Ein Job weiter

von Gerhard Winkler

Leistungsstarke Rasenmäher dröhnen weit über Vorgärten. Leistungsstarke Auszubildende dröhnen nicht über’s Betriebsgelände. Ihre Leistung erbringen sie eher im Stillen; aber es schadet auch nichts, wenn ein Chef den Azubi fröhlich schnurren hört.

Befragungen in Betrieben ergeben, dass Ausbilder weit mehr auf das achten, was junge Mitarbeiter an täglicher Leistung draufhaben, als auf das, was sie an Begabung, Talent oder guten schulischen Voraussetzungen mitbringen. Tatsächlich besitzen auffallend tüchtige Auszubildende sehr oft kein Abitur. Und - Schande über die Jungs - es handelt sich bei den echten Bringern sehr, sehr oft um weibliche Auszubildende. Besonders gelobt werden auch nicht die geistigen Riesen oder die originellen Köpfe. Man muss kein intellektueller Leuchtstern sein, um in einer Firma zu glänzen. Man braucht auch keinesfalls alles besser wissen.

Um es ganz ehrlich zu sagen: Ideale Auszubildende zeigen bereits haargenau die selben Qualitäten wie die Top-Mitarbeiter. Die Erwartungen unterscheiden sich da kaum.

In einem Betrieb fällt ein Auszubildender wie ein Mitarbeiter zu allererst durch seine überdurchschnittliche Leistungsmotivation und durch seine positive Einstellung zur Arbeit auf. Und genau das, was bei den überdurchschnittlich Leistungsfähigen besonders gelobt wird, wird bei den Mitarbeitern, die eben nicht so gut ankommen, auch am meisten vermisst: das Interesse.

Da hilft nur rangehen, anpacken und sich reinknien. Liebe zum Job und nicht nachlassendes Bemühen, den Job gut zu machen. Ausdauer und Belastbarkeit. Die Fähigkeit, etwas einzustecken. Damit überzeugt man seine Ausbilder.

Wenn man sich in seiner eigenen Erfahrungswelt ein wenig umschaut, fällt einem das schnell selbst auf. Ein toller Schulabschluss, offensichtliche Begabung, erste Erfolge in Sport und Spiel: Das trägt einen in einem Betrieb bloß bis über die Eingangstür. Für die nächsten Monate braucht man mehr: Eine nicht nachlassende fachliche Neugier. Eine Motivation, die sich täglich neu auffrischt. Die Fähigkeit, mitzudenken und voraus zu denken. Begriffschnelligkeit statt der weit verbreiteten Begriffsstutzigkeit. Sicherheit in der selbständigen Beschaffung und Auswertung von Informationen. Geistesgegenwart und die Fähigkeit, sich rasch auf neue Situationen umzustellen. Die Kunst, seinen Platz in der in Gruppe zu finden.

Ein paar Tricks:

Frag nach, bevor du ins Blaue herumdokterst.
Halt Zeitvorgaben ein.
Mach nichts halbherzig.
Lass deine Leistung von Erfahrenen begutachten.
Bedank dich immer für den Rat, den man dir gibt.
Schieb nichts auf andere.
Sei stets nach außen hin gut drauf.

Auf seine bewährten und starken Mitarbeiter will man sich unter allen Umständen verlassen können. Man erwartet von ihnen, dass sie sich mit dem Betrieb identifizieren und das Wohl des Unternehmens an erste Stelle setzen. Auch von den Auszubildenden verlangt man Eigenverantwortlichkeit. Man will gar nicht so sehr die alles überragende Gipfelleistung herauskitzeln. Worauf es ankommt, ist eine durchweg verlässliche, gleichmäßig auf alle Arbeitsbereiche verteilte Dauerleistung.

Ausbildungsbetriebe lassen gute Auszubildende ungern gehen. Wenn man sie aus betrieblichen Gründen nicht weiterbeschäftigen kann, dann gibt man ihnen wenigstens die bestmöglichen Leistungsbestätigungen mit.

Damit du nach der Ausbildung Karriere machst, zeigst du schon in der Ausbildung Karriereverhalten. So einfach ist das.