Ein Jahr? Das klingt zunächst nach langen zwölf Monaten, 365 Tagen weg von der Heimat, von Familie und Freunden. Doch ehe man sich versieht, liegt auch schon ein Brief im Briefkasten, der etwa drei Monate vor Antritt der Heimreise eintrudelt. Jedes Au Pair muss sich nun entscheiden, ob sie sich von dem liebgewonnenen neuem Leben schon trennen will oder ob sie doch noch ein Jahr in der neuen Heimat verbringen möchte.
Bei vielen Organisationen ist es nur möglich für ein ganzes Jahr zu verlängern. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Man muss sich nicht von Gastfamilie und Freunden trennen, sondern verbringt ein weiteres gemeinsames Jahr mit ihnen. Falls man noch keinen Studien- oder Ausbildungsplatz in Deutschland haben sollte, kann man so auch noch ein wenig Zeit überbrücken. Oftmals entschließen sich die Familien zudem das Gehalt des Au Pairs anzuheben. Das ist jedoch kein Muss, jede Familie kann das selbst entscheiden. Man hat wieder Anspruch auf zwei Wochen Urlaub und auf einen Zuschuss der Gasteltern für die vorgeschriebenen College- Kurse. Es ist keine Pflicht mehr zu den monatlichen Au Pair meetings zu gehen. Man ist trotzdem willkommen und erhält von der örtlichen Betreuerin weiterhin Unterstützung.
Für die Gastfamilie bringt es folgende Vorteile: Die Kinder sind schon an das Au Pair gewöhnt und haben so keinen Wechsel der Bezugsperson. Die Familie zahlt weniger, wenn sie das alte Au Pair behält.
Also ein klares "Ja" für die Verlängerung? Ein paar Einschränkungen gibt es. Man kann beispielsweise die USA während des zweiten Jahres nicht verlassen. Sollte man dennoch ausreisen, besteht die Gefahr, dass man danach nicht mehr ins Land hineinkommt und von dem Programm ausgeschlossen wird. Zudem muss man etwa 200 Dollar für die Verlängerung des Visums zahlen. Die Kaution, die man anfangs bezahlt hat, bekommt man jetzt erst nach Beendigung des zweiten Jahres zurück. Sollte man vorher abbrechen, ist das Geld futsch. Der Reisemonat, auf den jedes Au Pair Anspruch hat, darf erst am Ende des zweiten Jahres angetreten werden.
Nicht zu verachten ist das eigene Seelenleben! Es mag sehr schön klingen aus einem Jahr Kinderbetreuung zwei zu machen. Doch realistisch gesehen, verlässt jedes Au Pair nach gewisser Zeit die Motivation und das Heimweh tritt verstärkt auf. Viele Au Pairs verspüren auch eine Art Unterforderung und wollen in ihrem "richtigen" Leben vorankommen. Man sollte sich also viel Zeit für die Entscheidung nehmen.
Ist man dann nach einem oder zwei Jahren erstmal zuhause angekommen, ist das Entsetzen groß. Man selbst scheint sich während des Auslandsaufenthaltes stark weiterentwickelt zu haben, während sich die Lieben daheim kaum oder gar nicht verändert haben. Man scheint nicht mehr so richtig in die alte Welt zu passen und muss erst wieder einen neuen Platz im alten Leben finden. Man glaubt es kaum, selbst das kleinste Ungeheuer, das einem das Leben in den USA schwer gemacht hat, vermisst man nach einer Weile doch.