Mit Gerhard Winkler - Chatprotokoll vom 25.01.2006
Moderator: Willkommen beim formyourself.de Offener Chat mit dem Bewerbungshelfer mit Gerhard Winkler.

Gerhard Winkler: Hallo, ich freue mich über Ihre aktive Teilnahme und über viele Fragen!
AndreaH: Hallo Herr Winkler. Schön, einen Experten anzutreffen.
Gerhard Winkler: Haben Sie vielleicht eine Frage an den Experten?
H1: Hallo Herr Winkler, ich bin Lehrer einer BVJ-Klasse, die Mädels sind alle nicht sehr gut in der Schule, wie können in der Bewerbung die Schulnoten relativiert werden?
Gerhard Winkler: Gute Leistungen müssen nicht unbedingt durch Noten nachgewiesen werden. Eine Referenzperson hat viel mehr Gewicht. Wichtig ist, dass jeder seine eigenen, persönlichen Vorzüge und Stärken beschreibt und aufzeigt, bei welcher Gelegenheit er sie schon erprobt hat.
joerg: Hallo, ich hab eine Frage zur Onlinebewerbung. Wie unterschreibe ich das als PDF angehängte Anschreiben?
Gerhard Winkler: Einen Lebenslauf muss man nicht unterschreiben. Ort-Datum-Unterschrift am Ende ist nur eine alte Sitte. Da gibt es keine Muss-Vorschrift dazu. Der Lebenslauf hat aktuell zu sein und er ist sowieso rechtsverbindlich. Wenn Sie täuschen und tricksen und es kommt raus, ist dies auch ohne Signatur auf dem Lebenslauf ein Entlassungsgrund.
AndreaH: Ich bin betriebsbedingt gekündigt. Wie erwähne ich das in einem Anschreiben? Bisher habe ich's unterschlagen.
Gerhard Winkler: "Eine betriebsbedingte Kündigung sehe ich als Chance, mich in einer neuen, anspruchsvollen Aufgabenstellung zu bewähren" - wobei man die Adjektive tunlichst variiert.
H1: Hallo Herr Winkler, wie können meine schwachen Schülerinnen ihre schulischen Leistungen in der Bewerbung "verstecken"?
Gerhard Winkler: Geben Sie den Schülern in den letzten zwei Schuljahren jede Gelegenheit, sich in Projektarbeit und außerschulischem Engagement zu bewähren. Die Phase vor dem Abschluss ist ganz wichtig, um Fleißkärtchen zu sammeln. Gute Noten sind oft weniger wertvoll als Engagement, Bewährung in kleinen Jobs etc.
tobi: Hallo, Herr Winkler. Ich habe nun wirklich viele Bewerbungen geschrieben. Leider nur Absagen. Jetzt hat mein Lehrer gesagt, ich solle eine Onlinebewerbung machen - aber nicht wie.
Gerhard Winkler: Onlinebewerbung: Entweder die Online-Formulare auf Firmen-Web-Sites ausfüllen oder sich per E-Mail bewerben. Auf jova-nova.com gibt es ein Online-Arbeitsblatt zum Üben.
utdrexel: Hallo ... ich habe gerade mein Studium in den USA abgeschlossen und möchte mich jetzt für Jobs in Deutschland bewerben. Derzeit lebe ich aber noch in den Staaten. Glauben Sie, dass das für mich ein Hindernis ist beim Bewerben?
Gerhard Winkler: Bieten Sie ein Telefoninterview an und erklären Sie, dass Sie gern anrufen und die Kommunikationskosten übernehmen.
AndreaH: Die Frage kam nicht an, also nochmals. Ich bin betriebsbedingt gekündigt. Bisher habe ich es im Anschreiben nicht erwähnt. Wie gehe ich damit um?
Gerhard Winkler: Antwort steht weiter oben!
ute im norden: Mir fehlt bei verschiedenen Jobangeboten mal diese Qualifikation, mal jene ... wie kann ich den Arbeitgeber überzeugen, diese eventuell arbeitsagenturgefördert nachzuholen (mit seiner Einstellungszusage)?
