Von Gerhard Winkler
Dipl.-Oec. Manuela D. hat noch im Studium eine GbR eintragen lassen und Existenzgründer beraten. Auch Diplom-Kaufmann Daniel D. betrieb zu Studienzeiten ein 1-Mann-Consulting-Büro. Marco B. hat dagegen als Student der B.A. Economics einen Lkw-Verleih an seinem ostdeutschen Heimatort aufgezogen.
Studierende aller Fächer suchen nebenbei Arbeit. Diese drei suchten etwas mehr: mehr Erfolg, mehr Verdienst, mehr Unabhängigkeit, mehr Renommee. Eine Gewerbe zu gründen, sich in einem freien Beruf zu versuchen, als selbständiger Dienstleister den Markt zu testen: Jeder erkennt an, dass dies eine spezielle Mischung aus umsichtiger Planung und unbekümmertem LetÂ’s do it verlangt. Was ihre Kommilitonen nicht sehen wollen oder können, erkennen junge Geschäftsgründer: geschäftliche Gelegenheiten. Sie sind von sich selbst überzeugt und von dem, was sie bieten. Sie haben das Selbstvertrauen, Auftraggeber zufrieden zu stellen oder Kunden gut zu bedienen.
So hat jemand Porsche 912 aus den USA eingeführt und an Oldtimer-Fans verscherbelt. Damit hat er seine Studierkasse aufgefüllt, sein Händlergeschick bewiesen, seinen Entrepreneurgeist gezeigt. Jetzt liefert er als Absolvent, sobald er sein Neben-Geschäft aufgibt und sich auf den Karriereweg durch die Organisationen begibt, allemal eine spannende Bewerber-Story.
Es ist ja kein Eingeständnis einer Niederlage, wenn Du mit dem Ende des Studiums Deine bisherigen geschäftlichen Aktivitäten einstellst. Mit Sportflitzern zu dealen war spaßig, aber schließlich hast Du Medizin studiert oder Internationales Marketing oder Biochemie und Dein Beruf soll jetzt Deinen ganzen Kopf, Dein ganzes Können in Anspruch nehmen und Dir einen größeren Handlungsrahmen sowie bessere Entwicklungsmöglichkeiten ermöglichen. Selbst wenn Du als selbständiger Programmierer, als freiberuflicher Dozent oder Berater eigentlich ganz gut im Geschäft bist, wirst Du nach dem Studium einen Schnitt machen und dort anfangen wollen, wo Du in Teams eingebettet wirst, wo man Dich lernen und wachsen lässt, wo Du Dich nicht um alles persönlich zu kümmern hast, wo das geschäftliche Risiko einen nicht mit voller Wucht erreicht.
In den meisten Fällen versteht sich der Wunsch nach einem Einstieg in eine Organisation von selbst. Selbst wenn Du Dich nolens volens nach dem Studienabschluss wegen eines schlechten Jobmarkts oder wegen Deiner guten Auftragslage weiter selbst beschäftigt hast, brauchst Du Dir nicht für einen gut klingenden Bewerbungsgrund den Kopf zerbrechen. Je stärker ein Bewerber, desto weniger fragt man nach, warum er sich bewirbt. Konzentriere Dich immer darauf zu beschreiben, was Deine bisherigen Leistungen ausmachen.
Es ist gut, dass Du Dich während des Studiums selbst Arbeit gemacht und nicht nur Studi-Jobs angenommen hast. Jetzt, beim beruflichen Einstieg lässt Du Deine Macherqualitäten im hellsten Licht erstrahlen.
Deine aktuelle Aufgabe als Bewerber besteht darin, genau zu notieren, was Du unternommen und welche Kernbereiche Du selbst dabei abgedeckt hast, sei es Marktanalyse, Entwicklung, geschäftliche Planung, Finanzierung, Vermarktung, Kundengewinnung, Beratung, Verkauf, Rekrutierung, Betriebsführung oder was auch immer.
Ein Eintrag im Lebenslauf könnte so aussehen:
| 04.2005 - 03.2007 | Gründerin & Geschäftsführerin, b-concept24 GbR, Witten Kunden: uli-ludwig.de (Frankfurt), Ilonas Wellness-Oase (Bad Soden), Asian Businesss Club (Praunheim), Praxis Dr. Beitenbach (Wiesbaden) u. a. bis 03.2007 studienbegleitende Tätigkeit |
Untermauere die Angaben im Lebenslauf durch Angaben über Projekte, Kunden, Auftraggeber. Lege am besten eine Liste von Referenzpersonen bei oder besorge Dir schriftliche Danksagungen und Empfehlungsschreiben.
Sammele unbedingt Projekte, Kunden, Erfolge. Vor allem positive Zahlen machen immer dann, wenn Du in die Industrie wechseln willst, Dein Bewerber-Portfolio stark. Zweifele nicht daran, dass Jobanbieter auch bislang eigenverantwortlich handelnde Kandidaten einstellen. Du hast doch zugleich auch gezeigt, dass Du Dich rigorosen Studienordnungen und Verpflichtungen unterwerfen kannst. Selbst bestimmt und ausführend zu handeln - für beides findest Du in Deiner Vita genügend Belege.
Vergiss niemals: Du integrierst als Bewerber darum erläuternde Zusätze in die wichtigen Lebenslauf-Stationen, damit man Dir dazu neugierige Fragen stellt. Jeder Lebenslauf soll ja dem Rekrutierer zu denken geben. Deine studienbegleitenden Erfolge sollen ihm sogar schwer zu denken geben.
Hab keine Angst vor Fragen, die man Dir im Jobinterview stellt, sondern freue Dich, dass man Dir die Chance gibt zu glänzen:
Vielleicht wird man Dir auch die alten Submissionsfragen stellen. Kannst Du Dich noch unterordnen? Kannst Du Vorgaben getreu umsetzen ohne zu Eigenmächtigkeiten zu neigen? Passt Du noch in das Korsett der festen Arbeitszeiten und Regelungen?
Für alle Fragen gilt: Blase Deine Aktivitäten und Leistungen nicht auf. Dein Geschäft darf kein Deckmantel sein. Ein Scheingeschäft fällt bei kritischer Nachfrage sehr schnell in sich zusammen. Akzentuiere andererseits Deine Erfolge, Dein Geschick, Dein geschäftliches Glück. Man kann Deine Leistung weder verstehen noch würdigen, wenn Du Dich nicht dazu bekennst. Falls man anmerkt, wie herrlich frei und ungebunden Du doch warst, dann kontere mit Deiner Selbstdisziplin und dem Zwang, konstante Leistung zu bringen.
Nicht nur für akademische Einsteiger gilt: Eine gescheiterte Existenzgründung verschweigt man nicht. Berichte darüber, aber vergiss nicht: Ein Jobinterview ist kein Ort für Fehlerberichte oder gar Schuldzuweisungen. Arbeite heraus, was Du mitgenommen hast. Die Leute, die Dich einstellen werden, wissen, dass man nicht immer gewinnt, aber immer überleben muss.
Download
Selbständig im Studium (PDF)