Kriegst du leicht die Krise?

von Gerhard Winkler

Freu dich. Eine betriebliche Ausbildung ist immer auch ein prima Übungsfeld für Stressmanagement und Krisenbewältigung. Du kommst mit wenigen Regeln aus: Mach die ersten Dinge zuerst. Sortier als erstes die Prioritäten. Arbeite eine Aufgabe nach der anderen ab. Verlier nicht den Kopf. Auch, wenn es dir bisweilen so vorkommt: Kein Mensch verlangt, dass du alles gleichzeitig schaffst.

Manchmal ist die Krise plötzlich da. Man denkt:

Keiner kümmert sich darum, ob ich etwas lerne. Eigentlich bin ich hier überflüssig.

Die halten mich hier bis tief in die Nacht fest. Für mich gelten anscheinend Spezial-Ausbeutungsregeln.

Ich hätte diese Ausbildung niemals anfangen sollen. Sorry, aber ich bin hier die falsche Person.

Der Anfang von Krisen liegt meist lange vor ihrem Ausbruch. Erspür den Ärger, noch bevor er dir um die Ohren fliegt. Trainier dazu dein Bauchgefühl. Sensibilisier deinen Instinkt. Erfolgreiches Krisenmanagement beruht auf Instinkt, auf Erfahrung und auf kühlem Nachdenken. Hör auf deine innere Stimme. Nimm dir Zeit zum Nachdenken. Frag verlässliche Dritte nach ihrer Erfahrung und profitier davon.

Lass dein Handeln im konfliktträchtigen beruflichen Alltag von Regeln leiten:

  • Zettel von dir aus keinen Konflikt an. Du hast genug zu tun, deine regulären Aufgaben zu lösen.
  • Geh in keine Auseinandersetzung ohne konkrete Vorstellung, was du mit deinem Handeln erreichen willst.
  • Misch dich in keinen innerbetrieblichen Streit ein. Ganz besonders nicht, wenn für dich nichts drin ist.
  • Werde nicht persönlich. Nimm nichts so leicht persönlich. Wehr es aber entschieden ab, falls man dich im Arbeitsumfeld fortgesetzt persönlich attackiert.
  • Lad persönliches Versagen nicht auf Andere oder auf widrige Umstände ab.
  • Falls du gerade bis zum Hals im Schlamassel steckst: Prüf alle Optionen, wie du heil wieder rauskommst.

Falls dich ernste Sorgen plagen:

  • Lies deinen Vertrag. Versäumt der Ausbilder seine Pflichten? Erfüllt er vertraglich definierte Zusagen nicht ausreichend, gar nicht oder nicht fristgerecht?
  • Sammle Belege. Notier Vorfälle schriftlich. Schreib auf, was wann wo passiert ist und führ vor allem auch an, wer alles dabei gewesen ist.
  • Frag einen Anwalt oder einen Betriebsrat. Juristisch geschulte Menschen sagen dir, wie man andere dazu bringt, Verträge zu erfüllen oder wie man selbst aus Verträgen rauskommt.
  • Mach Ärger nicht mit dir allein aus. Vertrau dich Leuten an, die wissen, wie man Konflikte löst.
  • Informier deine Eltern. Warte nicht damit, bis die Katastrophe da ist.
  • Sprich mit deinen Ausbildern und gegebenenfalls mit der Geschäftsführung oder Personalleitung. Wähl dazu die passende Gelegenheit. Schreib vorher auf, was du mitteilen und was du erreichen willst.
  • Sicher deinen nächsten Schritt ab. Umsteigen ist besser als aussteigen. Wäg ab, ob es sich nicht doch auf lange Sicht für dich auszahlt, eine Ausbildung abzuschließen.

Grenz als erstes dein Problem genau ein. Informier neutrale, wohlwollende und kompetente Dritte über deine Sicht der Dinge. Lass Rat auf dich wirken. Verständige deinen Ausbildungsbetrieb und gib ihm die Chance, Missstände abzustellen.

Am besten, du betreibst vom ersten Arbeitstag an aktive Konfliktentschärfung:

  • Sei 100% verlässlich. Arbeite Aufträge fristgemäß ab. Liefere gleichmäßig gute Ergebnisse.
  • Sei präsent. Denk mit, denk voraus, frag nach, bring dich ein. Signalisier, dass du kapiert hast, in welche Richtung dein Team den Ball treibt. Und wo der Meister den Ball sehen will.
  • Halt dich raus. Unter erwachsenen Berufstätigen findest du überall ewige Kinder, schlimme Intriganten und sozial herausgeforderte Personen. Schließ mit diesen Leuten noch nicht einmal zeitweilige Bündnisse. Bezieh jedoch Stellung, greif immer dann mutig ein, wenn du Zeuge von Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Betrieb wirst.
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