Gerhard Winkler: Ich würde klären, was meinem Profil noch fehlt und mich jetzt aktiv drum kümmern, dass ich die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten erwerbe. Mich würden Sie als Jobsuchende mit Beteuerungen, dass Sie später im Job alles nachholen, nur schwer überzeugen. Arbeitgeber ist klar, dass jeder eine Einarbeitungszeit braucht - aber es gibt meist Mitbewerber, die nicht so lange benötigen.
totalabsage: Hallo, Herr Winkler, Sie schreiben auf Ihrer Seite: "Lass niemanden daran zweifeln, wo du dein Schwert trägst." - Was meinen Sie damit?
Gerhard Winkler: Zeigen Sie Ihre Stärken, Ihre Kenntnisse, Ihre Kompetenz, Ihre Erfahrung, Ihr Können. Machen Sie unmissverständlich sichtbar, was Sie auszeichnet. Wenn Sie nicht gut über sich sprechen, wer sonst?
Gerhard Winkler: Kurze Frage: Sehen Sie alle meine Antworten? Falls nicht, öfter auf Seite neu laden klicken...
joerg2: Und das Anschreiben? Mit freundlichen Grüßen und dann Maschinen-Name oder eingescannte Unterschrift?
Gerhard Winkler: Anschreiben per Mail: maschinenschriftlich Grußformel + Leerzeile + vollständiger Name. Ebenso bei Anschreiben, das als PDF- oder Word-Dokument verschickt wird. Eingescannte Unterschriften sind immer ein bisschen affig. In der Zeit, in der Sie Ihre Unterlagen verschönern, könnten Sie zwei Jobanbieter anrufen und sich vorstellen...
Stuttgart70: Hallo Herr Winkler, ich hab eine konkrete Frage und zwar zu "Blindbewerbungen": Ich weiß nicht direkt, wie ich hier vorgehen soll, a) Firmen zu finden, bei denen sich Blindbewerbungen lohnen könnten (wie recherchiert man hier am Besten auch in anderen Bundesländern) und b) was genau ich in das Anschreiben schreiben soll, da doch keine konkrete Stelle ausgeschrieben ist. Wie formuliert man seine Einsatzmöglichkeiten möglichst offen, ohne plan- und ziellos zu erscheinen?). Haben Sie einen Tipp?
Gerhard Winkler: Ich hab dazu einiges auf jova-nova.com geschrieben. Bitte nachlesen. Mehr Firmen, als Sie je kontakten können, finden Sie im Web. Es gibt keine "Blind"bewerbung. Sie halten jeweils ein Briefing (einen Kurzvortrag) über Ihre besondere Eignung für einen ganz bestimmten Job in dieser bestimmten Organisation.
rui: Nach meinem Studium der Elektrotechnik arbeite ich momentan in der Produktion und empfinde diese Tätigkeit als kontraproduktiv. Ist es nicht sinnvoller, als Elektriker/Techniker oder etwas Vergleichbarem (Praktikum, Masterstudium) zu arbeiten?
Gerhard Winkler: Wenn Sie als Absolvent eine Arbeit annehmen, die Sie völlig unterqualifiziert, müssen Sie nach 3 Monaten die Notbremse ziehen. Massiv bewerben. Weltweit.
AndreaH: Das Schlusszeugnis hat Fehler und ist (anders als die beiden Zwischenzeugnisse) nur gut. Es wird darin auf diese verwiesen. Ist das okay?
Gerhard Winkler: Oh nein. Fehler ausmerzen und die Inhalte der Zwischenzeugnisse in das Endzeugnis einfließen lassen. Klingt, als wäre Ihr Ex-Arbeitgeber ein Hallodri. Bestehen Sie auf ein vollständiges Arbeitszeugnis.
H1: Sind Hobbys in einer Azubi-Bewerbung sinnvoll/notwendig?
