von Gerhard Winkler
Freu dich auf jede, auch auf die kniffligste oder gemeinste Frage. In jeder Aufforderung liegt deine Chance. Schließlich gehst du mit deiner eigenen Zielvorstellung in das Gespräch. Ganz oben steht da aber nicht: Ich will die Ausbildung. Dein Mission Statement lautet: Ich überzeug sie von mir.
Antworte nie einsilbig ja oder nein. Müll aber auch niemanden zu. Prüf jede deiner Antworten und Bemerkungen. Selbstaussagen sollen dich aufwerten und nicht abwerten. Du wirst aber auch nicht Dritte schlechtreden - weder Schule noch Lehrer, noch sonst jemanden. Antworte immer konkret. Nenne Namen, Orte, Ereignisse. Je mehr Fakten du vorlegst, desto besser.
Lohnt es sich für beide Parteien, eine Ausbildung zu vereinbaren? Dieses Thema eines Vorstellungsgesprächs ist nicht kompliziert. Also red einfach. Bring rüber, was du kannst, was du lernen willst, wer dich gefördert hat, was dir liegt und was dir am Herzen liegt. Warte nicht ab, ob die Chemie zwischen dir und dem Gesprächspartner stimmt. Mach selbst was, damit es zwischen euch funkt.
Berichte von deinem familiären Umfeld, von deinen Lernstationen, von den Menschen, die dich angeregt, gefördert, begeistert haben. Erwähne deine persönlichen Erfolge und Siege.
Gib stets an, welche Themen oder Aspekte dich an einem Fach besonders interessieren. Beschreib dein Engagement, deine Lernleistungen.
Lehrer sind wie Ausbilder vor allem Bezugspersonen, die dich fachlich und menschlich weiterbringen. Skizzier den idealen Lehrmeister.
Antworte auf keinen Fall instrumental (»ich habe mich in der A-Agentur erkundigt«). Gib an, was du an einem Beruf besonders spannend, attraktiv und cool findest.
Erwähne auch persönliche Stärken: »Ich gebe nicht gleich auf und bleibe dran, bis ich etwas kapiert oder eine Lösung gefunden habe.«
Auch wenn du im Gespräch schon tausendfach erwähnt hast, was für dich spricht: Fass es einfach noch einmal gutgelaunt zusammen.
Schließ die F4B - die Fantastischen 4 Bewerberstärken in deine Antwort ein: 1. dauerhafter Spaß am Lernen. 2. brutal starkes Durchhaltevermögen. 3. gutgelaunte Anpassungsfähigkeit. 4. ermüdungsfreier Leistungswille.
Ein guter Trick: die eigenen Vorzüge aus dem Mund Dritter preisen zu lassen: »Meine Klassenlehrerin sagt, ich bin außergewöhnlich gut informiert. Vermutlich, weil ich täglich die FAZ lese.«
Berichtenswert sind: zauberhaftes Zeugnis, noble Noten, ruhmvolles Referat, sportliche Spitzenleistungen, ehrenvolles Engagement.
Geschichten vom Scheitern bewirken nur, dass man schlecht von dir denkt. Außer, du hast seitdem sichtlich Erfolg gehabt oder zumindest daraus etwas gelernt. Die Frage nach dem größten Misserfolg oder Fehler schließt darum als Antwort ein, wie du daraus das Beste gemacht hast.
»In meiner Gegenwart darf man keine Gummibärchen offen herumstehen lassen.« – Du wolltest doch nicht etwa ein echtes persönliches Defizit enthüllen?
Mach aus einer alterstypischen, verzeihbaren Dummheit eine kurze moralische Geschichte. Hast du dir ausschließlich schockierende Dummheiten geleistet, denkt dir lieber etwas Harmloseres aus.
Keine wichtige geschäftliche Unterredung ohne Vorab-Recherche über den Gesprächspartner und sein Umfeld. Job- und Ausbildungsanbieter machen viel eher mit dir einen Deal, wenn du über sie informiert bist und an ihren Aktivitäten Anteil nimmst.
Sei froh, wenn diese Frage kommt. Sprich frei heraus, was für dich spricht. Gib deiner Antwort den richtigen Kick:
Nenn niemals Namen - die Gegenseite verrät dir ja auch nicht, wenn sie noch alles eingeladen hat. Erklär einfach: »Ich hab mich sehr gezielt und über die Region hinaus beworben, weil ich unbedingt in einem richtig starken Betrieb lernen will.«