qualifizierte Ausbildung kann aber auch dazu führen, dass man in "zweiter Reihe" zu dem Erfolg des Unternehmens beiträgt, z. B. Backoffice - nicht jeder muss verkaufen...
Gerhard Winkler: Archie, Finanzberater gehen hinaus in die Vorstädte, Siedlungen und Gehöfte, und dann VERKAUFEN sie, und wenn sie alle Personen im Haushalt bearbeitet haben, gehen sie noch in den Kuhstall und verkaufen dort Versicherungen gegen Euterschwund. Machen Sie sich nichts vor.
Robert25: Ich bin schwerbehindert (schwerhörig). Soll die Behinderung im Lebenslauf aufgeführt werden oder überhaupt in einer Bewerbung irgendwo stehen? Falls bei einem Stellenangebot Schwerbehinderte bevorzugt werden, muss die Behinderung natürlich in die Bewerbung. Oder? Ich schreibe sie immer in den Lebenslauf als zusätzlichen Punkt.
Gerhard Winkler: Ich würde, wenn ich behindert wäre und mich niemand einstellen würde, ein Extrablatt WARUM ES FÜR SIE VON VORTEIL IST, SCHWERBEHINDERTE IN IHREN BETRIEB ZU INTEGRIEREN beilegen und darin zum Beispiel die Rechtslage verklickern.
weinsäuferausderPfalz/Neustadt: Apropos, ich vermisse das Chatprotokoll vom November und wie war es in Köln? Steht der Dom noch? Gibt’s noch die Kölsch?
Gerhard Winkler: Die Messehallen stehen noch.
weinsäuferausderPfalz/Neustadt: Herr Winkler, welche Zeitungen lesen Sie? Man sagte mir, Myjob oder Karriere oder Manager wären zu empfehlen, aber ich kenne den Spruch: die Götter weinen, wenn Experten raten!
Gerhard Winkler: Jobsuchende lesen eine gute regionale Tageszeitung, am Samstag auch ein paar der großen. Plus Wochenzeitungen, Fachzeitschriften in beliebiger Anzahl. Je mehr, desto besser.
weinsäuferausderPfalz/Neustadt: Wie ist Mannheimer Morgen, FAZ oder Guter Rat? Ich suche immer im Internet, Arbeitsagentur.de nach Jobs, aber nie ist was Brauchbares dabei. Gibt’s was Besseres? Was können Sie empfehlen?
Gerhard Winkler: Der ernsthafte bzw. verzweifelt suchende Leistungsanbieter recherchiert in ALLEN Tageszeitungen der Region plus online in ALLEN relevanten Jobbörsen. Jobchancen ergeben sich eher vor Ort oder sie werden bundesweit gestreut.
Merlin: Hallo Herr Winkler, ich suche eine Ausbildungsstelle. Was trage ich im Formular ein, wenn ich nach dem Motivationsgrund gefragt werde? Und wo erkläre ich die schlechten Noten?
Gerhard Winkler: Der Grund Ihrer Motivation besteht darin, dass Sie die Anforderungen meistern, die Lernleistungen erbringen, die Ausdauer zeigen und sich den Erfolg erarbeiten werden. Ihre Motivation wird aus Ihren Stärken kommen und falls Sie diese noch nicht erprobt haben, aus Ihren guten Absichten. Schlechte Noten sind nicht gut. Was haben Sie, was für Sie spricht?
Merlin: Und wie schreibe ich, dass ich die Lernleistungen in einer Ausbildungsstelle meistere, wenn ich in der Schule schlecht bin?
Gerhard Winkler: Merlin, sind Sie denn in ALLEN Fächern schlecht? Was machen Sie nach der Schule, neben der Schule? Schon gejobbt? Irgendwo engagiert? Aktive Mitgliedschaften? Irgendwelche Sachen, auf die Sie stolz sind? - Bewerber Ihres Alters haben doch mehr drauf, als nur gute oder nicht so gute Noten …
Max: Guten Abend Herr Winkler. Sollten Kopien und Scans der Unterlagen (Arbeitszeugnisse, Zeugnisse, etc.) in Farbe oder schwarz-weiß sein?
Gerhard Winkler: Wenn Sie das als PDF mitschicken oder günstig drucken können, in Farbe. Das macht vielleicht mehr her. Aber Schwarz-Weiß-Druck ist genauso gut. Auf den Inhalt kommt es an!
Max: Wie groß sollten Attachments bei Online-Bewerbung maximal sein? Und wie viele Unterlagen sollte man einscannen, da es einem Personaler wohl eher weniger Spaß macht, durch so viele Seiten zu scrollen, oder?
Gerhard Winkler: Unter einem Megabyte - die Leute haben zwar schnelle Verbindungen, wollen aber nicht, dass dicke Brocken in ihr Postfach klunkern. Die Anlagensammlung würde ich auf 10 - 18 Seiten beschränken.