Gerhard Winkler: Ich bin wahrscheinlich im Widerspruch zur ganzen bekannten Berater-Welt mit dieser Ansicht: Im Lebenslauf und im Anschreiben keine Hobbys, aber immer sein Engagement anführen. Im Jobinterview dann die Frage nach den Freizeitinteressen sehr überzeugend beantworten. Wenn man zum Beispiel gern liest, vor dem Interview ein gutes Sachbuch lesen und sich den Inhalt merken. - Alle meine Klienten fahren gut damit, dass sie nicht gleich alles rausrücken. Im Endeffekt bringen sie ihre persönlichen Stärken im Gespräch viel besser rüber. Ausnahme: Sie sind sehr jung und noch ein total unbeschriebenes Blatt, Sie haben keine echten Proargumente, aber eben ein, zwei Hobbys, die ihre Interessensgebiete mehr oder minder abdecken. Allerdings - was hat man da schon für Hobbys und warum sollen die gerade einen Ausbilder begeistern ... Fazit: 1, 2 Jahre vor dem Bewerben anfangen, aktiv am Sozialleben, am Vereinssport, an der Arbeitswelt, an Projekten teilnehmen!
AndreaH: Einige meiner Bekannten haben grade Ausbildungsplätze bekommen. Die Ausbilder beschweren sich über die schwachen oder fehlenden Sprachkenntnisse. Wie wichtig stufen Sie Sprachen ein?
Gerhard Winkler: Was einen in der Ausbildung, im Beruf und im Leben immer weiterbringt, sind die Überlebenshelfer: sich auf Englisch gut verständigen, auf Deutsch fehlerfrei formulieren, 30 Minuten Smalltalk mit fremden Menschen können, gute Kinderstube ... und natürlich ein Verständnis für Zahlen, Größen, Werte! Ganz wichtig: Wenn Eltern und Schule nichts dafür tun, muss man sich selber erziehen!
H1: Die großen Handelsketten bieten ja alle Onlinebewerbungen. Ist es nicht besser, sich trotzdem schriftlich zu bewerben?
Gerhard Winkler: Als Absolvent nutzen Sie die Online-Formulare - außer, Sie können sich einen direkten Zugang verschaffen (Durchwahl oder persönliche Mailadresse des Bewerbungsempfängers, Fürsprecher oder Agent in der Zielfirma, die für einen eintreten kann) .
Chris: Hallo, Herr Winkler, ich habe eine schulische und zwei berufliche Ausbildungen und bin 25 Jahre. Muss ich bei Bewerbungen wirklich alle Zeugnisse hinzufügen?
Gerhard Winkler: Sie legen bei, was Ihre Behauptungen und Angaben belegt. Jobanbieter sind aus Erfahrung misstrauisch.
sunnyjogger: Hallo Herr Winkler, stimmt es, dass man sein Foto auf das Deckblatt kleben muss?
Gerhard Winkler: Oh, oh, ich bekomme Schaum vorm Mund, wenn ich das Wort Deckblatt auch nur lese. Ich knurre. Wozu Deckblätter? Unschuldige Bäume sterben für diesen Quatsch. - Foto rechts oben auf die erste Seite des Lebenslaufs montieren.
rui: Nach dem Studium der Elektrotechnik arbeite ich momentan in der Produktion. Ist diese Tätigkeit für meinen weiteren Werdegang nicht kontraproduktiv? Ist es nicht sinnvoller, als Elektriker/Techniker oder etwas Vergleichbarem (Praktikum, Masterstudium) zu arbeiten?
Gerhard Winkler: Siehe weiter oben...
Babaji: Hallo Herr Winkler, ich bin Absolvent der Wirtschaftswissenschaften, aber leider einer der Langzeitstudenten und ich habe ein paar Probleme beim Schreiben einer Bewerbung. Ich suche spezielle Literatur dazu, aber auch (vielleicht) persönliche Hilfe durch einen Besuch bei Ihnen in Berlin. Kennen Sie sich damit aus?
Gerhard Winkler: Am Samstag hab ich wieder ein Bewerbertraining. Es sind noch Plätze frei. Näheres auf jova-nova.com
totalabsage: Was würden Sie vorschlagen, sollte man am besten mit einer Fördermöglichkeit des Arbeitsamtes umgehen, wenn man eine längere Arbeitslosigkeit mit Selbstständigkeit begründen will?
