Lebenslauf: ausführlich, ausformuliert und aussagefähig

von Gerhard Winkler

Was soll nur aus mir werden, fragt sich mancher Schulabgänger. „Machen Sie Ihre Karriere bei der Polizei“, heißt es auf der Web Site einer Landespolizei. Was man dort von Schichtbeginn bis Ende macht, hört sich ja auch vielversprechend an:

„Sie kommen überall dort zum Einsatz, wo es zwischen Menschen Probleme gibt. Wo Konflikte nicht in angemessener Form ausgetragen werden. Wo Sie zeitnah Entscheidungen treffen.“

Man braucht kein kriminalistisches Gespür, um auf der Web Site die vielen sachdienstlichen Hinweise über die Geschichte und den Aufbau der Landespolizei, über den gesetzlichen Rahmen und nicht zuletzt auch über die Ausbildungsinhalte zu entdecken. Ein wenig antiquiert wirkt vielleicht der Abschnitt Polizist - auch ein Beruf für Frauen. Ernsthafte Interessenten unter 165 cm Körpergröße und ohne Freischwimmer-Abzeichen sollten sich allerdings zu erst einmal die Rubrik „Was bedeutet polizeidiensttauglich“ zu Gemüte führen.

Nicht alle Organisationen und Firmen geben sich so lobenswert transparent wie diese Behörde. Möchtest Du Dich bei unseren Freunden und Helfern um eine Ausbildung bewerben, kann man aber auch voraussetzen, dass Du sämtliche Bewerberinfos auch intus hast.

Simone Dackermann kennt durch einen Freund ihrer Eltern, einem Polizeiobermeister, bereits ein wenig vom polizeilichen Alltag. Insbesondere hat sie auch schon von den weniger schönen Seiten des Berufs erfahren. Trotzdem mag sie die besondere Atmosphäre, den Mannschaftsgeist und auch die Idee, etwas Sinnvolles für die Allgemeinheit zu tun. Simone weiß auch, dass sie am besten ein Jahr vor dem gewünschten Ausbildungsbeginn ihre Bewerbung an das Personal-Auswahl-Center der Landespolizeischule einreicht.

Von ihr fordert man unter anderem einen ausführlichen Lebenslauf. Simone formuliert ihn zunächst so: Lebenslauf

Lebenslauf

Am 01.08. 199* wurde ich, Simone Dackermann, in Blaubeuren geboren. Mein Vater Stéphane (er ist französischer Staatsbürger) arbeitet als Drucker und meine Mutter Gisela ist in der Stadtverwaltung Blaubeuren als Angestellte tätig. Meine Schwester Cornelia ist 22 Jahre alt und als kaufmännische Angestellte im Betonwerk Ehingen beschäftigt. Von 199* bis 199* besuchte ich in Blaubeuren den evangelischen Kindergarten. Im Jahr 199* wechselte ich von der Grundschule an das Wilhelm-Hauff-Gymnasium. Im gleichen Jahr trat ich dem Schulchor bei. Meine Freizeit verbringe ich mit Sport treiben, mit Freunden und im Chor. 200* werde ich mein Abitur mit Erfolg ablegen.

Der Lebenslauf ist korrekt, es findet sich darin nichts Verdächtiges. Dennoch erfährt die Personalstelle der Landespolizei kaum etwas, was Simone Dackermanns Eignung hervorhebt, Ihre Motivation unterstreicht und ihre Persönlichkeit ins rechte Licht rückt.

Ein Lebenslauf soll dem Ausbilder etwas zum Anbeißen und etwas zum Kauen geben. Wer junge Leute auswählt, will sich schließlich im positiven Sinn mit ihrem Leben beschäftigen. Es lohnt sich darum für Simone, ihre Sprachkenntnisse herauszuarbeiten, ihr Engagement im Vereinssport zu unterstreichen und all das aufs Papier zu bringen, was sonst noch für sie spricht. Bewerber sollen und dürfen das Beste über sich sagen - solange das auf Fakten beruht.

Simone sagt sich also: Hier schreibe ich, ich kann auch anders und baut ihren Lebenslauf zügig weiter aus:

Mein Werdegang

Ich wurde am 01.August 199* in Blaubeuren geboren. Mein Vater Stephan Dackermann arbeitet in der Druckvorstufe bei der Donaudruck Ulm KG. Meine Mutter Gisela trägt im Einwohnermeldeamt der Stadt Blaubeuren zu einem bürgerfreundlichen Service bei. Meine um zwei Jahre ältere Schwester Cornelia ist in ihrem früheren Ausbildungsbetrieb, dem Betonwerk Ehingen, als kaufmännische Sachbearbeiterin tätig. Da mein Vater aus Frankreich stammt und wir intensive Kontakte zu unseren dortigen Verwandten pflegen, habe ich bereits als Kind Grundkenntnisse in Französisch erworben.

199* wechselte ich mit einer besonderen Empfehlung von der Grundschule an das Wilhelm-Hauff-Gymnasium in Blaubeuren. Im gleichen Jahr trat ich dem Schulchor bei, dessen Mitglied ich heute noch bin. In meinen schulischen Neigungsfächern Deutsch, Gemeinschaftskunde, Englisch und Sport erbringe ich rundum gute Leistungen

Im Juni 200* werde ich mein Abitur mit gutem Erfolg ablegen. Meine beruflich verwertbaren Qualifikationen verbessere ich seit einem Vierteljahr in einem Training für den PC-Führerschein an der Volkshochschule Ulm.

Seit 200* bin ich aktive Mannschaftsspielerin für den Frauen-Fussballclub FFC Ulm. Meine Freizeit verbringe ich mit Sport und mit Freunden.

In der Schule und im Freundeskreis gelte ich als absolut verlässlich, freundlich und als jemand, der sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen lässt. Meine Ausdauer und mein Ehrgeiz haben mir in der Schule wie in meinen sportlichen Aktivitäten bereits sehr geholfen. Nähere Auskunft über mich können Ihnen Herr Oberstudiendirektor Flemming vom Wilhelm-Hauff-Gymnasium und Frau Schwendener, erste Vorsitzende des FFC Ulm geben.

Ich kenne aus Berichten eines Freundes der Familie, Herrn Polizeiobermeister Peter Konicki, bereits ein wenig den Polizeialltag und die besonderen Arbeits- und Leistungsanforderungen. Eine Laufbahn im Polizeivollzugsdienst strebe ich an, weil Polizistin ein schon seit langem gehegter und bevorzugter Berufswunsch von mir ist. Am Polizeidienst schätze ich den festen Rahmen, die klare Aufgabenstellung und den gesellschaftlichen Einsatz. Auch mein Sinn für Gerechtigkeit, meine psychische Stabilität und meine körperliche Robustheit machen mich dafür tauglich.

Drücken wir Simone Dackermann für ihre Bewerbung die Daumen. Vielleicht erscheint ja auch ihr Porträt eines Tages als Karrierebeispiel auf einem Online-Auftritt der Polizei.

Download Lebenslauf 2

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