von Gerhard Winkler
Was sind die entscheidenden Überlebenshelfer im Beruf? Kommt ganz darauf an, wen man fragt. Genannt werden: Fleiß, Tüchtigkeit, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit. Wenn man nicht mehr als das bringt, dann ist das schon eine ganze Menge und man kommt gut durchs Leben. Womöglich geht man aber die ganze Zeit über zu Fuß. Die Wirtschaft knallt einem Fremdwörter um’s Ohr: Flexibilität, Engagement, Mobilität, Motivation. Doch so sehr man sich auch anpasst, man läuft zu oft dem Markt hinterher. Englisch sprechen, Deutsch schreiben, mit mehr als zwei Fingern tippen. Web, Word und E-Mail nutzen - das sind universell verwendbare und immer nützliche Karrierehelfer.
Wahre Karriere-Macher im Beruf sind sicher jene Stärken, die man in allen Lebenslagen gut braucht:
Findigkeit - Lösungen pragmatisch und auf unkonventionelle Weise suchen Routine - den täglichen Arbeitsanfall und Unvorhergesehenes gelassen überstehen Einfallsreichtum - nicht bloß nachahmen und wiederholen, was andere tun Initiative – bereits handeln, wenn andere noch gar nicht richtig kapieren, dass ein Handlungsbedarf besteht.
Und die besten Überlebenshelfer sind natürlich freundliche Menschen. Hoffen wir nur, dass die netten Kollegen selbst etwas von der Sache verstehen, sich in die Situation hineindenken, nicht ihr eigenes Spiel treiben und weder kleinlaut reden noch kleinlich denken. Raunt ein älterer Kollege von den hohen Herren da oben, dann ist ihm nicht zu helfen. Vergiss nie: Zwischen dir und denen da oben sind keine unüberwindlich hohen Mauern. Da ist weder ein tiefer Graben noch ein luftleerer Raum.
Einige Goldene Regeln, damit du nicht nur überlebst, sondern selbst leichter nach oben kommst:
1 – Definier dich nicht über deinen Weg, sondern über dein Ziel.
Auf die Frage, was Du bist oder tust, antworte nie: Ich bin noch in der Ausbildung. Sag stets: Ich bin angehender Schlosser. Ersetze Schlosser durch eine einzige, auf dich passende Berufsbezeichnung. Solltest du jemals arbeitslos sein, dann bist du nicht stellensuchend, sondern Schlosser. Falls du irgendwann im Leben daran zweifelst, was Du bist oder falls du zwischendurch alles mögliche jobbst, antworte provisorisch: Ich bin Schlosser.
Grund: Der erste Mensch, den du von dir zu überzeugen hast, bist immer du selbst. Die Leute haben außerdem kein Interesse an deinen Zweifeln, Skrupeln, Selbstfindungsproblemen.
2 – Konzentrier dich auf den Job.
Wo immer man neu dazu kommt – man kann gar nicht anders, als sich umgehend Freunde, Förderer und Gleichgesinnte zu suchen. Der erste und wichtigste Gedanke vieler Menschen lautet in dieser Situation: Was soll ich nur tun, um dazu zu gehören und nicht allein in der Ecke zu stehen? Die Mitarbeiter verstärken das oft, indem sie verkünden, dass die Mannschaft und der gute Zusammenhalt das Wichtigste ist. Das Entscheidende ist aber ausnahmslos der Job. Erledige deine Arbeit und sei dabei freundlich, aufmerksam und zuvorkommend. Dann kommen Anerkennung und Freundschaft ganz von allein auf dich zu.
3 – Mach dir die Firmenziele zu eigen.
In Ausbildung und Beruf triffst du auf Leute, die sich nicht darum kümmern, wie es dem Unternehmen geht. Manche Kollegen wären höchst überrascht zu erfahren, dass man sie angeheuert hat, um ihre Firma beim Erreichen geschäftlicher Ziele zu unterstützen. Diese Leute erklären ihr Desinteresse damit, dass sie unter Stress stehen oder ausgebrannt sind und von den Herren da oben menschlich schwer enttäuscht. Im alten Rom hat diese Sorte Kollegen erklärt, die ständige Gefahr von Germanenüberfällen macht sie mutlos und krank. Als Auszubildender oder junger Mitarbeiter kannst du entweder Freude am Job finden oder dich mit den Aussitzern verbünden.