Gerhard Winkler: Ich verstehe die Frage nicht. Warum versuchen Sie nicht ernsthaft, sich als Selbstständiger durchzuschlagen? Bei mir klappt das doch auch und ich bin so was von unselbständig. Freiberuflich zu arbeiten ist für Dienstleister, Techniker etc. eine echte Alternative.
buschwerker: Hallo Herr Winkler, ich habe auch Fragen, bin 46 Jahre jung, hab mich hierher verlaufen, weil ich heute die Ankündigung des Chats auf Ihrer Website gesehen hab. Bin ich mit meinen 46 Jahren willkommen???
Gerhard Winkler: Was soll ich sagen, ich bin 50 und mache dennoch hier den Mund auf.
heiko: Werden einem ein paar Monate Jobsuche ewig als Makel im CV ausgelegt, als schlechte Planung?
Gerhard Winkler: 1. Heute sind so viele länger arbeitslos. Das ist längst kein Makel mehr. 2. Nach zwei Monaten NUR-Jobsuche MÜSSEN Sie etwas finden, was Sie beschäftigt und was Sie im Lebenslauf anführen: Ehrenamtliches Engagement, freiberufliche Tätigkeit, Aushilfsjobs, Weiterbildung. Tun Sie NIEMALS NICHTS.
H1: Können Bewertungsbögen für die wichtigsten Schlüsselqualifikationen der Bewerbung beigelegt werden oder sollte es nur ein Qualifikationspass-Formular sein?
Gerhard Winkler: Müllen Sie Jobanbieter nicht mit Papier zu. Immer überlegen: Belegt das meinen Anspruch? Gibt es etwas, was noch mehr überzeugt? Ein Referenzschreiben oder die Angabe einer Person, die einen beurteilen kann ... "Frau Uta Glaubitz (030-8138311) , Ausbildungsleiterin der Kölsch AG, kennt mein Leistungs- und Lernvermögen und ist gern bereit, Ihnen ..."
totalabsage: Wie kann man einem potentiellen Arbeitgeber am besten deutlich machen, dass wenn das Bewerbungsverfahren nicht erfolgreich ist, man auch an einem Praktikum oder einer unentgeltlichen Probearbeit interessiert wäre, ohne sich selbst zu entwerten?
Gerhard Winkler: Am Ende des Anschreibens darauf verweisen, dass Sie auch an einer projektbezogenen Tätigkeit oder an einem Praktikum interessiert sind.
sunnyjogger: Ich versuch es nochmals, sollte für das Foto ein eigenes Blatt verwendet werden?
Gerhard Winkler: Wozu ein eigenes Blatt? Im ersten Drittel des Lebenslaufs stehen Ihre stärksten Argumente. Wenn da rechts oben noch Ihr lächelndes Porträt prunkt, dann wandert das entzückte Auge des Betrachters zwischen Ihren Pro-Argumenten Ihrem Strahlemann-Face. Das prägt sich nachhaltig ein. Mehr zum Bewerberporträt auf formyourself.de.
totalabsage: Hm, ich muss wohl ein paar interessantere Fragen stellen...
Gerhard Winkler: Es gibt keine dummen Fragen, aber es gibt cleveres Vermarktungsverhalten. Alles was Sie tun, sollte im Zweifelsfall nicht konventionell, sondern funktional und zielorientiert sein...
