Gesprächsregeln

von Gerhard Winkler

Folg einfach diesen Samurai-Regeln, und du kommst durch jede Aufnahme-und Prüfungsprozedur:

  • Lass niemanden daran zweifeln, dass du die Kleidungsvorschriften kennst.
  • Lass niemanden daran zweifeln, dass du dein Äußeres pflegst.
  • Lass niemanden daran zweifeln, dass du ein guter Mensch bist.
  • Lass niemanden daran zweifeln, wo du dein Schwert trägst.

Kleidungsvorschriften: Arbeitswelt ist Erwachsenenwelt. Trag Erwachsenenkleidung, dann nimmt man dich leichter auf. Spitz das Problem nicht zu, dass du gerade dann eine echte Anpassungsleistung erbringen sollst, wenn du deinen persönlichen Stil entdeckst, aber in Erwachsenenaugen gefährliche Experimente anstellst. Willst du mit Erwachsenen ins Geschäft kommen, dann befolg ihre Gebräuche. Jackett oder Blazer, Hemd oder Bluse, Stoffhose, Lederschuhe - das riecht zwar nach Uniform. Doch jeder trägt eine und deine hat den Vorteil, dass sie Ausbilder erfreut.

Gepflegtes Äußeres: Anbieter von Ausbildungsplätzen und Jobs deuten wirklich alles, was sich interpretieren lässt. Sie schauen in die Augen und auf die Finger. Sie schließen von der Frisur auf den Charakter. Sie suchen nach Zeichen von Schlafmangel. Sie fragen sich, wie wohl Kunden und Kollegen einen Anblick verkraften. Bewerber, die sich keinen Stress daraus machen, beim Vorstellen propper aufzutreten, werden sich auch nicht wegen der Arbeit stressen. Allein die Vorstellung macht schon einem Arbeitgeber Stress.

Guter Mensch: Dafür sorgen, dass die Erde ein besserer Platz wird, das kann man nur durch sein Handeln. Ein aktiver Beitrag besteht darin, anderen gegenüber Respekt und Aufmerksamkeit zu erweisen. Vielleicht ist soziale Kompetenz heute schon die größte, weil schwierigste Bewerbertugend.

Ganz pragmatisch gesehen, heuert man ungern Leute an, die Reibungsflächen zeigen. Jemanden einstellen heißt für Jobanbieter ja, die Mannschaft vergrößern. Man arbeitet täglich miteinander, für einander, dicht nebeneinander. Ungehobelte Kerle akzeptiert man da nur, wenn sie einen dicken guten Kern besitzen ¬und wenn sie sich offensichtlich leicht schleifen lassen.

Das Schwert zeigen: Einem Samurai sah man seine Kernkompetenzen von weitem an. Bewerbern bleibt nichts anderes übrig, als sie auszusprechen. Was für dich spricht, erfährt kein Personaler - außer, du machst es ihm unmissverständlich klar. Mach es dir zur Regel, in Vorstellungsgesprächen unbefangen, aber angemessen darüber zu informieren, was du alles erreicht, bewirkt, erarbeitet, gelöst und geschafft hast.

Lass doch vom Coach deines Vertrauens checken, wie du dich in einem Übungsgespräch behauptest. Interviews übt man am besten zu zweit oder zu dritt ein - am besten mit jemandem, der aus eigener Erfahrung weiß, worauf es dabei ankommt.

Die Checkliste für deinen Coach:

  • Kandidat(in) hört aufmerksam zu
  • Kandidat(in) interessiert sich für die Ausbildung - den Betrieb - die Regeln
  • Kandidat(in) versteht Anforderungen und weiß eine Antwort
  • Kandidat(in) denkt sich, fühlt sich in den Standpunkt des Ausbilders ein
  • Kandidat(in) tritt dem Anderen gegenüber unterstützend auf
  • Kandidat(in) nimmt das Anliegen und die Wünsche des Anderen auf
  • Kandidat(in) weiß Bescheid, worüber sie spricht
  • Kandidat(in) macht keine negative Selbstaussage
  • Kandidat(in) vermittelt konkrete Informationen über die eigene Eignung
  • Kandidat(in) verliert nicht den Faden
  • Kandidat(in) muss nicht erst lange überlegen
  • Kandidat(in) wählt Argumente klug aus
  • Kandidat(in) gewichtet ihre Argumente
  • Kandidat(in) ist ehrlich und offen
  • Kandidat(in) reagiert geistesgegenwärtig
  • Kandidat(in) macht sich verständlich
  • Kandidat(in) vermittelt ein rundum positives Bild von sich
  • Kandidat(in) wirkt kompetent
  • Kandidat(in) wirkt verlässlich
  • Kandidat(in) vermittelt den Eindruck von Durchhaltevermögen
  • Kandidat(in) wirkt zielstrebig und ehrgeizig
  • Kandidat(in) versteht und akzeptiert ihre Pflichten als Auszubildende.

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