Max: Bei Online-Bewerbung: E-Mail = Anschreiben? Und wie hängt man den Lebenslauf und Scans der Unterlage dran?
Gerhard Winkler: Das Anschreiben verlagern Sie in die Mail. Betreff übertragen, Anrede plus Text plus Schlußformel in den Mailkörper. Nach der Unterschrift kommt in der Mail ein Info-Block mit den eigenen Kommunikationsdaten:
Mit freundlichen Grüße
Gerhard Winkler
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Gerhard Winkler
Lindenfelser Weg 5
14163 Berlin
0170 8138311
gwinkler@jova-nova.com
Das sollte untereinander stehen.
Susi: Hallo, soll ich bei einer E-Mail-Bewerbung eine Lesebestätigung anfordern, damit ich weiß, die Bewerbung ist angekommen?
Gerhard Winkler: N E I N ! Nerven Sie NICHT den Personaler.
weinsäuferausderPfalz/Neustadt: Herr Winkler, wenn alles schief läuft, kann ich mich dann auch als Bewerbungshelfer selbstständig machen und Sie unterstützen oder bei Ihnen mitarbeiten?
Gerhard Winkler: Stellen Sie sich einen Bewerbungshelfer wie Clint Eastwood vor, im Film BEIM BEWERBEN IST JEDER DER ERSTE. Bewerbungshelfer arbeiten immer SOLO.
Archie: ich finde die Abstufung von weinsäufer spektakulär: Wenn es bei der Vermögensberatung nicht klappt, dann könnte er es immerhin noch als Bewerbungshelfer versuchen … Jetzt wissen wir zumindest, welchen Stellenwert seiner Meinung nach der Bewerbungshelfer hat
Gerhard Winkler: Ich habe kein Problem, meine Services zu verkaufen. Je überzeugender das Angebot, desto leichter lässt es sich auf lange Sicht vermarkten.
weinsäuferausderPfalz/Neustadt: Archie, es geht darum, als Vermögensberater ist man selbstständig und Herr Winkler ist es auch. Da es bei uns in unserem Kaff keine Bewerbungshelfer und Berater gibt, wäre es doch sinnvoll, Herrn Winkler zu unterstützen und hier bekannt zu machen, je mehr Leute nicht Schema F machen, desto besser!
Gerhard Winkler: Falls jemand unter den Anwesenden gedenkt, Bewerbungsberater, Coach oder Trainer zu werden: Freiberuflichkeit erfordert eine robuste Natur und mehr Belastbarkeit als landesüblich.
weinsäuferausderPfalz/Neustadt: Herr Winkler, finden Kurse in Frankfurt statt?
Gerhard Winkler: Nur, wenn Frankfurt ruft.
Ulli: Guten Abend Herr Winkler, am Montag hatte ich ein Vorstellungsgespräch in England. Das Gehalt wurde nicht angesprochen - und ich habe es auch aus mir unerfindlichen Gründen nicht getan (irgendwie unangenehm, aber natürlich wichtig). Ich glaube, ich benötige unbedingt einen Tipp, wie ich dieses Problem beim nächsten Mal besser lösen kann.
Gerhard Winkler: Alles im GRÜNEN BEREICH. S I E sprechen das Gehalt am besten nicht als erster an. Aus der Art, ob und wann die Gegenseite das ins Spiel bringt, können Sie manches schließen.
weinsäuferausderPfalz/Neustadt: Herr Winkler, was macht eine gute Präsentation aus? Wenn man in Firmen etwas präsentieren soll, wie geht man am besten vor, damit es nicht langweilig wird?
Gerhard Winkler: Frei reden, Inhalt auf den Slides minimieren, die Anliegen und das Erkenntnisinteresse der Zielgruppe verstehen und berücksichtigen … nicht nur Fakten liefern, sondern die Zuhörer mit einem lebendigen Vortrag fesseln … Anregungen und Tipps bekommt man zum Beispiel auf www.dreineun.de!
weinsäuferausderPfalz/Neustadt: Ab wann kann man die Schulzeiten und Ausbildungszeiten weglassen? Der Lebenslauf wird zu lang, oder das Anschreiben auch - Stichwort: Anschreiben sanieren!
Gerhard Winkler: Nach der letzen allgemein bildenden Schule ist Ihr Lebenslauf lückenlos. Man kann kürzen, aber keine Zeiträume unter den Tisch fallen lassen.
Max: Was heißt 05/06 - 09/08? a) 1. Mai bis 31. August b) 1. Mai bis 30. September ?
Gerhard Winkler: Ich würde so schreiben: 05.2006 - 09.2008
Max: Ja, aber heißt das bis einschließlich September oder bis Anfang September?
Gerhard Winkler: In einem Lebenslauf heißt das: bis irgendwann zwischen 1. und 30. September. Seien Sie dankbar für die semantische Unschärfe.
Max: Welche Abstände zum Seitenrand sollte man bei Lebenslauf und Anschreiben beachten?