buschwerker: Hallo, Herr Winkler, ich bin seit 3 Jahren selbstständig in Marketing, Werbung, Webdesign. Ich möchte mich wieder in einem Unternehmen bewerben, da der Mittelstand fast alles selber "bastelt" und mein Einkommen sich teilweise unter Harz IV bewegt. Welche positiven Argumente in einer Bewerbung um Festanstellung sprechen dafür, Selbstständigkeit aufzugeben, wo man doch am Hungertuch nagt. Ich war davor 10 Jahre in einer Werbeagentur, bin sicher Profi auf meinem Gebiet, kann mich aber selbst schlecht verkaufen (merk ich bei der Auseinandersetzung mit dem Bewerbungs-Krimskrams). Manko, ich musste mich bisher noch nie bewerben, weil ich beruflich immer durchmarschiert bin (20 Jahre auf drei Unternehmen). Wie kann ich 2 Lücken Arbeitslosigkeit begründen (3 Monate vor einer Vollzeitweiterbildung und 4 Monate danach? Macht es für mich Sinn, Ihren Bewerbungsworkshop in Berlin zu belegen? Sehe ich da nur sehr junge Bewerber? Kann man Sie auch anrufen, die Problematik schildern und Sie beraten mich dann, mit welcher Leistung Sie mir am besten helfen können??
Gerhard Winkler: Im Training lernen Sie extrem nette und motivierte Leute jedes Alters kennen. Es ist so preisgünstig, dass es sich jeder leisten kann und es geht immer ganz gezielt auf die Teilnehmer ein. Und Sie lernen, sich ANDERS zu BEWERBEN.
Stuttgart70: Zum Thema, was sich 2006 alles ändert, hab ich unter anderem gehört, dass die Probezeit auf ein Jahr verlängert wird. Ist das korrekt?
Gerhard Winkler: Probezeiten werden individuell vereinbart bzw. unterliegen bei Ausbildungsverhältnissen übergreifenden Regelungen. Jobverhältnisse sind aber doch immer auf Zeit - und die Arbeitswelt wird noch auf sehr lange Sicht weniger sicher als vor 25 Jahren sein. Keine Angst vor Probezeit! Auch Sie gewinnen dadurch Freiheit.
Gerhard Winkler: Meine Antworten stehen immer direkt bei den Fragen - Bitte ab und zu nach oben scrollen...
AndreaH: Okay, kann man denn im Lebenslauf mit "Ö-Sprachkurs seit Ö" einen zukünftigen Arbeitgeber beeindrucken? Die wollen doch immer jemanden, der alles perfekt kann.
Gerhard Winkler: Sie sollten als Berufstätige immer die letzten 5 Jahre mit mindestens einer jährlichen Weiterbildungsaktivität belegen. Natürlich spricht ein Sprachkurs SEHR für Sie!
totalabsage: Halten Sie es für sinnvoll, aus Bewerbungszwecken einen eigenen Blog zu schreiben? Wie sollte man diesen thematisch aufbereiten, dass er interessant ist für einen Personaler? Würden Sie von branchenkritischen Themen eher abraten oder sehen Sie darin keine Schwierigkeiten?
Gerhard Winkler: Ich predige geradezu, dass man Jobanbieter nicht mit Null-Infos zumüllt. Diese Leute arbeiten in ihrem Job. Bewerber machen sehr viel Arbeit. Leider viel zu viel unnötige Arbeit. Arbeiten Sie doch den Jobanbietern zu, sie werden es Ihnen danken. Liefern Sie das, was Jobanbieter brauchen, aber legen Sie nicht noch was drauf. Bloggen ist ein korrektes Freizeitverhalten - aber wieso wollen Sie gerade Jobanbieter damit ansprechen?
rui: In vielen Stellenanzeigen wird eine Gehaltsvorstellung verlangt. Darf ich als Berufsanfänger leicht unter dem durchschnittlichen Einkommen bleiben?
Gerhard Winkler: Sie dürfen alles, wenn es gegenüber den Mitbewerbern Vorteile bringt, wenn es die Jobanbieter anspricht und überzeugt und wenn Sie nicht vor Hunger einen Zweitjob annehmen müssen.
AndreaH: Wie antwortet man gescheit auf die Frage: "Was würde Ihre Mutter/Ihr Freund über Sie sagen?"?
