Mehr Drive für Deine Karriere

Von Gerhard Winkler

Startschuss

Distanz überbrücken ist das erste Ziel auf dem Golfplatz. Nahe genug rankommen ist Dein oberstes Gebot beim Bewerben. Beim Golfen nimmt man für den Annäherungsschlag den Driver. Beim Bewerben greifst Du dazu erst einmal auf Deine konkreten Arbeits- und Lernleistungen zurück.

Das bringt Dich so nahe an den Jobanbieter, dass er auch Deine weiteren Angaben zur Person wahrnehmen kann. Und da wirken vor allem Erfahrung in der Arbeitswirklichkeit, freiwillige Lernanstrengungen und privates Engagement.

Die gute Nachricht für alle, die im Privatleben aktiv dazu beitragen, dass die Welt ein besserer Platz wird: Dein individuelles oder in Institutionen eingebettetes Engagement ist durchaus segensreich für die eigene Karriere.

Wir wissen, dass es nie ausreicht, das Gute nur zu tun. Der kluge Jobkandidat notiert sein Engagement auch im Lebenslauf und spricht darüber im Vorstellungsgespräch.

Dein Lebenslauf ist schließlich eine Leistungsübersicht. Wenn Du darin Einsätze verzeichnest, die Deine Persönlichkeit und Deinen Charakter bilden, Deinen Horizont erweitern und Deine Talente und persönlichen Stärken belegen, dann nutzt Dein aktives Handeln auch Deiner Karriere.

Schön und gut, wirst Du jetzt antworten. Dann werde ich wohl mein nächstes Praktikum nach Lambarene ins Urwaldhospital verlegen.

So weit wird man selten gehen, aber es gibt durchaus eine goldene Regel für alle beeindruckenden Tätigkeiten, ganz gleich ob ausbildungsbegleitender Job, gemeinnütziges Engagement, Sport oder sonstige Gruppenaktivitäten. Sie lautet: Bring mehr als der Durchschnitt. Studieren heißt, sich neuen Erfahrungen aussetzen.

Sich exponieren und engagieren heißt die Devise

Dabei gilt aber: Grenze Dich nicht selbst aus. Dein Engagement in einer Gruppe, deren Ziele und Aktivitäten polarisieren, ist nicht nur in der Wirtschaft schlecht vermarktbar.

Jedes musische, künstlerische, sportliche, politische, soziale Engagement ist ein Pluspunkt in Lebenslauf und Jobverhandlung. Die Ziele Deiner Organisation dürfen den Zielen des Jobanbieters jedoch nicht zuwider laufen. Sofern Du Dich in der Industrie bewirbst, wirst Du Dich im Jobinterview besser nicht als Life-Science-Gegner, Weltwirtschaftsverächter, Umverteiler oder Technikkritiker outen.

Sollte man nicht auch sein ehrenwertes parteipolitisches Engagement erwähnen? – Selbst wenn es Dich in den öffentlichen Dienst oder in Non-Profit-Organisationen zieht: Man fixiert das in der Regel nicht schriftlich. Solche Mitgliedschaften sind weniger dafür da, dass man sie thematisiert, als dass man sich der Mitglieder bedient oder versichert.

Gefährlich wird’s bei Hobbys und Freizeitverhalten. Spare Dir doch das Thema Zeitvertreib fürs Jobinterview. Halte zumindest im schriftlichen Auftritt einen Kern an Privatem und Persönlichem bedeckt. Apropos Hobby: Kannst Du Dir Deines eigentlich finanziell, zeitlich, kräftemäßig leisten? Die Greenfee in Pankow kostet 36 Euro – da kommt man praktisch nur als Caddie auf den Kurs, auch wenn man die Kosten von seinem Sport- ins Karriere-Budget verschiebt. Wie viel Einsatzfreude bleibt Dir als engagierter Sportsfreund noch für den Job? Leidet Deine Familie darunter? Riskierst Du nicht ein bisschen zuviel? – Du merkst, sportliches Engagement ist immer ambivalent.

Gewichte Dein privates Tun sorgsam im Lebenslauf. Leute unter Zwanzig punkten sicher damit. Vielfach engagierte, sich für einen guten Zweck aufopfernde Berufstätige provozieren oft Misstrauen. Auch Arbeitgeber fürchten, missioniert zu werden. Zeige Jobanbietern, dass Du ein Leistungsbringer und ein guter Mensch bist – in dieser Reihenfolge.

Mach Dir die Finger schmutzig

Fürchte Dich nicht vor den sogenannten niederen Arbeiten. High Potentials können nur punkten, wenn sie auch in die Niederungen der betrieblichen Wirklichkeit abgestiegen sind. Auch wenn Du später nur Akademiker führst: Im Umgang mit ungelernten Kollegen und ungehobelten Chefs kann man nur lernen.

Richtig gute Leute leisten sich während ihrer Ausbildung auch einen richtig bescheidenen Job. Vier Wochen konstantes Durchhaltevermögen auf dem Niveau von George Orwells Down and out in Handel, Dienstleistung oder Produktion, und Du beweist ohne viel Worte, wie sehr Du belastbar, nervenstark und tough bist.

Sicher ist es von Vorteil, sich auch für kurze Jobs oder Praktika einen Nachweis ausstellen zu lassen – aber bitte die Tätigkeiten nicht künstlich aufblasen. Tu nicht so, als wärst Du Führungskraft für einen Monat gewesen. Notiere auch für einen Nebenjob die Position so genau wie möglich. „Studentische Nebentätigkeit“ ist Selbstabwertung, „Aushilfe“ ein Allerweltswort. „Büro-Aushilfe“ kommt der Sache schon näher. Mit „Verwaltungsmitarbeiterin“ wertest Du auch einen Zeitjob auf.

Diese ausbildungsbegleitenden Jobs und Praktika nimmst Du natürlich nach der ersten oder zweiten Jobstation wieder aus dem Lebenslauf. Die ersten berufspraktischen Einsätze im Leben tragen einem Joberfahrenen zur aktuellen Kompetenz nichts mehr bei. Außerdem darf ein Lebenslauf ja nicht über zwei, maximal drei Seiten hinaus wachsen, um nicht zur Zumutung zu werden.

Setze Dich weiteren Lernerfahrungen aus

Nimm auch im Studium alles mit, was man sonst noch lernen kann: Zusatzveranstaltungen, Seminare von Fördergesellschaften und Vereinigungen, Studienreisen und Workcamps.

Lass während Studium und Beruf kein Jahr vergehen, in dem Du nichts nebenbei gelernt hast. Das Schlimmste, was Dir in Deiner beruflichen Existenz je passieren kann, ist nicht die Arbeitslosigkeit, sondern eine vollständige Entwöhnung vom Lernen. Zu jedem Zeitpunkt Deiner beruflichen Laufbahn solltest Du angeben können, dass Du an Dir arbeitest und Deine Kompetenz in Sprachen, EDV, Management, Kommunikation, Präsentation, Arbeitstechniken oder Fachgebieten erweiterst. Ein Kurs, ein Training, das länger als fünf Jahre zurückliegt, hat allerdings im aktuellen Lebenslauf nichts mehr zu suchen. Wissen veraltet und totes Wissen lässt einen ganz schnell alt aussehen.

Doch gerade jetzt platzt Du fast vor aktuellem, beruflich umsetzbarem Wissen. Steig frisch und kraftvoll in die beruflichen Selbstvermarktung ein! Viel Glück und den besten Erfolg!

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