Dresscodes

von Gerhard Winkler

Du bist in dem Alter, wo es dir auf maximale Differenz ankommt. Von den Erwachsenen unterscheidest du dich sowieso. Aber du zeigst auch den vielen Uncoolen in deinem Alter, dass du zu einer ganz eigenen, elitären und unangepassten Super-Gruppe gehörst. Deine Klamotten haben Signalcharakter und ganz nebenbei drücken Sie auch dein besonderes Lebensgefühl aus.

Es mag für dich bitter sein, aber Ausbilder reagieren kaum enthusiastisch auf ein cooles Outfit. Trendkleidung lässt vielleicht Gleichaltrige alt aussehen. Sie lässt dich aber ganz sicher sehr jung aussehen.

Der Punkt ist, dass du im Beruf kaum wirklich frei bist, Ego-Statements mit deiner Kleidung abzugeben. Arbeitskleidung ist zunächst bloß zweckmäßig. Und wenn du als Auszubildender etwas mit deinem Outfit repräsentierst, dann ist es dein Rang und deine Aufgabe im Betrieb oder, sofern du Außenkontakte hast, der Betrieb selbst. Klar, denn du handelst ja gegenüber Kunden oder Geschäftspartnern immer als ein Vertreter des Unternehmens.

Na ja, und ein Vorstellungsgespräch ist immer ein etwas förmlicher Anlass, bei dem man sich als Eingeladener durchaus geehrt fühlen darf. Ist es da so schlimm, mit seinem Dress ein wenig auch dem Ausbildungsanbieter seine Reverenz zu erweisen?

Man hat was zu bieten. Man möchte was haben. Da ist es nur ein Akt der Klugheit, sich dem Dresscode zu beugen.

Zieh zum Interview also nicht die Kleidung an, in der du dich am meisten wohlfühlst.

Zieh das an, womit sich ein Ausbilder in deiner Gegenwart wohl fühlt.

Auch in der Arbeitswelt gehen viele davon aus, dass heutzutage in Sachen Kleidung alles geht. Unter der kunterbunten Oberfläche wirken die alten Kleidungsvorschriften (und Benimmregeln) aber weiter. Der Mainstream an jungen Bewerbern erscheint in einer Kombination aus Jeans, Bluse oder Shirt, Pulli, Sweater, Jacke und Turnschuhen. Nutz deine Bewerbungsaktionen doch als Gelegenheit, um das Tragen von neutraler Geschäfts- oder Gesellschaftskleidung einzuüben: Jackett oder Blazer, Stoffhose (oder Rock) und Lederhalbschuhe.

Warum eigentlich, sagst du vielleicht, wo du doch Fliesenleger im Allgäu werden willst, und kein voralpiner Fliesenleger je im Jackett herumläuft? - Du bist ja nicht nur der Hoffnungsträger im Ritzenverfugen. Mit einem gediegenen Bewerberoutfit nimmst du den Meister und das Gespräch mit ihm sichtbar und augenscheinlich ernst: Du wertest mit angemessener Kleidung nicht nur dich selbst, sondern ebenso den Gesprächspartner auf.

Außerdem weiß der Meister, wenn er dich im Jackett sieht, dass er dich im dritten Lehrjahr auf den Innungsball in Kempten/Allgäu mitnehmen kann, ohne dass er sich für dich schämen muss.

Ob das, was du trägst, zu einem erfolgreichen Auftritt und später zu deinem beruflichen Erfolg beiträgt, kannst du ganz einfach abschätzen: Hast du das an, was die Vertreter deines angestrebten Berufs, was anständige Handwerker, ehrbare Kaufleute, seriöse Dienstleister selber in etwas förmlicheren Situationen anziehen? Dann fällst du keineswegs unangenehm auf.

Sollten deine lieben Eltern dich bis heute nicht passend eingekleidet haben, dann leg ihnen doch deine Liste vor:

Bewerberoutfit: männlich (auch gut genug für die meisten sozialen Anlässe)
Stoffhose oder gebügelte, nicht abgewetzte oder ausgeblichene Jeans/Baumwoll-/Leinenhose. Bevorzugt schwarz, grau, braun, natur. Plus einfarbiges oder dezent gestreiftes Hemd. Möglichst mit Jackett. Für Büro-Berufe: mit Krawatte. Lederhalbschuhe.

Bewerberoutfit: weiblich (auch gut genug für viele gesellschaftliche Events)
Nicht zu eng geschnittene Hose plus Bluse bzw. nicht zu kurzer Rock plus Bluse. Optimal mit Jackett/Blazer. Flache oder halbhohe Lederschuhe. Kein auffälliger Schmuck. Zurückhaltend geschminkt.

Nimm noch diese Empfehlung mit zum Kleidereinkauf: Nette Bewerber sind neutral und immer eine Spur besser als im Alltag gekleidet. Ihre Kleidung berücksichtigt die Wichtigkeit des geschäftlichen Anlasses.

Und achte darauf, dass das, was du trägst, dich nicht beim Arbeiten hindert oder gefährdet.