Gerhard Winkler: Ihre Mutter würde sagen: Hoffentlich erkennt der Herr Meier von den Meier-Werken, dass du eine Super-Fleißige bist, die keine großen Worte macht so wie die anderen, aber die immer etwas ordentlicher und zuverlässiger als die anderen arbeitet.
totalabsage: Tja, leider geht das mit der Selbstständigkeit nicht immer und in jeder Branche. Ich suche definitiv nach einer Festanstellung und möchte das Proargument der Förderung gerne mit anführen, gleichzeitig muss ich aber mit Selbstständigkeit argumentieren können. Haben sie keinen Tipp, wie man am besten damit umgehen kann?
Gerhard Winkler: Ich verstehe das mit der Förderung nicht. Bitte noch mal separat an gwinkler@jova-nova.com mailen und genauer erläutern, wer Sie wie fördert und warum man das einem Stellenanbieter nicht sagen soll Ö
H1: Was haben die Eltern im Lebenslauf zu suchen? Mit Beruf oder ganz weglassen?
Gerhard Winkler: Ab dem 16. Lebensjahr würde ich die Eltern nur noch (mit Beruf) reinbringen, wenn es ein echtes Proargument ist. Wenn man in einer sehr kleinen Kleinstadt lebt, wo man über Adresse und Eltern auf Anhieb mehr über den Background des Ausbildungssuchenden erfährt ...
AndreaH: Ich lerne Sprachen im Internet. Das ist fast kostenlos. Also nicht für den Lebenslauf nachweisbar. Oder doch?
Gerhard Winkler: Wenn das eine gute Sache ist, im Internet zu lernen, wenn es Sie weiterbringt, dann weisen Sie doch in Gottes Namen darauf hin! Personaler sind nicht Sprachschulen-gläubig Ö
totalabsage: Ich finde es hervorragend, dass Sie so einen Dienst wie jova-nova.com einfach so anbieten. Mir ist dort leider ab und an aufgefallen, dass positive Formulierungen von nicht so positiven unklar getrennt sind. Außerdem habe ich ein Problem mit der Übersichtlichkeit. Planen sie eventuell irgendwann einen Relaunch? Trotzdem vielen Dank and keep up the good work!
Gerhard Winkler: Sie legen den Finger auf eine schwärende Wunde ... heute Nacht werde ich wieder um 3 aufwachen, weil ich von Content Management Systemen geträumt habe.
Sonja: Lieber Herr Winkler, haben Sie nicht auch mal die Möglichkeit, im Ruhrgebiet Ihre Seminare anzubieten???
Gerhard Winkler: Liebe Sonja, jeder hier ahnt doch, dass Sie als Souffleuse auf meinen Februarkurs in Oberhausen anspielenÖ Es sind noch Plätze frei Ö
thomas: Sie sagen doch selbst, Bewerben sei ein Fulltimejob. Warum dann also nicht im Lebenslauf ein paar Monate Bewerben aufführen?
Gerhard Winkler: In vier Wochen haben Sie Ihre Präsentation optimiert und Sie kennen den Jobmarkt. Alles was Recht ist, aber ich habe eine viel zu protestantische Arbeitsethik, als dass ich monatelang nur nach Jobofferten surfen würde. Wenn die Not am größten ist, muss man sich auf seine eigenen Stärken besinnen oder sich neu aufbauen. Ich plädiere sehr dafür, dass man von sich aus aktiv wird Ö
buschwerker: Gute Argumente für Ihr Training, aber leider keine Antwort (Entscheidungshilfe) auf meine letzte Frage, was die persönliche Info am Telefon betrifft.
Gerhard Winkler: Ö Sie können mich buchen. Infos dazu auf jova-nova.com
Babaji_: Von diesem Bewerbertraining habe ich bereits auf Ihrer Seite "Jova-nova.com" gelesen, aber es gibt da bei mir wirklich sehr viele Cuts, für die ich mich schon ein bisschen schäme. Deswegen meide ich solche Veranstaltungen wie die Pest. Es tut mir Leid, aber ich kann über diese Unregelmäßigkeiten in meinem Lebenslauf nicht vor jungen Studenten/-innen reden. Das fällt mir sehr schwer. Deswegen hatte ich über einen persönlichen Termin bei Ihnen nachgedacht.