4 – Gehe nie in ein Konfliktgespräch ohne ein realistisches Gesprächsziel.
Bestimme vorab dieses Ziel. Du kannst es als Auszubildender nur gemeinsam mit deinem Gesprächspartner erreichen. Überleg deshalb gut, auf welchem Weg ihr beide gut ankommt. Das ist vor allem dann wichtig, wenn du eigentlich das gute Gefühl hast, absolut im Recht zu sein und wenn du das der Gegenpartei obendrein noch deutlich zeigen willst. Folgst du blind deinem Feeling, dann landest du ohne Zwischenstopp in Teufels Küche. Mal dir also nicht vorab deinen Triumph aus, sondern such besser nach einer Lösung, die für alle Parteien akzeptabel ist.
5 – Produzier Erfolgstories.
Die Marktschreier propagieren, dass man seine eigene Größe und seine Leistungen unaufhörlich herausposaunen soll. Verwechsle nicht Marketing mit Werbung. Strick stattdessen aus Dein Erfolgen (und sogar aus Dein kleinen Missgeschicken) kurze Storys und bring sie in Umlauf. Jede Kultur fährt auf gute Geschichten ab. Selbst und vor allem eine Firmenkultur.
6 – Mess deine Wirkung.
Stell dir Deinen Arbeitstag einmal als Doku-Drama vor. Du kannst nur an deiner eigenen Stimme sowie am Handeln und Sprechen der anderen herausfinden, ob du überhaupt auf der Szene stehst. Schauen und hör dir diese imaginären Filmszenen an. Wie nimmt man dich wahr? Bringst du dich zu Gehör? Bemerkt man überhaupt etwas von dir? Geht man auf dich ein? Wirst du häufig von anderen angespielt? Ein gutes Selbstmarketing beginnt, indem man dort präsent ist und dort wirkungsvoll handelt, wo man sich gerade aufhält.
7 – Lege dein Handeln vertrauensbildend aus.
Alle Verkäufer in der Online-Plattform für Auktionen werden von den Leuten bewertet, die ihnen etwas abkaufen. Je mehr gute Bewertungen, desto höher die allgemeine Wertschätzung. Hab auch du keine Angst vor Bewertungsverfahren. Fisch eher nach Komplimenten und hör dir zugleich unverdrossen Kritik an. Lass dich kräftig loben und behutsam kritisieren. (Und spar selber nicht an Lob, aber an kritischen Worten.)
10 – Vergiss, dass du verzichtest.
Leute, die sich voll auf den Job konzentrieren, verzichten auf vieles. Auf Freizeit, auf Konsumgelegenheiten, auf Events und oft auf Abend- und Weekend-Aktivitäten. Die Freunde und manchmal auch die Familie sehen oft nicht ein, dass du wegen deines Berufs oder deines Ausbilders auf Freizeit und Fun verzichtest. In so einer Zwickmühle zwischen Jobanforderungen und Privatleben darfst du nicht verzweifeln. Auch ein paar außergewöhnlich harte Arbeitswochen gehen zu Ende. Und am Ende sind die Freunde immer noch für dich da und ebenso die Familie.
In deinem Leben werden sich viele Gesichter und Orte um dich herum ändern. Es werden sich sehr oft auch deine beruflichen Aktivitäten verschieben. Was sich nicht ändern wird, ist die Arbeit. Eine der wichtigsten Aufgaben in deiner Altersklasse ist, die Arbeit zu finden, die man von Herzen gern tut und sie so zu erlernen, dass du von Tag zu Tag Freude daran hast. Du wirst nie einen Menschen für seine Arbeit bewundern, wenn er seinen Job nicht gern macht. Du wirst selbst nie im Leben hundertprozentig glücklich werden, wenn du deinen eigenen Job nicht gern und gut besorgst.