von Gehard Winkler
Bei uns schützt man Kinder zu Recht vor Kinderarbeit, doch es wäre kindisch und kurzsichtig, auch die Jugend von der Arbeit fernzuhalten. Falls Du unter 15 Jahren bist, darf ein Arbeitgeber Dich bereits im Rahmen eines betrieblichen und in der Regel unbezahlten Schnupperpraktikums beschäftigen. Richter können auch Kids unter 15 zu einer arbeitstherapeutischen Maßnahme vergattern. Nach Deinem 15. Geburtstag steht es Dir frei, Dich praktisch zu betätigen und allein durch die Leistung Deines Kopfs und Deiner Hände zu Wohlstand und Ansehen zu kommen – nun ja, falls Dir die für Ferienjobs maximal erlaubten vier Wochen im Jahr ausreichen. Egal, wo Du in Deiner inneren und äußeren Entwicklung stehst: Dein Weg führt Dich mitten in die pralle Arbeitswelt und falls er es nicht tut, dann handelst Du Dir irgendwann massive Survival- und Selbstwertprobleme ein.
Freu Dich drauf: Dir steht im Leben noch jede Menge an Arbeitserfahrung bevor. Falls Du Karriere machst, wird diese Arbeit immer anspruchsvoller werden. In Deinem Alter ist jeder Job gut für Dich. Du lernst auch was beim Prospektverteilen, aber Schnupperpraktika in Betrieben sind deshalb so wertvoll, weil Du mit erwachsenen Berufstätigen kooperierst.
Gib natürlich der Schule, was der Schule ist. Nichts, womit Du Dich beschäftigst, darf Deinen guten Notenschnitt gefährden. Geh aber auch nach der Schule los und such Dir Leute, die Dich im positiven Sinn beschäftigen. Achte darauf, dass Deine Leistung auch honoriert wird. In den schulischen Lehrplan integrierte Praktika bringen Dir zwar kein Geld ein, dafür aber eine Ausweitung Deines Erfahrungshorizonts, ein nützliches Zeugnis und womöglich gute Kontakte. Warte nicht ab, bis Dich Dein Lehrer an einem heiteren Montagmorgen mit den Worten „Und jetzt zum Thema Betriebspraktikum“ überrascht.
Jedes Küken braucht ein bisschen Mut und einen Ast, von dem aus es probestarten kann. Mut hast Du, ein Praktikum brauchst Du. In Deinem Nest reicht der Blick nur bis zum Nestrand. Also raus auf den Ast! Schwirr ab und teste:
Die meisten, die es Dir vorgemacht haben, berichten davon, wie wertvoll auf einmal das bisschen Geld wird, das einem ein freundlicher Praktikumsanbieter zugesteckt hat und für das man Stunde um Stunde malocht hat.
Praktika sind Testrunden für die betriebliche Ausbildung. Oder sie dienen als Fleißpunkte für Bewerbungen um einen Studienplatz oder für spätere Studi-Jobs. Aus bewerbungsstrategischer Sicht gilt: Zwei Praktika in der Schulzeit sind besser als eins und zwei nachgewiesene Praktika plus ein Ferienjob machen den Bewerber fast schon unwiderstehlich.
Es ist viel leichter, Leute dazu zu bringen, dass sie etwas für einen tun, wenn andere Leute das schon für einen getan haben und gut damit gefahren sind. Ausbilder räumen Dir um so leichter einen Platz ein, je mehr andere Ausbilder Dir schon Praktikumsplätze zugebilligt haben. Klar, denn der Erfolg kommt immer am leichtesten zu denen, die schon Erfolg hatten. Darum bringst Du Dich so früh es geht auf Erfolgskurs.
Natürlich reicht es aus, sich erst dann um ein Praktikum zu kümmern, wenn die ganze Klasse loslegt und insgesamt nicht mehr zu tun, als die Vorschläge bemühter Erwachsener abzunicken. Von hundert Leuten, die diese Seite lesen, zurrt einer sein Praktikum fest, noch bevor sein Lehrer das Thema überhaupt anschneidet. Diese Person wird auch später die Mitbewerber immer schlagen. Wie früh wirst Du aktiv?
Ein Praktikum absolviert man nicht beim Betrieb um die Ecke, nur weil das so praktisch ist. Du kannst immerhin zwei Wochen lang einen anderen Ausschnitt der Welt sehen, auch wenn es die Arbeitswelt ist. Geh im Web nach Praktikumsplätzen shoppen. Gib in Google ein: Praktikumsplatz in Sachsen oder Schülerpraktikum Sachsen und folge den Links.
Du bist auch während eines Praktikums in den Schulferien über die schulische Unfallversicherung abgesichert – selbst wenn Du Arbeiten erledigst, die man Dir von Rechts wegen nicht hätte geben dürfen. Falls Du vorsätzlich während des Praktikums etwas anstellst (wir möchten hier nicht ausmalen, was) wird sich der Betrieb an Deine Erziehungsberechtigten halten. Klär mit ihnen vorsorglich ab, ob eine private Haftpflicht vorhanden ist.
Der Lohn für Dein konstantes, verlässliches und eifriges Bemühen in einem Schülerpraktikum ist keine klingende Münze, sondern ein aussagefähiger und detaillierter Nachweis. Besteh auf ein Zeugnis, das alle Deine Tätigkeiten auflistet und Deine Befähigung, Deine Arbeitsfreude und Dein Sozialverhalten würdigt.
Das lehrplanmäßig vorgeschriebene betriebliche Kurzpraktikum ist die Chance für viele Deiner Mitschüler, die sonst bis zum Schulende weder direkt noch indirekt mit der Arbeitswelt und ihren Anforderungen konfrontiert sind. Du liest gerade diesen Tipp und das unterscheidet Dich schon mal von Deinen Altersgenossen, die sich auch zum Praktikum am liebsten tragen lassen. Handle praktisch. Zeig Deinen Mut. Such Dir ein Praktikum, das Deinen Kopf und Dein Können wirklich fordert.