Gerhard Winkler: Ich arbeite nur in kleinen Gruppen und ich sorge dafür, dass ein Seminar in einer vertrauensvollen Atmosphäre stattfindet. Gerade das, was Sie nicht aussprechen mögen, kommt in einem Interview unerbittlich zur Sprache. Da ist es gut, aktiv und mit wohlwollend eingestellten Anderen an seinen Schwachpunkten zu arbeiten. Einem Selbstvermarkter ist NICHTS peinlich.
christian: Hallo, Herr Winkler, ich bin BWL-Absolvent (Uni), 29, habe nach Studienabschluss 2 Praktika gemacht (je 3 Monate), dann 9 Monate bei einer Bank gearbeitet und bin jetzt ca. 1 Jahr bei einem Finanzdienstleister tätig Ö im Moment erwäge ich einen Wechsel. Meine Fragen: Halten Sie dies für verfrüht, ich meine, sieht es schlecht aus, wenn ich schon wieder wechsele. Weitere Frage: welches Gehalt wäre in meinem Fall angemessen (man wird ja im Gespräch gefragt und sie wollen ja auch wirklich Zahlen hören).
Gerhard Winkler: Sie wollen doch weg - dann rechtfertigen Sie sich doch nicht im Vorfeld. Bereiten Sie den Wechsel diskret und klug vor. Gehalt: Sie MÜSSEN mit einer klaren Vorstellung ins Gespräch. Dazu in der Branche und im Web recherchieren! crosswater-systems.com listet alle Gehaltsspiegel!
christian: Ich möchte noch hinzufügen, dass ich zwar froh bin, nach 4 Monaten Suche meinen jetzigen Job bekommen zu haben, allerdings frustriert mich das (meiner Ansicht nach) niedrige Gehalt. Ich hatte nach einem Jahr mit einer Gehaltserhöhung gerechnet, die aber ausblieb.
Gerhard Winkler: Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Chef. Aber VERSTRICHENE ZEIT allein ist kein Grund für eine Gehaltserhöhung. Was haben Sie geleistet?
Chris: Ich habe mir sehr viel selbst beigebracht, weil ich so besser und mehr lerne als in den meisten Kursen. Wie bringe ich das am besten ernsthaft rüber, ohne unglaubwürdig oder gar überheblich zu wirken? Nachweise oder ähnliches gibt es ja immerhin keine.
Gerhard Winkler: Listen Sie auf, was Sie in selbst initiierten, kontinuierlichen Weiterbildungen alles erlernt haben. Es muss nicht zertifiziert sein, solange es glaubwürdig ist.
AndreaH: Nochmals eine Frage zum Zeugnis. Wie fordere ich ein korrektes an? Schaffe ich das ohne "offizielle" Hilfe?
Gerhard Winkler: Anrufen, anbieten, dass Sie es selbst erstellen (kostenloser Zeugnisgenerator auf jova-nova.com). FRIST SETZEN. Immer sehr höflich bleiben, aber wenn der Ex kein Zeugnis ausstellen will, hilft nur der Gang vors Arbeitsgericht.
Babaji_: Hm, ganz tief in mir drinnen weiß ich, dass Sie Recht haben, aber ich sträube mich trotzdem davor, mich zu einem Kurs bei Ihnen anzumelden. Na ja, ich werde Ihre Seminartermine weiter verfolgen. Ein bisschen enttäuscht bin ich schon, aber Ö
Gerhard Winkler: Lieber Babaji, warum gehen Sie nicht in den Kurs und entscheiden ad hoc, wie viel Sie von sich preisgeben möchten. Glauben Sie mir, alle Jobsuchende haben in ihrem Lebenslauf Phasen, über die sie ungern redenÖ
Moderator: Der Chat wird nun geschlossen, Herrn Winkler und allen Teilnehmern ein herzliches Dankeschön fürs Mitmachen und noch einen schönen Abend! Auf Wiedersehen!
Gerhard Winkler: Glück und Erfolg bei der Job- und Ausbildungssuche! Gemeinsam schlagen wir die Schema-F-Bewerber!