Gerhard Winkler: Links 2,4 cm, rechts ebenso; genaueres in den DIN Regeln
weinsäuferausderPfalz/Neustadt: Herr Winkler, wenn Sie in Mannheim studiert haben, warum sind Sie bei uns nicht so bekannt, keiner will Sie hier kennen und das Arbeitsamt weiß gar nicht, dass es Sie gibt. Das finde ich sehr, sehr traurig! Soll ich Ausdrucke Ihrer Seite mal im Arbeitsamt öffentlich auslegen?
Gerhard Winkler: Ich freu mich, wenn Sie mich empfehlen, aber ich propagiere keine Ideen, für die man missionieren müsste …
weinsäuferausderPfalz/Neustadt:Herr Winkler, kann man die Überschrift Lebenslauf oder Persönliche Daten nicht irgendwie anders benennen? Klingt irgendwie so abgedroschen.
Gerhard Winkler: Überschrift LEBENSLAUF immer ganz streichen; PERSÖNLICHE DATEN könnte man eigentlich auch streichen.
weinsäuferausderPfalz/Neustadt: Und was schreibt man dann besser? Beruflicher Werdegang? Meine beruflichen Ziele? Meine Arbeitsleistungen bisher?
Gerhard Winkler: Notieren Sie als Rubrik: BERUFLICHE PRAXIS oder BERUFLICHE ERFOLGE oder BERUFLICHE ERFAHRUNG.
H1: Guten Abend Herr Winkler! Wie ist Ihr Lehrerseminar am Samstag in Berlin verlaufen?
Gerhard Winkler: Die Lehrer haben bisweilen gelächelt, aber nur verhalten.
H1: Das heißt, Sie hatten ein sehr konservatives Publikum? Meine Kollegen empfehlen mittlerweile auch Ihre Seite, wenn es um das Thema Bewerbung geht.
Gerhard Winkler: Selbst und gerade der konservative Personaler hat genug von den heißen Schwaden, die von den Puff-Puff-Bewerbern abgelassen werden. Man liest ihre Anschreiben und sieht die Jobsucher vor Übereifer lila Duftwölkchen ausstoßen. Warum die leicht verzweifelte Selbstanpreisung? Erfolgreich Bewerben ist immer eine coole Sache. Da braucht man nicht aufgeregt tun.
H1: Ich habe mich über Ihr Angebot gefreut, mir den Seminar-Reader zu mailen!
Gerhard Winkler: Hab ich das schon gemacht?
H1: Da ich sehr ungeduldig bin, fast täglich zu meinem "Briefkasten" laufe, leider nein. H.K@freenet.de
Gerhard Winkler: OK, kommt heute Abend! Sie sind Absolvent?
H1: Wir sind gerade für unsere Schüler (Hauptschulniveau) auf der Suche nach einem guten Kompetenzanalysecheck. Ich bin Lehrer an einer Hauswirtschaftlichen Schule, unterrichte im BVJ, meine E-Mail-Adresse ist schon in Ihrem Verteiler. Toller Service, den ich gerne nutze.
Gerhard Winkler: Kompetenzanalyse - ich gebe die Frage heute Abend an eine Kollegin weiter, die in dem Bereich spezialisiert ist.
H1: Das wäre toll!! Zu weinsäufers Kommentar: auch bei den Lehrern ist es ganz schwer, alte Zöpfe abzuschneiden. Da wird für viele Bewerbungen immer noch das Lehrbuch von anno … herangezogen.
Gerhard Winkler: Der Punkt ist, dass Lehrer täglich erfahren: die meisten Menschen formulieren äußerst ungern etwas in eigenen Worten. Es gilt, Leuten, die das SCHREIBEN geradezu HASSEN, dazu motivieren, dass sie POSITIV ÜBER SICH SELBST SCHREIBEN. Keine leichte Aufgabe!
Ulli: Noch eine Frage: Da ich "Nicht-Leistungsempfänger" bin, tut sich die freundliche Agentur für Arbeit sehr schwer, die Kosten zum Vorstellungsgespräch zu übernehmen. Wie kann, sollte man dieses Thema beim möglichen Arbeitgeber bei einem Vorstellungsgespräch ansprechen?
Gerhard Winkler: Am besten im Vorfeld klären - einfach anrufen!
H1: Noch viel Spaß hier im Chat; im 1. kommt heute die Wiederholung der WM ;-)
Gerhard Winkler: Hatten wir gewonnen?
Falls Sie von mir weitere Ressourcen benötigen, bitte mailen. Sie dürfen meine Blätter weitergeben, bitte nur die Reader meiner Kurse nicht in Umlauf bringen - ich verdiene meinen Lebensunterhalt damit …
Vielen Dank für Ihre vielen guten Beiträge! Ich wünsche Ihnen Erfolg bei der Jobfindung und eine schöne Vorweihnachtszeit!